Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

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Archiv: Juni 2017

Silk Flowers first appeared on my pop radar with a couple of 45s and EPs around 2008-9. Intrigued, I decided to try and guess their geographical origin by listening for inflections in the music that might provide some clues. North of England, definitely. Not Manchester (the city), or Merseyside or Yorkshire though. Somewhere in Greater Manchester. Maybe Bolton. Maybe Chorley. Possibly Wigan. Yeah, definitely Wigan. Later, I found out they were actually from Manhattan or Brooklyn, or both. So much for inflections.

The music on Silk Flowers is a strange and often unsettling mix. You get a vibe of closed-off gloom from it. As if its authors were consumptive Victorians in a locked ward in a sanitorium, who had nothing to do, then a time-traveller appeared from nowhere and gave them some synths, a drum machine and a microphone. To say that Silk Flowers owe Ian Curtis a debt is to misunderstand what’s going on here. This isn’t a band that are trying to emulate Ian Curtis. They’re taking an element of the Curtis thing, isolating it, and doing scientific experiments with it. Pitchfork (I just looked up a review) said the following in their review of the record:
 

Despite a list of influences eclectic and goth-y, and despite a singer doomed to Ian Curtis and/or Cookie Monster comparisons, Silk Flowers‘ pop instincts are surprisingly strong.

 
I like the Cookie Monster reference, because there is humour here, within these heavy, dank, bible-black atmospheres. The backing music is often sprightly despite itself. What was it Samuel Beckett said, again? Oh yeah – „Nothing is funnier than unhappiness“. I’ve never taken this to mean Schadenfreude though – because it’s fairly obvious that Beckett was dealing in universals. And if life is a one-way street to death, well, what can you do but laugh?

Rather then break this release down track-by-track, it’s probably better to dispense with the idea of constituent parts and see it as if each track is the same track, time overlapping, a musical Tralfamadore. It’s also good to dispense with the idea that you’re, like, listening to a record. Think of it as art and imagine you are walking through a gallery and this is the art that’s on the walls. This record is a triumph. A winner. And no mistake.
 
 
 

 
 
 
Notes: this post is #39 from our Lost Classics series. I think the band Silk Flowers is now no more. Short interview from ages ago here.

Es ist gar nicht lange her, da rief mich der Wirt meiner Hörnumer Lieblingskneipe an – ja, genau, die Wirtschaft, in der die herrliche Wurlitzer-Jukebox steht – erzählte zunächst Neuigkeiten von der Insel, kam dann aber recht flott auf Musik zu sprechen: wann denn endlich die neue Jeff Tweedy “Together At Last“ zu haben sei, er hätte den Song “I´Am Trying To Break Your Heart“ daraus gehört und wäre aber auch sowas von begeistert. Die Platte gäbe es seit dem 23.Juni konnte ich ihm verraten und damit glücklich machen. Diese Scheibe mit 11 Akustik-Versionen von zumeist bekannten Stücken des Musikers ist aber auch wirklich großartig. (Was für ein Zufall, dass Michael auch gerade über die Scheibe geschrieben hat …)

 
 
 

 
 
 

Ob ich von der Band Scott Bradlee´s Postmodern Jukebox schon gehört hätte? Klar doch, diese Musik sei aber, ehrlich jetzt, nicht unbedingt meine Richtung. Er darauf, ob mich mich nicht entsinnen könne, wie ich geschimpft hätte, dass Manfred Eicher mit dem Gitarristen Dominic Miller eine Platte aufgenommen hätte, und?, Was wäre dann gewesen? Ja, genau, kleinlaut hätte ich zugeben müssen, dass diese Scheibe doch richtig gut sei. Ich solle jetzt mal nicht so sein und mir von dieser Band Scott Bradlee´s Postmodern Jukebox das Stück „All About That Bass“ aus dem Album “Historical Misappropriation“ aus dem Jahr 2014 anhören, am besten solle ich doch besser die ganze Platte genießen. Natürlich folgte ich dem Rat des Freundes. Also, da werden Hits im Gewand historischer Jazzarrangements gecovert und das gelingt manchmal richtig gut, etwa mit dem Stück “All About That Bass“, okay, die Stücke sonst überzeugten mich weniger. Aber mein Wirt war noch nicht fertig, da, meinte er, hätte er doch gehört, dass die Beach Boys eine neue Platte herausbringen würden. Das wüsste ich aber, konterte ich, doch, doch, ich solle mich mal kundig machen. Habe ich getan: Beach Boys Collection 1967 – Sunshine Tomorrow erscheint am 30.06. auf einer Doppel-CD mit insgesamt 67 Titeln. Dabei ist eine remasterte Version der LP “Wild Honey“, Studioaufnahmen zu den Sessions zu “Wild Honey“ und „Smiley Smile“ sowie Konzertmitschnitte.

 
 
 

 
 
 

Nun wollte ich aber auch noch einen Tipp, speziell für diese wunderbare Kneipe am Meer loswerden. Ich sagte zu dem Wirt meiner Hörnumer Lieblingskneipe, er müsse sich unbedingt zwei Platten des Penguin Café Orchstra anschaffen (wenn er sie nicht schon hätte), die eine “The Imperfect Sea“, die andere zusammen mit Kathryn Tichell “Laudau“, dann solle er sich bei Sonnenuntergang auf einen der Stühle vor seiner Wirtschaft mit einem Glas kühlen Weißwein so hinsetzen, dass er das Meer und am Horizont Amrum sehen könne, nun solle er einen Mitarbeiter von jener CD “Half Certainty“ und von dieser “Landau“ auflegen lassen. Und nun genießen. Dann hätte er keine Fragen mehr.

Leider kam ich nicht mehr dazu den befreundeten Wirt zu fragen, was so in der Box am häufigsten gedrückt würde, die Arbeit rief. Das nächste Mal dann!

 
 
 

 

Vor Wales kommt der Bodensee, Lindau, genauer gesagt, lieber Gregs! Wie ich heute aus bester Quelle erfuhr, gab es dort einen geschichtsträchtigen kleinen Jazzclub, in dem viele Cracks spielten,  auch Barney Wilen, der in den nächsten „Klanghorizonten“ eine besondere Rolle spielt.  Manfred Eicher sprang manchmal am Bass ein, in seiner Heimatstadt. Vielleicht war unser Hans-Dieter Klinger einst mal da (der auf dem Sprung nach Island ist) –  „Zur Fischerin“ heisst der historische Ort.

Zuletzt überquerte ich den Bodensee, Anfang der Neunziger, als ich unterwegs nach Appenzell war, um den Violinisten Paul Giger in seiner Berghütte zu interviewen. „Alpstein“ heisst sein Zauberwerk mit Jan Garbarek und Pierre Favre. Aber das Teil hast du sicher in deinem Plattenschrank. Zuallererst war ich am Bodensee, und mehr als diese frühen Erinnerungen habe ich nicht zu bieten, als ich sieben Jahre alt war, in einem Dorf, empfundene sieben Kilometer von Lindau entfernt, und mindestens vier Wochen unter der Fuchtel einer strengen Gouvernante! Einmal fiel ich in einen Brunnen, und als ich rausgeklettert kam (oder rausgerettet wurde), erhielt ich eine wilde Tracht Prügel. Ich sollte jeden Mittag einen Mittagsschlaf machen und bekam von Tante Mia regelmässig Burlecithin, oder wie das Zeug heisst, gereicht. Ich schlief natürlich nie, und las, kein Witz, Detektivbücher für Kinder, und Westernhefte.

Ich empfehle dir eine Schallplatte, über die ich vor einer Woche schon schrieb, aber inzwischen habe ich sie noch etliche Male gehört, und sie erzeugt bei mir einen gewissen Suchtfaktor. Dabei hat sie nichts Grenzsprengendes oder Spektakuläres, Jeff Tweedy ist einfach allein im Studio und singt ausgewählte, verdammt gut ausgewählte, Lieder, meist nur von seiner Akustikgitarre begleitet. Der Bandleader von Wilco dosiert dabei den Sprung seiner Stimme in höhere Gefilde so zurückhaltend, wie Beimischungen aus seinem elektrischen Gitarrenarsenal. Die Mundharmonika, nie mein Instrument, erklingt nur einmal, und in diesem einem, ersten Song möchte ich sie gar nicht missen. Kriegt nur gemischte Kritiken, oft ein gutes Zeichen, siehe, höre, Sun Kil Moon’s „Common As Light And Love Are Valleys of Blood“.

Und Tweedy ist, aber wem erzähl ich das, ein exzellenter Texter – hier spielt er jedenfalls, inspiriert ohne Ende, zur privaten Hausmusik auf. „Together at Last“, so der Titel. Zur Zeit neben „Resin Pockets“ von Crescent aus Bristol „on high rotation“. Ach, genau, nach Cardiff, Bristol, Prembrokeshire, geht es dann etwas später, das wird dann der Abenteuerurlaub. Brauchst du noch einen 1000-Seiten-Romantipp? „Die Stunde zwischen Frau und Gitarre“, jetzt als Suhrkamp Taschenbuch. Hammer! Mit herzlichem Gruss, dein Pokalsieger!

 

 
 
 

Zum Meister der hohen Formulierungskunst wurde ja hier auf diesem Blog schon einiges geschrieben. In Zeilen und Tage, das zu meinen Lieblingsbüchern dieses Schriftstellers gehört, gibt er amüsante und bereichernde Einblicke in seinen Lebensalltag. Sowohl persönlich als auch erzählerisch philosophieren zu können, das Ganze mit originellen Wortschöpfungen zu würzen, dies hat er vielen seiner Berufskollegen voraus – um nicht zu sagen: er steckt sie locker in die Tasche. Ein stiller Traum wäre ja, einmal ein Buch herauszugeben, in dem Philosophen und andere Autoren übers Fahrradfahren schreiben. Es folgt eine Passage aus den gesammelten Tagebuchnotizen (von denen man sich wünscht, dass irgendwann noch weitere veröffentlicht werden), datiert mit „Wien, 14. Juni“ aus dem Heft 100 von Mai bis September 2008:

 

„Mit dem Fahrrad die grössere Runde an der Donau bis Tulln und zurück. Bin rechtzeitig wieder zu Hause, um a) die Zahnschmerzen, die seit Monaten nie ganz verschwunden waren, wieder mit einer Dosis Ibu niederzukämpfen, b) mir ein Glas Burgenland-Roten zu genehmigen, c) das Spiel zwischen Spanien und Schweden anzusehen, d) speziell für Günther Netzer die Zeitmaschine neu erfinden zu wollen, damit er in seine Spielerzeit zurückreist statt zu kommentieren.“

2017 27 Jun

„Unheimlichkeitsmusik“

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Hi, Erik,

 

your second solo album, titled „Unrest“, possibly to be released in October on Hubro – and you’re right, it’s the dark „sister“ of „Heliographs“. It avoids all too obvious „signifiers“ of the „Punkt family“ and knows about sidestepping. Though there are known elements, the overall atmosphere tends to the „unknown“.

A music critic (dealing with Arve’s „Towards Language“) recommended writing a soundtrack for a horror movie. Seems a bit far-fetched, but here it is, the dark one, if you leave out the cliche sounds of the genre and stick to the ethereal field of the ungraspable. The better name would be „Unheimlichkeitsmusik“ (have fun translating this!)…

I think I’m good in sequencing tracks (after so many years of radio making – looking for common ground between the most disparate material), so I can say this sequence is top notch. For example: the places for Sidsel’s vocals, brilliant. For example: the penultimate, slightly percussive track, „Processing“, every other place on the album would lose that track’s impact. Arve and Sidsel are nicely separated as the two „lead vocals“ of the whole album.

I like your loose, free piano playing on the first two tracks, the Sidsel pieces are heavenly stuff of the dark matter resort, a thrilling performance of emotional in-between-states (really sad she hasn’t put out out a solo album in years, I wonder why).

Another highlight is your kind of singing or vocalising on the final track. The voice on „The Park“ has an entrancing flow, the melody is, if that makes sense, irresisitible in a low-key manner (no pushing, no crescendo). It has something of the „Weltentrücktheit“ of Brian Eno’s „Julie and I“… (and, you won’t believe it, but it’s true, you should do a vocal album in the future, not necessarily a-cappella ) …

Stuart Moxham would love that tune and, if he had found it decades ago for himself, he would have put it on The Gist’s „Embrace The Herd“ :)

The Gist was a follow-up of the legendary Young Marble Giants‘ „Colossal Youth“, one of my all time faves, and, just in these days, before going to Wales, I have been reading the book from the 33 1/3 series …

The great unmade album: Erik Honoré and Jan Bang invite Alison Statton for a song album that transports the ascetic sparseness of her magic anti-virtuoso-singing of 1980 to the Nordic spheres … or an Alison Statton-Erik Honoré-vocal double album: Lee Hazelwood would send flowers from the tower of song, no kidding …

I digress. Fine.

Look for a nice room with cozy chairs and free Capirinhas for the first pre-listening sesssion of the album at The Punktfestival 2017! In case there is one …

 

Best,

Michael

2017 27 Jun

„Unheimlichkeitsmusik“ (2)

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Hi Michael,

 

Thanks for this – much appreciated.

The “unheimlich” reference works fine for me, be it a reference to Freud (or Hitchcock …) or just “uncanny, dreamlike”.

Funny that you should mention a “vocal album”. Several of the tracks on “Unrest” actually started as demos featuring vocals. They had to be sacrificed for the greater good, and were banished to the “outtakes” playlist … I don’t have enough confidence in my singing to do a vocal album – or at least it would demand a lot of work to bring it to the required level.

And yes, Sidsel should definitely do a proper solo album soon – her “Manafon” – where she crystallizes her development since the “ECM songs albums” into the masterpiece she definitely has in her.

Again, thanks for your feedback. It means a lot.

 

Best,

Erik

2017 27 Jun

Pure archaeology

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„After the rapid success and demise of Young Marble Giants in 1980, I lived for a while in London, then Nottingham and finally Ilkeston, before prodigally returning to my home town of Cardiff.

I began to use multitrack recording, as a method of composition, whilst holed up in Nottingham, initially on a TEAC four track reel to reel and later a new-fangled, four track cassette Portastudio.“

All songs, singing and instruments written, performed and recorded by Stuart Moxham except where otherwise credited.

I took the title “Holding Pattern” from a recent, as yet unrecorded, song because I needed something pronto for this album. It wasn’t until I started writing these sleeve notes that I saw its significance; the music here having waited 35 years or so to land. Almost as bad as Heathrow.

Thanks to Drew, Stav, Spike, Deb and Ian K, for all their brilliant contributions and to John Henderson for seeing the value and having the faith, enthusiasm and stamina to make this record happen. Artwork by Leka and Aleksandra Mladenovic.“
 
release date: August, 24

2017 26 Jun

Longmire 5, Laramie 1

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K

K

Western waren eine frühe Nahrung, sie enthielten alles, was man für eine Rabaukensiedlung brauchte. Das Buch war aus Hartkarton, mit Bildern vom ersten Western Ranger, dem ich vertraute. Der zweite war Robert Fuller und kam schwarzweiss vom Fuss der Blauen Berge angeritten. Später wurden meine Westernhelden härter, abgründiger, der letzte in einer langen Reihe ist Walt Longmire. Fünf Staffeln, die finale sechste wird bald gedreht. Als ich die ersten Folgen sah, kamen die auf den Romanen von Craig Johnson basierenden Geschichten noch etwas gediegen daher, wie einst Detektiv Rockfort in seinem Wohnmobil. Die beiden Protagonisten ähneln sich auch in der Optik. Aber als sich das Drehbuchteam eingeschrieben hatte, begriffen wohl alle miteinander, was da für ein prächtiges Schauspielerensemble beieinander war. Die Stories nahmen an Fahrt und Tiefgang auf. Die alten neuen Geschichten von Macht und Tod und Vergeltung, die kurze Titelmelodie kaum mehr als ein kratziger Gitarrenakkord. Robert Taylor, Kattee Sackhoff (a name like from Bavarian ancestors!), Lou Diamond Phillips und Cassidy Freeman sind eine Schau, und sehen in den verwitterten Landschaften und rauchigen Bars am Rande des Indianerreservats ungleich vitaler und verwundbarer aus als auf akkurat designten Fotos der Casting-Agenturen. Die letzte Szene bislang ein einziger Peyoterausch. Die ersten Folgen von Laramie, damals, vielleicht 1963, ein Traum.

Sie schob den Pfeiler mit dem Absperrungsband beiseite. Wir waren special guests und durften die Zone betreten, die anderen Besuchern verwehrt war. Es war ein riesiger, langgestreckter und hoher Saal, Fischgrätparkett auf dem Boden, Stuck an der Decke, die vier Jahreszeiten, vier Elemente, und alle Wände von unten bis oben gefüllt mit Büchern vom 9. bis zum 15. Jahrhundert. Es war etwas Sakrales im Raum, wir sprachen leiser, flüsterten, als würde uns eine Art Geheimwissen umgeben, eine Magie, die in einer alten Zeit stecken geblieben, uns fremd geworden war. Reiseberichte, Religion, Medizin. Eine Welt ohne Elektrizität, ohne Flussbegradigung, ohne Autobahnen. In der Mitte standen ein paar Arbeitstische mit Petroleumlampen. Es war die Bibliothek der Benediktinerabtei in St. Mihiel. Da waren Bücher, die mehr als 25 Kilo wogen. Umschläge aus Ziegenleder, Anfangsbuchstaben bunt verziert. Das Gewicht eines einzelnen Blattes. Die Bibliothekarin erklärte verschiedene Ordnungssysteme: Es wurde sortiert nach Regionen, aus denen die Bücher stammen oder die sie behandeln, nach der Größe der Bücher oder nach ihren Farben, es gab Bücher, die mit einem Fluch belegt waren und ich war fasziniert von der Irrationalität, und wer sagt, was irrational ist. In den Wirren einer Zeit, als die Region mal deutsch und mal französisch war, hatte ein Deutscher ein wertvolles Buch mitgenommen oder gestohlen und als man ihn auffindig machte, schrieb man ihm, das Buch sei mit einem Fluch belegt und dieser Fluch könnte sich nur auflösen, wenn er es zurückgeben würde. Ich gebe hier die Geschichte wieder, wie ich sie verstanden und in Erinnerung behalten habe. Der Mann gab das Buch zurück. Was ist – außer Diebstählen und unsachgemäßer Behandlung durch Menschen – für Bücher gefährlich? A) Das Licht der Morgen-, Mittags- oder Abendsonne, B) Feinstaub, C) Vollmondlicht oder D) Bücherwürmer? Auflösung gibt´s morgen oder übermorgen.

Ich war vielleicht acht oder neun und wenn ich nicht auf dem Spielplatz herumtobte oder auf den Walnussbaum kletterte, der direkt an der A 6 stand, und es gab noch keinen Lärmschutzwall, spielte ich in meinem Zimmer mit  Legosteinen. Meist baute ich auf die größeren grauen und grünen Flächenstücke zwei oder drei kleine Häuser mit ein paar Räumen, die kein Dach hatten, damit ich mit meinen kleinen Gummifiguren, die beste Freunde waren, darin herumlaufen konnte. Ich hatte zwei Bäume, einen flachen, der Schatten eines Baums, und einen moderneren mit einer Art giftgrünem Pilzkopf. Meine Lieblingsfiguren waren ein weißer Eisbär, ein weißer Wiesel und ein gelber Hund. Es gab aber auch einen Pinguin, der irgendwann seine Flügel verloren hatte. Sie unternahmen alles Mögliche, alles ohne Barbie. Einer ging zur Geigenstunde und ich spielte dann eine Etüde. Ich räumte nicht immer alles am Abend auf. Einmal warf mein Vater einen Blick in mein Zimmer und sagte, wenn ich nicht aufräumen würde, würde ich später mal keinen Mann finden. Er sagte das wirklich. Ich hielt generell nicht viel von Erwachsenen, ich fand mein Leben frei und ihres unfrei.

Das, was Gregor seinen Plattenschrank nennt, besteht bei mir aus einem Regal voller Schallplatten, CDs und Audiokassetten. (Bei Gregor sind auch noch Bücher eingeschlossen und letztlich ist bei ihm alles eingeschlossen, was alle wissen, die seine Rubrik lesen.) Wenn ich eine bestimmte Musik hören will, will ich nicht lang suchen. Das System wird durch CDs ohne Hülle erschwert bzw. mit so einer schmalen Hülle, dass Cover und Bandname kaum oder nicht zu lesen sind, das sind dann die, bei denen ich mir einfach merken muss, dass sie im Kasten der CDs ohne Hülle sind. Have Fun With God zum Beispiel. Oder Aurora von Ben Frost. Oder With US Until You´re Dead, von Archive, aus dem Jahr 2012 (Danke, T.). Ich könnte hier auch nochmal den Gedanken aufgreifen, CDs mit passenden Büchern zu platzerien. Ich stelle den wunderbar aufwühlenden Gedichtband „Crush“ von Richard Siken neben Frank Oceans Debütalbum „Channel Orange“. Eine schöne Idee, aber unpraktikabel. Ich würde meine CDs nie nach Labels ordnen. Ich denke nicht in Labels. Ich denke eher in Stimmungen oder daran, ob ich songs oder reine Elektronik hören möchte. Also steht Beat The Champ neben The Magic Whip. Dann gibt es die Abteilung mit The Necks, dem Kammerflimmer Kollektief, Labradford und Eivind Aarset. Was Audiokassetten angeht, da greife ich manchmal, vor allem vor einer Autofahrt, einfach nur wahllos ins Regal und hole irgendeine der Klanghorizonte-Kassetten raus. Hier ist eine aus dem Herbst 2006. Oh, ein vergessener Song, den ich sicher oft gehört habe. Nachtgedanken, beduselt vom Apfelwein, ein Flirt mit einer Barfrau, Selbstironie. Das waren die Stichworte aus Michaels Kommentar, die ich in die Beschriftung aufgenommen habe. Es ist ein Song aus James Yorkstons Album The Year Of The Leopard: Woozy With Cider. – Rückspultaste. Repeat.

2017 26 Jun

OKNOTOKOK

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In den letzten Tagen kam ich, was ich nur zu gerne erlebe, aus dem Staunen nicht mehr heraus. Wer die „Klanghorizonte“ seit 1990 hört, wird sich womöglich daran erinnern, dass Radiohead zum Stammpersonal der Sendung zählt. Meine Faszination begann allerdings erst mit ihrem vierten Album „Kid A“, „The Bends“ habe ich nie gehört, und als mir „OK Computer“ erstmals begegnete (in einem Umfeld sich überschlagender Begeisterung), liess es mich kalt. Beim zweiten Mal auch, seitdem ignorierte ich das Album zwei Jahrzehnte lang. In dieser Zeit erlebte ich die Band einmal, bei einem regnerischen Festival in Norddeutschland, es war ein Traum. Radiohead  hatte sich einen Platz in meiner Herzenliste der besten „westlichen“ Rock-„undweitdarüberhinaus“-Bands aller Zeiten gesichert, neben den Kinks, den Beatles, den Talking Heads, den Flaming Lips,  Wire (Früh- und Spätwerk), The Go-Betweens, King Crimson, Swans, The Mountain Goats, Can, den Young Marble Giants, Steely Dan, den späten Talk Talk, und einer Handvoll anderer. (Ich nenne hier  nur Bands, die mindestens einen Sänger hatten und keinen Eigennamen im „branding“ führten.) Aber erst vor zwei Wochen, als mir die Promo der „reissue“ von „OK Computer“ ins Haus flatterte, war ich bereit, mich noch einmal auf das  Album einzulassen. Und anders als im Regelfall, wenn das jüngere Ich treffsicher lebenslang geltende Urteile liefert, war ich sprachlos und im eingangs erwähnten Staunen angekommen. Ich schloss keine Scheissbildungslücke, ich öffnete einen Abenteuerspalt!


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