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2017 9 Apr

Ghosts of Highway 20

von: ijb Abgelegt unter: Blog | TB | 1 Kommentar

 


 
 
 

Heute (Samstag Abend) fuhr ich durch Oxford, um via Leeds nach Birmingham zu gelangen. Was sich auf den ersten Blick nach einer arg umständlichen Route anhört, war tatsächlich eine recht kurze Strecke auf der Interstate 20. Allerdings nicht in New England, sondern in Alabama. Dabei dachte ich an Lucinda Williams letztes Album, das dieser Straße gewidmet ist, wenngleich im Wesentlichen der Region ein Stückchen weiter westlich, in Lucindas Heimat Louisiana (auch ganz wunderbar auf ihrem Album Car Wheels on a Gravel Road porträtiert). Leider habe ich die Ghosts of Highway 20, die ja unter den Top 5 meiner 2016-Scheiben war, nicht dabei, da ich das Doppelalbum nur auf Vinyl besitze und da kein Download enthalten war.

Mein Weg führte mich heute von Atlanta in Georgia nach Birmingham in Alabama. Nicht nur konnte Georgias geschichtsträchtige Hauptstadt bei mir diesmal einen gänzlich anderen, weitaus freundlicheren Eindruck hinterlassen als bei meinem ersten Besuch hier vor gut 18 Jahren – als ich vor allem das Zentrum mit dem Coca-Cola-Museum und den Olympia-Stätten besichtigte -, auch wurde mir bewusst, dass ich total verdrängt hatte, dass Peachtree Road natürlich Elton Johns Atlanta-Album ist. Er nahm es vor rund 14 Jahren hier auf, und es ist – ähnlich wie Tumbleweed Connection mehr als drei Jahrzehnte zuvor – vom amerikanischen Süden geprägt. Film- und Literaturkenner denken bei der Peachtree Road natürlich sofort an Gone With The Wind. Ich wiederum war nie ein besonderer Fan dieses Werks, weshalb mir diese Referenz bei Eltons Album entglitten war. Bei den Autofahrten quer durch Atlanta, auch entlang der Peachtree Road beeindruckte mich, wie unfassbar grün und gerade bewaldet das gesamte Stadtgebiet ist. Ich denke, dies ist ein Stadtbild, wie sich kaum ein Europäer eine US-Großstadt vorstellt.

Alternativ zu Lucinda Williams (von ihr habe ich zwar ein anderes Album mitgenommen, Down Where The Spirit Meets The Bone, doch das habe ich erst vorgestern bei der Fahrt durch Floridas Südwesten genossen) untermalte also die „Deep Cuts“-Zusammenstellung, die ich kürzlich hier verfügbar machte, meine gut zweistündige Abend- und Nachtfahrt (siehe Bild 1). Darin findet sich immerhin ein wunderbarer „Southern States Song“ aus dem Album Peachtree Road – Porch Swing In Tupelo:

 
 

There’s a porch swing in Tupelo
In the shade of the south
Where the sweet honey drips off that old hush-yo‘-mouth
It’s a slow road on down
That old Natchez Trace
Through Alabama cotton fields to a state of grace
It’s a crisp golden autumn
On the Tennessee line
Rolling down to Mississippi like you headed back in time
Town’s closed on Sunday
Everybody’s in church
It’s empty as the moon this place here on earth

And this place don’t change
Some places move slow
I’m just rocking myself on this porch swing in Tupelo
I got nothing to do ‚cept hang in the breeze
Ghosts of the old south are all around me
Yea swing high, yea swing low
Here on this porch swing in Tupelo

 
 


 
 
 

Das Schwarzweiß-Foto stammt noch aus Floridas Süden, während ich den amüsanten CD-Tipp auf dem vierten Bild bei Decatur CD & Vinyl fand. Gekauft habe ich übrigens ein frühe(re)s Album von Laura Marling (I Speak Because I Can) und Nonagon Infinity von King Gizzard and the Lizard Wizard.

Am Sonntag wird mich mein Weg weiter nach Norden führen, ins kleine Städtchen Fayetteville in Tennessee, wo ich diesen Herrn besuche und zum Gespräch über Demokratie treffe.

Dieser Beitrag wurde geschrieben am Sonntag, 9. April 2017 und wurde abgelegt unter "Blog". Du kannst die Kommentare verfolgen mit RSS 2.0. Kommentare und Pings sind zur Zeit geschlossen.

1 Kommentar

  1. Lajla:

    Lucinda Williams auf dem Highway zu hören, ist der beste Ort dafür. Mo Pitney würde ich dir genauso empfehlen. Vielleicht noch ein kleiner Hinweis auf Annemarie Schwarzenbach, die 1937 in den Süden fuhr und darüber schrieb:

    “ … Ich sah die Rückständigkeit, Unfreiheit, Verseuchtheit und Unterernährung in den grossen Städten Birmingham, Chattanooga, Atlanta, sah noch schlimmere Zustände unter dem weissen Proletariat der „Mill villages“, der Textilfabrikdörfer in der Gegend von Columbus, Georgia, und Charlotte, North Carolina …“ (A. Schwarzenbach: An den äussersten Flüssen des Paradieses, Lenos Verlag 2016)

    Ingo, bevor du die Frage nach der Demokratie stellst, frag die Menschen dort, wie es ihnen heutzutage geht. Das ist Trumpterritorium. Gute Reise!


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