Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

2016 31 Mrz

Highway with no labelling, but anyway, not lost

von: Martina Weber Abgelegt unter: Blog | TB | Tags: , , , | 15 Kommentare

 


 
 
 

Was hört ihr auf langen Autofahrten? In meinem Auto befindet sich noch ein Kassettenabspielgerät, so dass CDs schonmal ausscheiden. Radio höre ich beim Autofahren fast nie, nicht einmal die Staumeldungen. Ich hatte zwei Klanghorizonte-Mix-Kassetten eingepackt, ohne die Beschriftungen vorher anzusehen, zwei Kassetten mit Übungen zum Toefl und eine Kassette, auf der nur „Jonathan Franzen“ stand. Die Übungen zum Toefl spielen fast alle im Universitätsmilieu und es geht um Probleme folgender Art: Eine Studentin, die sich bisher ihr Appartement mit einer anderen Studentin geteilt hat, wendet sich an einen Freund, und erzählt ihm, ihre Mitbewohnerin zöge aus, weil sie heiratet, und sie könne sich das Appartment allein nicht leisten. Der Freund oder Kumpel gibt dann ein paar Tipps und die Aufgabe besteht darin, das Problem und die Lösungsvorschläge zusammenzufassen und der Studentin einen Rat zu geben und diesen Rat zu begründen, das alles in ca. einer Minute Sprechzeit. Ich wechselte dann lieber auf Musik. Eigentlich habe ich nichts dagegen, beim Hören der Klanghorizonte ab und zu ein bisschen zu erschrecken, weil ich überlege, ob am Auto etwas nicht in Ordnung ist oder ob es doch aus den Lautsprechern kommt. Doch diesmal hatte ich vor allem ganz wunderbare Songs eingepackt. Leider ist die korrekte Beschriftung einer Kassettenhälfte bei meinem einzigen Festplattencrash verloren gegangen. Nach einigen Fragezeichen klingt deshalb die A-Seite aus mit „Lost Highway“ von Ran Blake, das Hans-Dieter besonders gefallen könnte. Gefolgt von „Made in the Dark“ by Robert Wyatt. Und „October 8“ by Midnight Choir. Das müsste eigentlich jedem gefallen, das dies liest. Auf der Jonathan Franzen-Kassette war auch keine konkretere Beschriftung. (Alles Ausnahmen. Normalerweise beschrifte ich ganz gut.) Ich hatte aber das Booklet zu Hause. Stories from „The Corrections“. Ich bin nicht die große Romanleserin, aber zuhören kann ich schon mal. The madness of an autumn prairie cold front coming through. No failure.

Dieser Beitrag wurde geschrieben am Donnerstag, 31. März 2016 und wurde abgelegt unter "Blog". Du kannst die Kommentare verfolgen mit RSS 2.0. Kommentare und Pings sind zur Zeit geschlossen.

15 Kommentare

  1. Poschlost:

    Meine Auto-Dauerbrenner, 3xMusik, 1xLiteratur:

    – Avishai Cohen Trio „From Darkness“ (der Bassist, nicht der Trompeter)
    – David Sylvian / Robert Fripp „The First Day“
    – Lester Bowie Brass Fantasy z.B. „The Odyssey of Funk and Popular Music“
    – Thomas Bernhard „Ein Kind“ bzw. „Autobiographische Schriften“

    Die Musik bewirkt, dass schon ein rechte-Spur-kompatibles Tempo für einen Geschwindigkeitsrausch genügt. Der billigste Weg zur „Freude am Fahren“. Der Text dagegen bewirkt, dass man sogar auf einer von Knalltüten bevölkerten Autobahn Substantielles erlebt.

    Ach ja, und manchmal noch: Stormy Six „Macchina Maccheronica“ oder „Al Volo“ – möge der Stau ewig währen!

    Karsten

  2. Michael Engelbrecht:

    And the question is: where did you(?) take this photo – or steal it? Looks like on the way to Wyoming. I don’t think you’re taking photographs while driving.

  3. Michael Engelbrecht:

    Auf Sylt gibt es nur Wolfert Brederode, BLACK ICE, und Brian Eno (THE SHIP).

  4. Lajla:

    Auf einer sehr langen Autoreise bis auf die Lofoten hörte ich alle „Alf“ Cassetten und den norwegischen Folkloresänger Harald Foss.

  5. Martina Weber:

    @ Michael: Es ist ein Foto, das ich zwar selbst fotografiert habe, aber nicht beim Autofahren oder in der realen Welt, es stammt also nicht aus einer realen Strecke, die ich gefahren bin, sondern aus dem Film „Don´t come knocking“ von Wim Wenders und Sam Shepard.

    manafonistas.de / some-secrets-about-the-us-american-character …
     
    @ Karsten: Ich hatte vor vielen Jahren eine ausgeprägte Thomas Bernhard-Phase. Ist aber vorbei. Ich mochte „Beton“ oder „Das Kalkwerk“. Das erste, was ich von Th. Bernhard las, war „Midland in Stilfs“. Ich selbst höre sehr Verschiedenes beim Autofahren, sehr gern auch Hörspiele, vor allem im Dunkeln.

  6. Gregor:

    Also dieses Thema – Musik, Hörspiel – im Auto, das ist den einen oder anderen Plattenschrank wert. Dazu also demnächst mehr. Ich beneide dich, dass du noch Kassetten im Auto hören kannst.

  7. Martina Weber:

    Gregor, wenn es dir wichtig ist, könntest du einfach einen batteriebetriebenen Kassettenrecorder auf den Beifahrersitz legen :)

    Auf deinen Hörspiel-Plattenschrank freue ich mich schon. Ich würde dann auch noch ein paar Einblicke in mein Hörspiel-Shelfie anfügen.

  8. Lajla:

    Ja, prima Thema. Könnte ich jetzt von L.A. hoch nach S.F. fahren, würde ich The Monsanto Years von Neil Young und Aufnahmen von Spielen mit Cruiff anhören.

  9. Michael Engelbrecht:

    – Hot Chip hat den Song MADE IN THE DARK geschrieben, Robert Wyatt ist der Gastsänger. Das einzige Lied, das ich auf dieser vielgelobten Scheibe sehr mochte.

    – Die Freude am Hörspiel ist bei mir immer dagewesen, aber nach der Schulzeit ist mir die Praxis abhanden gekommen. Hörspiele sind daher meist ferne Erinnerungen an Hörspiele.

  10. ijb:

    Interessant …

    Ein bisschen durch Zufall stand ich im letzten Sommer auch vor einem Motiv aus Wenders‘ Don’T Come Knocking, dem Schlussbild des Films, das man findet, wenn man eigentlich die falsche Abfahrt nimmt. Es sei denn, man will ausgerechnet nach Wisdom:

    https://www.facebook.com/photo.php?fbid=10207870569301359

    Ich nehme für lange Autostrecken oft Musik mit, die irgendwie mit der Region zusammenhängt, also Tortoise und Wilco für Chicago, Hardangergeige für Westnorwegen, Pan Sonic für Finnland, Gianna Nannini für die Toskana u.ä. Aber natürlich nicht ausschließlich.

  11. Martina Weber:

    Das erinnert mich an eine Übersicht in einer Zeitung, es gab für beliebte Reiseziele jeweils eine Buchempfehlung (meist ein Roman) und ein Musiktipp, passend zur Region. Ist gar nicht mein Ding. Ich mag sowieso lieber die Überraschungen.

  12. ijb:

    Kann aber interessante Wirkungen erzielen. Wenn man beispielsweise Arve Henriksens Alben mal im einsamen norwegischen Hochland hört, wirkt die Musik doch nochmal anders als mitten in Berlin.

    Fand ich im letzten Jahr auch echt schön, Tortoise beim Fahren durch Illinois zu hören, nachdem ich die Platten schon fast 20 Jahre sehr gut kannte. Da entsteht nochmal was, und das hatte durchaus auch was Überraschendes. Aber wie schon gesagt, das ist ja keinesfalls eine hauptsächliche Anwendung meinerseits.

    Eine auch immer wieder gute Wirkung erzielen Platten wie die von Godspeed You Black Emperor auf Autofahrten. Vielleicht nicht überraschend …

  13. Martina Weber:

    Ja, das stimmt, ijb. Godspeed You Black Emperor – die mag ich auch, allerdings am liebsten den letzten Track, der ganz anders und irgendwie mutiger ist als die anderen.

    Ich bin gerade in Marseille und habe – völlig unpassend zur Region und nach langen Überlegungen und Verwerfungen – folgendes auf meinem Lesestapel:

    – Rolf Dieter Brinkmann: Westwärts 1&2

    – Richard Siken: Crush / War of the Foxes (habe ich zwar schon gelesen, die Gedichte sind aber so gut, dass ich sie noch eine Weile bei mir haben muss)

    – Steve Erickson: Amnesiascope

    – Tao Lin: Taipei

    – Claudia Rankine & Lisa Sewell: American Poets in the 21st century. The new poetics

    Das ist natürlich ein Programm für Monate, so lang bin ich gar nicht hier. Aber ich wechsle gern ab und lese selten einen ganzen Tag in nur einem Buch. Zumal ich ja auch anderes vorhabe und auch Mad Men weiterschauen möchte.

  14. ijb:

    Gar nicht naheliegend für Marseille – vor 20 Jahren: Tindersticks‘ erstes Filmmusikalbum für Claire Denis‘ „Nénette et Boni“ …

    Tindersticks – „Tiny Tears“

  15. Hans-Dieter Klinger:

    Ob mir „Lost Highway“ von Ran Blake besonders gefallen könnte?

    Ich war neugierig und fand das Stück bei Qobuz. Es hat mir überhaupt nicht gefallen. Das lag allerdings am unnatürlichen Klang des Pianos, der wegen übermäßigen Einsatzes von dynamic range compression (oder dergleichen) ungenießbar ist.

    Schade, denn dass hier ein Pianist in ganz ungewöhnlicher Weise an die Stücke herangeht, war sofort zu hören. Deswegen habe ich mich weiter umgehört und bin auf zwei Alben gestoßen, die Ran Blake mit Jeanne Lee (Voice) eingespielt hat.

    UMWERFEND!!!

    Jeanne Lee ist auf meiner ersten ECM-Platte zu hören: marion brown, afternoon of a georgia faun (ECM 1004). Eine Scheibe von Ran Blake, That Certain Feeling (George Gershwin Songbook), fand ich auch noch in meiner CD-Sammlung – völlig vergessen, was für ein Versäumnis.

    Where Flamingos Fly


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