Manafonistas

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Archiv: März 2016

 


 
 
 

Was hört ihr auf langen Autofahrten? In meinem Auto befindet sich noch ein Kassettenabspielgerät, so dass CDs schonmal ausscheiden. Radio höre ich beim Autofahren fast nie, nicht einmal die Staumeldungen. Ich hatte zwei Klanghorizonte-Mix-Kassetten eingepackt, ohne die Beschriftungen vorher anzusehen, zwei Kassetten mit Übungen zum Toefl und eine Kassette, auf der nur „Jonathan Franzen“ stand. Die Übungen zum Toefl spielen fast alle im Universitätsmilieu und es geht um Probleme folgender Art: Eine Studentin, die sich bisher ihr Appartement mit einer anderen Studentin geteilt hat, wendet sich an einen Freund, und erzählt ihm, ihre Mitbewohnerin zöge aus, weil sie heiratet, und sie könne sich das Appartment allein nicht leisten. Der Freund oder Kumpel gibt dann ein paar Tipps und die Aufgabe besteht darin, das Problem und die Lösungsvorschläge zusammenzufassen und der Studentin einen Rat zu geben und diesen Rat zu begründen, das alles in ca. einer Minute Sprechzeit. Ich wechselte dann lieber auf Musik. Eigentlich habe ich nichts dagegen, beim Hören der Klanghorizonte ab und zu ein bisschen zu erschrecken, weil ich überlege, ob am Auto etwas nicht in Ordnung ist oder ob es doch aus den Lautsprechern kommt. Doch diesmal hatte ich vor allem ganz wunderbare Songs eingepackt. Leider ist die korrekte Beschriftung einer Kassettenhälfte bei meinem einzigen Festplattencrash verloren gegangen. Nach einigen Fragezeichen klingt deshalb die A-Seite aus mit „Lost Highway“ von Ran Blake, das Hans-Dieter besonders gefallen könnte. Gefolgt von „Made in the Dark“ by Robert Wyatt. Und „October 8“ by Midnight Choir. Das müsste eigentlich jedem gefallen, das dies liest. Auf der Jonathan Franzen-Kassette war auch keine konkretere Beschriftung. (Alles Ausnahmen. Normalerweise beschrifte ich ganz gut.) Ich hatte aber das Booklet zu Hause. Stories from „The Corrections“. Ich bin nicht die große Romanleserin, aber zuhören kann ich schon mal. The madness of an autumn prairie cold front coming through. No failure.

Gestern zu später Stunde, mein Inselnachtprogramm, die Rückkehr von Longmire. Season 4, Episode 1: Extraklasse! Der Auftakt war weitaus mehr als ein Spiel mit vertrauten Elementen. „Hinterland Noir“, sehr gute Schauspieler, allerfeinstes Drehbuch, Hochspannung in jeder Minute, dabei ruhig inszeniert, und gleich ein Song in den ersten fünf Minuten, der Gänsehaut bereitete, „Ticking Bomb“, von Aloe Blacc – wie für die Szene geschrieben!

Bei den ersten zwei Folgen der Season 1 dachte ich ja noch, man hätte Detective Rockford aka James Garner auf eine Zeitreise ins 21. Jahrhundert als Walter Longmire aka Robert Taylor transportiert. James Garner, mir als Typ stets sehr sympathisch (er liess sich zu Zeiten der Kommunistenhatz nicht verbiegen wie so mancher Zelluloidstar und musste sich nicht zuletzt deshalb in der zweiten Reihe anstellen, was Toprollen anging).

Schön, dass er es später, voller Selbstironie, noch mal als Weltraumcowboy an der Seite von Clint Eastwood und Tommie Lee Jones In den Orbit schaffte. Die alte Detektivserie war menschlich anrührend, aber schon simpel gestrickt. Prädikat wertvoll nur aus rein nostalgischer Perspektive. Doch rasch entpuppte sich Longmire als ganz anderes, tiefer gelegtes Kaliber.

Wo es heute schon ausreicht, in einem zugegeben exzellenten Film, und vorwiegend mit Schmerzgestöhn, einen Oscar als bester Hauptdarsteller (Leonardo in The Revenant) zu gewinnen (die beknackteste Kategorie diese Selbstbeweihräucherungsveranstaltung) – in jedem guten Hollywoodfilm lassen sich mindestens eine bis drei „Oscar“-reife Hauptrollen ausfindig machen -, hätte ich Robert Taylor, sowie Lou Diamond Phillips (als Henry Standing Bear) und Katie Sackhoff (als Victoria Vic Moretti) schon alle möglichen Emmys zugeschaufelt (dem Pendant fürs TV).

Also, es lohnt sich, die ersten drei Staffeln zuzulegen. Die Gesichter sind Landschaften, das Handlungsgefüge gut geerdet, das Mystery-Element der Indianerwelt alles andere als hanebüchen. Ganz grosses Kino im TV, das sich noch dazu von Staffel zu Staffel steigert, und dann plötzlich nach einem schaurigen Showdown, vollkommen unerlöst, beinah auf immer, von der Bildfläche verschwunden wäre. Aber es gab eine Zuschauergemeinde, die das Wort ergriff, und mit dazu beitrug, dass es nun mit Season 4 und neuer Produktionsfirma wieder tief wieder ins ländliche Wyoming ging.

 

2016 30 Mrz

Sie lag am Strand.

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Wie in den Geschichten, die gut ausgehen. Das Jahrtausend war noch jung, das Buch, das sie las, ein historischer Roman. Man kann dieses Genre schon aus der Halbdistanz erkennen, die oft sandfarbene Grundierung, die wallenden oder gekrönten Häupter einer lang vergangenen Ära. Ich kenne mich in historischen Romanen nicht so gut aus, sagte ich zu ihr, die ersten Worte, ich lese eher Thriller. Dann erzählte sie mir nach einem dezent prüfenden Blick ein wenig was von der Geschichte, ich achtete nur auf das warme Timbre ihrer Stimme, den Singsang fast, den duchgebräunten Körper. Das Haar mittelbraun, ihr Gesicht „easy on the eyes“, wie die Amerikaner sagen. Am Abend trafen wir uns in der Trattoria, die den besten Orangensaft von Lanzarote aus afrikanischen Orangen presst. In ihrem Bett verschwand ich in ihren langen Haaren, wir erzählten uns den Rest der Urlaubszeit von unserem Alltag, wir gingen essen, schwimmen, küssten und auf heissen alten Stadtmauern, und am letzten Abend machte sie mir einen Heiratsantrag, ich sagte ja. Nein, ich sagte nein, ganz freundlich, und wir sahen uns nie wieder. Es fiel kein böses Wort. Das Besondere an dieser Geschichte ist zweierlei. Zum einen, sie ist Wort für Wort wahr und wenig spannend, bis auf den kleinen Schlenker mit dem Ja. Zum andern, die „Moral“, das Leben kann manchmal sehr einfach sein. Ich weiss nicht, welchen Song Richard Brautigan hier noch untergebracht hätte, wenn es seine Story gewesen wäre, wahr oder erfunden. Vielleicht einen Blues von John Lee Hooker, mit einem Koffer und einem Bahnhof. Einer geht immer zuerst, und manchmal ziemlich am Anfang. Das ist dann aber keine „Moral“, das ist ein Soundtrack.

Was ich zunehmend als Phantasielosigkeit empfinde: dass nun jede, aber auch wirklich jede Lebensgeschichte eines prominenten Menschen verfilmt werden muss! Michael Douglas ist dann Liberace, Daniel Bruehl ist dann z.B. Niki Lauda, und Jamie Foxx ist Ray Charles. Niki Lauda lebt noch, gottseidank, aber es faellt schon auf, dass zumeist nicht mehr lebende Prominente ausgesucht werden; die koennen dann auch wenig Einspruch gegen eine Verfilmung geltend machen.

Demnaechst erwartet uns die Verfilmung, wie Miles Davis (der Ende Mai 2016 neunzig Jahre alt geworden waere) in den 1970iger Jahren „so war“. Selbstredend war niemand, der das Drehbuch geschrieben hat, seinerzeit mit dabei und berichtet somit aus erster Hand; man kann da nur hoffen, dass vielleicht etwaige Interviewsegmente im Film dann etwas erhellender sind als die hinlaenglich bekannten, dem flow des Films Rechnung tragende, mit erfundenen Dialogen angereicherten, Spielszenen, in denen entsprechend optisch zurechtgemachte Schauspieler prominente Musiker darstellen.

Das zum Film erscheinende Soundtrackalbum heisst dann auch „Everything’s Beautiful“ (oh irony!) und die Amazonen verkuenden dazu, dass „verschiedene von Miles inspirierte Künstler dessen Tracks interpretieren, in ihren eigenen einzigartigen Versionen, unter anderem Erykah Badu, Stevie Wonder, Hiatus Kaiyote, Laura Mvula, Bilal, Phonte, Ledisi, John Scofield“. Und diese neuen Versionen braucht „man“ natuerlich, unbedingt, verstehe.

Mir scheint, um Miles Davis zu feiern, wird es (immer, nicht nur an runden Geburtstagen!) reichen, seine Alben zu hoeren, seine eigene Biographie – die ja auch etwas geschoent war – zu lesen. Immerhin vermittelt diese eher ein nachzulesenden Bild, wie er sich und seine Zeit sah.

2016 29 Mrz

Lesezeichen # 14

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Ueber die Ostertage die drei Alben von CORONA angehoert. Eine ganz eigene Art von Weltmusik als  dieses Schlagwort, dass dann bald kommerziell (aus)genutzt wurde, noch nicht so geläufig war. Mir faellt immer wieder auf, wie zeitlos doch viele (alle?) ECM Produktionen klingen. – Und gelesen, das neue Buch von Patti Smith, „M Train“ und das kleine „Die Traumsammlerin“.

Sehr beeindruckend, wie Patti Smith nachvollziehbar macht, dass ganz alltaegliche Situationen (Kaffee trinken in ihrem favourite coffee shop) ausreichen, um durch Gedankengaenge aus dem Hier und Jetzt „herauszusteigen“, die sie und den Leser zu laengst vergangenen Erlebnissen weit, weit weg tragen. Die Verstorbenen sind immer noch bei ihr: sei es ihr verstorbener Ehemann Fred, ihr verstorbener Sohn, und auch ihre literarischen Helden wie Jean Genet, Arthur Rimbaud, Silvia Plath.

Zwei troestliche Buecher, um sie, wie gestern am Ostermontag, auch immer wieder aus der Hand zu legen und seinen eigenen Erinnerungen nachzuhaengen; waehrend draussen allen Spaziergaengern ein Gewitter und reichlich Regenguss den Himmel verdunkelte.

2016 29 Mrz

„Liebe“

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I love Love – this precious californian comedy. The more precise term is called „dramedy“. Spiegelonline wrote about it and same did DIE ZEIT. Those articles sounded interesting. So I stepped directly into the first episode, via first class Netflix streaming. After virtual journeys to New York (Mad Men), Lousianna (True Detective), Minnesota (Fargo), Florida (Bloodline), Northern Essex (The Detectorists), Kopenhagen (Rita) and Malmö (The Bridge) a trip to L.A. seemed to make sense. And so it was: love not at first but second sight – cause when I saw that stupid, jewish looking guy acting with his awkful gestures the first reaction was to drop it. But then the characters slowly unfolded and soon I liked them. The soundtrack is marvelous. To put some names into the frame: Pete Townsend, Wilco and Violent Femmes. The characters are somehow cracked-up, lost or loosers. It´s hard to struggle with life in a town where happiness is an imperative gun. Like once Lacan said: „Hands up, guys – Enjoy!“

 

„Love“ (Trailer)

Planen Sie diesen Tagesausflug eher indirekt. Sindelfingen ist nicht das Ziel Ihrer Reise, Sie werden den Ort eher beiläufig entdecken. Nehmen Sie Ihren alten Atlas, tippen Sie in Ihr Navigationsgerät einen Ort ein, der Sie durch Sindelfingen führen wird. Auf der Fahrt hören Sie Miles Davis, Fahrstuhl zum Schafott, und zwar deshalb, weil das Album bei Rolf Dieter Brinkmann erwähnt wird. Das Gedicht hat den Titel „Gedicht 30.10.74“, und Sie überlegen, ob dieses Datum aus einem besonderen Grund politisch denkwürdig gewesen sein könnte. Es ist einer der ersten Frühlingstage, weiße Blüten, die Landschaft ist durchsichtig, da war eine kleine Tankstelle, und dann sind Sie auch schon durch den Ort gefahren, dessen Namen Sie gar nicht zur Kenntnis genommen haben. Sie erinnern sich an ein Schild, auf dem „Route 66“ stand, und diese kleine Unstimmigkeit nehmen Sie zum Anlass umzukehren und Sie stellen den Wagen am Straßenrand ab. Es ist einer der ersten Tage ohne Winterjacke. Die Gärtnerei hat immer noch geschlossen. Eines der rätselhaftesten Gedichte Brinkmanns trägt den Titel „Fotos 1,2“. Gehen Sie im Sonnenlicht über den Asphalt, setzen Sie sich ruhig auf den Plastikstuhl, der einmal zu einem Café gehörte und den die Nachmittagssonne jetzt direkt beleuchtet. Osmotische Wanderungen. Die Zahlen bedeuten nichts.

 
 
 

 

2016 26 Mrz

The April Recommendations

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CD OF THE MONTH

Vijay Iyer & Wadada Leo Smith: A Cosmic Rhythm With Each Stroke

Marion Brown would have loved this one.“

PHILOSOPHICA

Jean Philippe Toussaint: Fussball

„Max Frisch would have loved this one.“

THRILLER OF THE MONTH

Lou Berney: The Long and Faraway Gone

„Patricia Highsmith would have loved this one.“

REISSUE

Cluster 1971-1981 Boxset

„Brian Eno loves this one.“
 

2016 26 Mrz

Gregor hört „El Corazon“ im „Electric Cinema“

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Über den arg lockeren Spruch mit dem „ranzigen Rock“ muss ich gelegentlich noch mal nachdenken, ansonsten ein netter Artikel.
 


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