Manafonistas

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2016 28 Dez

Weiter, wohin (2)

von: Michael Engelbrecht Abgelegt unter: Blog | TB | Kommentare geschlossen

Schon ganz früh, als ich mich in dem einen oder anderen Jahr für moderne Lyrik begeisterte, kreuzten schmale Bändchen von Jürgen Becker meinen Weg. Er kam aus einer anderen Zeit, Jahrgang 1932, und doch erlebte ich ihn wie einen vertrauten Begleiter, der die Geschichte der Bundesrepublik, und das sogenannte Alltägliche, immer neu sondierte, und  – bei aller Nüchternheit der Beobachtung (Felder, Eingezäuntes, Blicke durch Fenster) – einen Pfad ins Unsichtbare öffnen konnte, bar jeder Metaphysik. Das Gedicht „Weiter, wohin“ enhält alles, was ich an seiner Lyrik liebe.

Ich habe mich beispielsweise niemals für die Musik an Westfälischen Adelshöfen interessiert. Aber ich habe selten eine feinere Annäherung an das Verschwundene gelesen als diese, in den ersten drei Zeilen des Gedichts. Und dann landet die Stimme des Gedichts in einem Frühsommer, der diverse Anzeichen schneller Verflüchtigung bereithält. Die Vorstellung, noch einmal im alten Zelt zu schlafen, „together“ (wie ein Überbleibsel der Ära der Beatles, als uns das Englische leicht auf der Zunge lag), wird dann abgelöst durch eine nun nahezu rauschhaft-nüchterne Spurensichtung der Leere, abermals verschwindender Räume, voller Cembaloklänge, Vögel, und Wasserstrassen. Das ist unfassbar, und bringt etwas zum Klingen, das ich nicht in Noten fassen könnte.

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