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2016 5 Apr

Ritt entlang des Bodensees

von: Lajla Nizinski Abgelegt unter: Blog | TB | Tags:  | 10 Kommentare

 

 
 
 

Er hat dieses Haus gebaut und er hat diesen Garten angelegt. Den Hauptweg „pflasterte“ er mit Manuskripten und Buechern. Er hat eine ganze Generation „aphrodisiakatisiert“, seine Juenger folgten ihm in langen Gewaendern mit Lorbeerkraenzen auf den Haeuptern. Zu diesen Wandlern gehoerte ich nicht, ich war auch nie eine eifrige Leserin seiner Werke. Ich teile sicher mit ihm die Unruhe und den Reisegeist, der durch das Entdecken der Vielfalt, mit Freude belohnt wird.

Hermann Hesse wohnte in diesem grossen Haus in Gaichingen auf der Hoeri nur 5 Jahre. Warum er das schoene Anwesen verliess, laesst sich nur vermuten. Entweder er dachte wie Michel Leiris: „sich leicht wie eine Feder machen“ oder er konnte die Bodenseepeople nicht ertragen, hier haben sie einfach zu viele Gene von Lehrer Laempel oder er konnte den Sauerampferpudding von seiner Mia nicht mehr sehen.

Der Bodensee ist mir in seiner riesigen Ausdehnung unheimlich. Ich fuhr mit dem Rad auf der Schweizerseite entlang (von Konstanz bis Steckborn 35km). Auf dem Rueckweg sehnte ich mich nach dem freien Platz neben Neil Young. Mein Wochenhit: Glimmer auf STORYTONE.

Dieser Beitrag wurde geschrieben am Dienstag, 5. April 2016 und wurde abgelegt unter "Blog". Du kannst die Kommentare verfolgen mit RSS 2.0. Kommentare und Pings sind zur Zeit geschlossen.

10 Kommentare

  1. Michael Engelbrecht:

    Meine gesammelte Hesse-Lektüre:

    – Der Steppenwolf, mit ca. 17, fand ich gut
    – Siddhartha, nach ca. 30 Seiten abgebrochen, mit ca. 19, kam mir extrem manieriert vor
    – Das Glasperlenspiel, mit ca. 18, nach ca. 40 Seiten mit Bandwurmsätzen, extrem gelangweilt, abgebrochen
    – Narziss und Goldmund (?), mit ca. 17, etwas gequält geschafft. Wohl, ähem, weil ich das Mädchen toll fand, das das toll fand, bis ans Ende geschafft. In der Erinnerung übermässig blumig.

  2. Lajla:

    Nachdem ich das Foto von dem Haus gemacht hatte, kam ein Mann, der da wohnt, und untersagte mir das Fotografieren mit der Begründung, der Suhrkamp Verlag würde das nicht wollen. In dem Garten stehen Tafeln mit Texten von Hermann Hesse. Sie sind sehr romantisch, ziemlich naiv und fast pubertär.

  3. Michael Engelbrecht:

    Also auch ein Jugendbuchautor? :)

  4. Martina Weber:

    Klar. Wir haben den Steppenwolf im Deutschunterricht gelesen.

    Mit der Folge, dass sich natürlich jede/r als ein solcher gefühlt hat ;)

  5. Martina Weber:

    „Unterm Rad“ hatte mich irgendwann mal beeindruckt.

    Eine Freundin von mir hat „Narziss und Goldmund“ heimlich während des Unterrichts gelesen. Das hat ja schon einen gewissen Erotikfaktor, jedenfalls, wenn man keine Ahnung von der Praxis hat.

    Soweit ich weiß, ich es nicht zulässig, das Fotografieren einen Hauses von einer öffentlichen Stelle zu verbieten.

  6. Jan Reetze:

    Mein erster Hesse müsste das „Glasperlenspiel“ gewesen sein, mit schätzungsweise 16, weil mein Hausautor Tucholsky den damals noch völlig erfolglosen Hesse relativ freundlich rezensiert hatte. Ich glaube, ich habe das Buch damals gern gelesen, erinnere aber heute nichts mehr davon. In den Jahren danach habe ich mich dann durch die anderen üblich-verdächtigen Bände gefressen. Hängen geblieben ist nicht viel davon.
    Ich erinnere mich an den älteren Bruder eines Freundes, der damals mit einem halbverstandenen „Demian“ die Durchblickerpose einnahm und mir damit unheimlich auf die Nerven fiel. Auch das ist so eine Hesse-Erinnerung.
    In der Schule haben wir Hesse nie gelesen. Das ist auch gut so, weil ich ziemlich sicher bin, dass es mir die Lust auf weitere Hesse-Lektüre gründlich verdorben hätte.
    Ich glaube, man darf Hesse nur zwischen 15 und 18 lesen und auch jedes Buch von ihm nur ein einziges Mal. Ein zweites Lesen überstehen sie nicht.

  7. Michael Engelbrecht:

    Die Durchblickerpose, genau.
    Später werden manche dieser Frühschlauen Filmkritiker im Land der Maultaschen.
    Ich will nur den Troll rauslocken.
    Geht auch so:
    Martina, ich erinnere mich, viele haben sich wie der Steppenwolf gefühlt. War natürlich ne schöne Illusion – übrigens, ich b i n der Steppenwolf!!!

  8. Michael Engelbrecht:

    Zwischen 15 und 18 ist auch die beste Zeit für Nietzsche, Schopenhauer, umd Joyce. Letzterer wird gerne überschätzt. ich habe damals mal Ulysses an einem Wochenende duchgezogen. War ganz nett.

  9. Michael Engelbrecht:

    Aber ganz im Ernst: so ein Brüller kann ja das Glasperlenspiel nicht gewesen sein, wenn es sich völlig im Vergessen aufgelöst hat.

    Ich weiss noch genau, wie ich wirklich bis weit nach Mitternacht, auch wenn ich um 6.30 Uhr aus dem Bett geholt wurde, die Reise zum Mittelpunkt der Erde gelesen habe, ein Fischer-Taschenbuch, mit Lithographiedrucken (heisst das so?), und vollkommen in die Welt des Buches hineingezogen wurde, und einmal draussen Blitz und Donner losbrachen, als wäre ich d o r t – no drugs!! Danke, Jules Verne, danke, Conan Doyle, danke, Mark Twain.

  10. Martina Weber:

    Es stimmt, Jan, dass man die Hesse-Bücher nur ein Mal lesen kann – höchstens. Und man sollte sie nur in einem bestimmten Alter lesen. Und nicht im Deutschunterricht, nicht einmal den Steppenwolf.

    Was hängen geblieben ist: Der große Antagonismus zwischen Künster und Bürgertum. Ein paar ziemlich verklärte Liebesgeschichten, Illusionen. Und ein großes Getue darum, das eigene Ich zu finden, in dieser Allgemeinheit auf Dauer unerträglich, gerade für junge Lesende, die auf der Suche nach diesem mysteriösen Ich sind, was ja eine Suche nach dem Kern der eigenen Interessen ist. Ich hatte auch eine dieser kleinen rororo-Monografien über Hesse gelesen. Man muss ihn auch aus seiner Zeit heraus lesen. Heute gibt es für junge Leute ganz andere Leseangebote, vom Kleinkindalter an.


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