Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

2017 28 Mrz

Spurensuche

von: Jochen Siemer Abgelegt unter: Blog | TB | 3 Kommentare

„Wild Man“ war der Song des Tages gestern. Trotz des guten Wetters eine virtuelle Reise in vereiste Bergregionen. Leichte Panik wiedermal, ich könne die Akkordfolgen eines dieser Sahne-Stücke, die einem nicht nur von Westcoastbuddies wie Becker & Fagen zuhauf serviert werden, schon vergessen haben. Kopfhörer auf, zur Gitarre gegriffen, war ich dann schnell beruhigt: alles noch da, beziehungsweise kam es prompt wieder – bis auf die eine dunkle Stelle, schattenhaft wie das ganze Lied zu dem Himalaya-Yeti. Eines ist ja doch beruhigend beim Trainieren des analytischen Hörsinns: das einst Erschlossene speichert sich in Sedimenten ab und das Neue wird schneller zugänglich. Mehr als nur Kompensation lückenhafter Notenkenntnisse, macht es grossen Spass, einen Song selbst zu entziffern, ihn sich geradezu kannibalistisch einzuverleiben. Er wird dann Teil des Selbst und Ahmung kommt ins Spiel. Copyright? Dass ich nicht lache! So viele Lieder sind längst im Zellgut fest verankert. Epigenetisch aktiv geworden tragen sie zur Gesundheit bei wie wichtige Vitamine: von John Martyn einst bis zu Bon Iver jüngst. Musik selbst machen oder Musik hören, beides ging immer schon mit einer Metamorphose einher, verwandelte stets, schaffte ein Ausgleichs-Ich, ein Anderes. Vielleicht spricht mich auch deshalb dieser Wilde an, den der Nebenmensch nicht fassen kann. Das Album 50 Words of Snow, auf dem er zu entdecken ist, fand ich seinerzeit grossartig. Life in the Ghosts of Kate Bush. Die Akkordfolgen sind bemerkenswert, denn wie so oft bei guten Künstlern finden sich hier originelle, unverhoffte Wechsel. Es beginnt mit A Moll, geht zu G Dur und F Dur. Aber dann: die Melodie bleibt gleich, doch die Akkorde scheren plötzlich aus zu F Dur, E Moll und D Dur. Wie genial ist das denn! Es folgt der Chorus, hier grob skizziert: E Dur, Eb Dur (die unklare Stelle!), D Dur, C Dur, H Moll. Wobei die Taktlängen hasenfüßige Schlenker machen: nichts ist hier berechenbar. Ebenfalls genial, grande dame. Schade, dass unsereins derzeit nur wenig Lust verspürt, eine Cover-Aufnahme zu machen. Die kostet nämlich Nerven und wird am Ende doch relativ schlecht bezahlt – bei zugegeben spärlichem Ergebnis.

Dieser Beitrag wurde geschrieben am Dienstag, 28. März 2017 und wurde abgelegt unter "Blog". Du kannst die Kommentare verfolgen mit RSS 2.0. Kommentare und Pings sind zur Zeit geschlossen.

3 Kommentare

  1. Michael Engelbrecht:

    Ah, die Platte mit Elton John! :)

    Ja, aber wirklich ein grossartiges Album, mit ARIAL und ihrem Debut sind meine drei liebsten Bush-Alben genannt, noch vor THE DREAMING – und ihrem allgemein gerühmtesten Werk aus den 80ern.

  2. Wolfram Gekeler:

    Es war doch noch nie so einfach, professionelle Studioaufnahmen zu machen; die ganzen Gerätschaften passen in 1 ipod, und wenn du die Akkorde raushören kannst, dann ist das die halbe Miete. Aber ich gebe zu: man ist immer mit den Tücken des neuesten Updates so beschäftigt, dass man nicht zum Musizieren kommt.

  3. Jochen:

    The whole recording situation can put you in a straitjacket …


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