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2016 28 Jan

East Side Gallery

von: Martina Weber Abgelegt unter: Blog | TB | Kommentare geschlossen

Der unbegradigte Fluss zieht durch die Stadt, wie ein Geschenk. Die Nacht ist raus aus den Bäumen. Sonne glitzert auf Schollen aus Eis, sie lassen sich tragen. Einen Teil der Mauer haben sie als Denkmal stehen gelassen. Graffitis wurden immer wieder übermalt, eine günstige Werbefläche, deshalb wurde die Mauer durch Grenzzäune abgesperrt, die genauso hoch wie die Mauer sind. Touristen pilgern dorthin, sie ziehen ihre Schals enger und erinnern sich oder stellen sich vielleicht vor, wie es einmal war, mit Grenzkontrollen, Zwangsumtausch und einer Klassenfahrt. Plötzlich stand ich im Osten der Stadt, des Landes, eines Kontinents. Ich war gerade 18 geworden, ich hatte ein paar Momente für mich allein, und alle Häuser waren grau und es gab keine Blumen. Ein diffuses Gefühl von Gefahr in einer engen düsteren Straße, die sich versteckte. Autoritäres Gehabe hatte ich immer gehasst, in einem Blick, einem Wort, einer Geste. Das Fotografieren des Grenzgebietes war verboten. Ich hatte ein Foto gemacht.

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