Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

2016 4 Dez

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von: Hans-Dieter Klinger Abgelegt unter: Blog | TB | 6 Kommentare

 
Friend        ’n       Fellow

 
 
 

Die Zusammenarbeit von Voice & Guitar ist altbewährt. Das habe ich, wie viele Andere auch, hautnah erlebt. Zur Studentenzeit waren wir oft an einem schönen See, irgendwo nahe München. Es war ein verträumter Platz unter Laubbäumen mit einem kleinen schmalen Sandstrand. Oft war ein Junge dabei – seinen Namen habe ich vergessen – der es drauf hatte, Voice & Guitar. Von ihm habe ich das Rauchen von Roth-Händle übernommen und seine spezielle Art, Zigaretten der Schachtel zu entnehmen: mit seinem plektronförmigen Daumennagel ritzte er einen langen Spalt mitten in die Frontseite der Verpackung, klappte sie auf und holte eine schwarze Roth-Händle heraus. Wolfgang rauchte Reval und griff sich manchmal jene Gitarre am Strand. Er spielte nur ein Stück, nämlich Rocky Raccoon, und machte damit mächtig Eindruck auf Agnes. Da habe ich immer davon geträumt, Trockenklavierpulver zu erfinden. Wasser zum Aufgießen gab es ja genug an unserem Sandstrand. Mit Voice & Guitar kann man sogar Nobelpreise gewinnen – wenn man eigene Texte singt.

Voice & Guitar gab es am 2. Dezember bei den Kulturwelten. Gleich nach dem ersten Stück sag ich zu meinem Mädel: „Ich werd’ verrückt!“ Constanze Friend ‘n Thomas Fellow sind nun in Helmbrechts und sinnieren erst einmal über den eigenartigen Namen des ihnen bis vor Kurzem unbekannten Ortes. Beim nächsten Stück schließe ich die Augen und meine Ohren sehen eine Band, ein ganzes Quartett, nicht nur voice and guitar! Auch bass und percussion, oder war es doch ein Quintett mit melody and rhythm guitar? Das hört sich etwa so an:

 
 

 
 

Nach mehr als 2 Stunden gibt es ein verblüffendes PreEncore: eine Fantasie über H-E-L-M-B-R-E-C-H-T-S. Ob sie das öfter machen? frage ich nach dem Auftritt. Vielleicht auch über B-O-N-N? , sagt Constanze, das war ‘ne spontane Improvisation. Die letzte Zugabe war „What a Wonderful World“.

Das war es auch, 21/2 Stunden lang. Nicht ein einziges Mal ist mir der kommende amerikanische Ubu Roi durch den Kopf gegangen. Eine Frage hatte ich noch an die beiden. Ob ich eines ihrer Stücke komplett auf einer Blog-Seite vorstellen dürfe? Wenn es eine ihrer Eigenschöpfungen ist, habe man nichts dagegen. Nun denn …

 
 

 

Dieser Beitrag wurde geschrieben am Sonntag, 4. Dezember 2016 und wurde abgelegt unter "Blog". Du kannst die Kommentare verfolgen mit RSS 2.0. Kommentare und Pings sind zur Zeit geschlossen.

6 Kommentare

  1. Hans-Dieter Klinger:

    Friend ’n Fellow kenne ich „eigentlich“ nicht. Ich habe Tickets für das Konzert nur deshalb besorgt, weil ich das Duo vor Jahren im Radio gehört habe. Voice ’n Guitar ging mir nie besonders nahe. Es gibt für mich nur EIN Stück. Das stellt ALLES aus diesem Genre in den Schatten.

    Blackbird

    Übertrieben? Klar – ist halt meine singuläre Minderheitenmeinung. Eine Frage habe ich noch: wer von den verehrten Lesern kennt Friend ’n Fellow ebenfalls „eigentlich“ nicht?

  2. Gregor:

    Ich gebe es zu, Friend ’n Fellow kenne ich bislang nicht, höre mir gerade Kostproben an. Dafür kenne ich Helmbrechts, habe aber noch nie ein Konzert dort gehört.

  3. Michael Engelbrecht:

    I don’t know Friends ’n‘ Guitar, I don’t know Helmbrechts (the name sounds cartoonish like an old Nazi’s village, no offense), but I DO know that these days turn into a big advent calendar, at least for our guitarrero Joey. Wouldn’t be surprised if, tomorrow morning, Ralph Towner might turn around the corner with the silence of a candle. No doubt about it, this has been a year of astonishing guitar solo albums.

  4. Rosato:

    There are many villages and towns with KZ history – even if their names don’t sound like old Nazi’s villages – no offense.

    71 years after Außenlager Helmbrechts has been closed, Thomas Fellow spoke of Helmbrechts as a „secret capital of good musical taste“. In this case I am not a ‚Local Patriot‘, only an objective rapporteur. But I agree with him, even though he certainly wanted to flatter the audience.

    This year I visited at Kulturwelten Helmbrechts:
    – Michael Wollny & Heinz Sauer
    – Al Di Meola
    – Eva Klesse Quartett
    – Emil Brandqvist Trio
    – World Percussion Ensemble

    and some more events. I’m glad that I have to drive only few 45 km to these venues. So I experience live concerts more often than ever before. It happens in rather small halls where you feel like sitting in a living room. Fantastic atmosphere.

    Next year we expect (among others) Canadian Brass, Giora Feidman

  5. Martina Weber:

    Was für eine eindrucksvolle Episode aus deiner Studienzeit, Hans-Dieter. Manchmal sind es kleine, für andere völlig selbstverständliche Handgriffe, die uns an ihnen faszinieren.

    Gerade weil sie für denjenigen, der sie ausführt, so selbstverständlich sind, und wir genau wissen, dass eine innere Einstellung dahinter steckt, an der wir teilhaben wollen. Roland Barthes erwähnte in einem Essay über Cy Twombly die Arbeit an dem, woraus die Geste entsteht.

    Ich mochte auch die rätselhafte Überschrift deines Textes. Eine surrealistische Geste. Wobei es vermutlich irgendeinen Zusammenhang gibt.

    And I liked the music. Never heard of them, „eigentlich“.

  6. Martina Weber:

    Inzwischen hat sich das Rätsel der surrealistischen Überschrift gelöst. Es erinnert mich daran, dass ich einmal, gar nicht lange her, eine bestimmte fachliche, durchaus komplexe und tricky Frage klären wollte und mehrere Lehrbücher und Kommentare in der Bibliothek bestellt und durchgesehen habe, das Problem lag aber etwas am Rand und es gab in den Büchern, die allesamt renommiert waren, nur Ansätze, Vages, geradezu verhuscht Verschämtes, nichts wirklich Brauchbares. Dann kam ich auf eine andere viel einfachere Rechercheidee. Und innerhalb weniger Minuten waren alle Zusammenhänge klar.


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