Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

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Archiv: Oktober 2015

 

 
 
 

Seems to be contradictory, but it isn’t. Snap with a finger, it’s the end of October, 2015, sunny day here in Germany, blink with the eye, and you know exactly (vagueness included) how it has been when you first heared „Penny Lane“ in your life. Yes, that Beatles song. It wasn’t just there. It might have „attacked“ you via Radio Caroline, and maybe, you’ve heard it so often that the first encounter may have been blurred by time’s running in circles on 45rpm forever and a day.

Now, autumn is a good time for another endless Indian Summer – musicwise – the colourful reappearance of awesome music that soundtracked our lives. It’s a memory game, it’s an adventure play, and you have to make your choices. „Excellent remastering“ may be the key expression for illuminations. Sheding new lights. Old stuff can now sound so  much better than ever, but there is no real replacement for our hungry, desperate and weird teenage years. The first kiss, the first Kinks single, the first Talking Heads record, the first cut is the deepest. Whatever, here are some wonderfully restored and remastered sounds from the past that still have the power to drive you crazy, to put a big smile on your face, to send shivers down your spine, to make you dance, sing or anything.

There is Van Morrison’s „Astral Weeks“, Gentle Giant’s „Octopus“, Neil Young sitting in the „Blue Note Cafe“, Underworld’s „Second Toughest In The Infance“ (yep, with Karl Hyde), the boxed set of the „Faces“ with young Rod Stewart, there is the No. 1 – collection of the Beatles (with great film footage, sensurround etc. – Richard Williams singing his praise in Uncut’s December edition), there is the merciless box of the the early nightmares of Pere Ubu, XTC going psychedelic on „Oranges and Lemons“ – there are fantastic vinyl remasters of the two best Peter Gabriel albums ever („3“ and „4“, also called „Melt“ and „Security“), there is the „Harmonia“ vinyl box set, there is that condensed beauty of Arvo Pärt’s „Musica Selecta“, and there is King Crimson’s THRAK BOX, an unsurpassable edition of refinement, reinvention and remastering. As I said, you have to make your choices, and these are mine.

2015 30 Okt

Nosferatu & Live-Musik

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Halloween steht vor der Tür. Ein passender Anlass, wieder einmal Murnaus wunderbaren NOSFERATU — EINE SYMPHONIE DES GRAUENS von 1922 auszugraben. Noch immer ist dies einer der besten je gedrehten Filme überhaupt, und Vorbild für so ziemlich alle späteren Horrorfilme sowieso.

Allerdings nicht, wie gestern abend im Carnegie Museum of Art in Pittsburgh zu sehen und zu hören, mit Heavy-Metal-Begleitung. Der Pittsburgher Gitarrist George Sabol ist nicht der Erste, der sich an dieser Kombination versucht, auch die New Yorker Doomrocker Type O Negative sind damit schon abgeschmiert.

Grundsätzlich finde ich es immer begrüßenswert, künstlerisch wertvolle Stummfilme auch dadurch lebendig zu halten, dass man sie mit Livemusik begleitet, und Sabol hat das handwerklich durchaus gut hinbekommen. Er spielte zum Halbplayback live verschiedene Gitarren. Nur leider hat er sich für seine Heavy-Metal-Musik einfach den falschen Film ausgesucht. NOSFERATU ist ein leiser, subtiler Film, der bewusst auf grelle Schockeffekte verzichtet. Heavy Metal ist das genaue Gegenteil dessen. Hier zogen sich die Gegensätze nicht an, sondern ergaben Wiener Schnitzel mit Vanillesauce.

Zudem verwendete Sabol, vemutlich aus lizenzrechtlichen Gründen, eine uralte, lieblos zusammengehauene und unrestaurierte US-Version des Films voller Kratzer und Sprünge. Damit kann man dem Film nicht gerecht werden. Die Zwischentitel waren grafisch miserabel gestaltet, ließen keine Unterscheidung zwischen den verschiedenen Zwischentitelarten und den Inserts zu und waren einfach nur verwirrend, streckenweise auch allzu frei aus dem Deutschen übersetzt, etliche fehlten ganz. Der fehlenden Viragen wegen wird auch nicht immer klar, welche Szenen bei Nacht und welche bei Tag spielen. Im Originalfilm gibt es erklärende Zwischentitel, es gibt Dialogtitel und es gibt Inserts aus einer alten Chronik; letztere bildet den erzählerischen Rahmen der Geschichte. In der hier verwendeten Kopie war man sich anscheinend nicht einmal einig, ob der Meister nun eigentlich Nosferatu oder Dracula heißt (tatsächlich heißt er Graf Orlok, aber das wird gleich ganz unterschlagen); auch die Namen der Charaktere waren in die alte Stoker-Benennung zurückübersetzt worden, und es bleibt dadurch ein Rätsel, weshalb eigentlich die Leute in Bremen englische Namen tragen.

Solche veralteten Versionen sollten nicht mehr gezeigt werden, sie vermitteln ein falsches Bild des Films. Wenn also NOSFERATU, dann doch bitte eine sorgfältig rekonstruierte und restaurierte Version wie etwa jene des Filmmuseums München (zu beziehen via Transit-Film). Die hat die neueingespielte originale Orchestermusik von Hans Erdmann, die zu dem Film passt, und sie hat die Viragen, die der Film im Original mit großer Wahrscheinlichkeit hatte. (In den USA und England ist eine adäquate Fassung bei EUREKA erschienen. Sie hat die englischen, korrekt übersetzten und grafisch dem deutschen Original nachgebildeten Zwischentitel.)

 
 
 

 
 
 

Happy Halloween!

 

John Cage: Organ²/ASLSP (Teil 2)
 
 

Die Aufführung der John Cage-Komposition Organ²/ASLSP faszinierte mich so sehr, dass ich versuchte mit einem Schulprojekt an diesem Vorhaben teilzunehmen. Nun muss man wissen, dass sich die Durchführung des Konzerts zum Teil durch den Verkauf der 639 Aufführungsjahre, genannt Klangjahre, finanziert. Jedem Sponsor, der ein Klangjahr für mindestens 1000 Euro kauft, wird mit einer Metallplatte für seine Spende in dieser Kirche gedacht. Die Gestaltung dieser Scheibe ist dem Spender überlassen. Man kann das Projekt aber auch über Mitgliedschaft in der Stiftung fördern oder auch durch regelmäßige Spenden. Hier zwei Beispiele für diese Gedenk-Platten:

 
 
 


 
 
 


 
 
 

Einige Kolleginnen und Kollegen meiner Schule haben sich nun in Halberstadt das Jahr 2059, in dem die Schule ihr 150-jähriges Bestehen feiern wird, reservieren lassen. Mit Schülerinnen und Schüler meines Literaturkurses besuchte ich daraufhin im Herbst 2007 Halberstadt. Wir wohnten ein paar Tage in dem Kloster, einige Schritte von St.Burchardi entfernt (zu DDR-Zeiten als Internat genutzt – es gab nur 12-Bett-Zimmer). Alle mitgereisten SchülerInnen waren von ASLSP begeistert und haben dort über das Cage-Projekt einen Film gedreht und ein Hörspiel produziert. Beide Projekte wurden während der Feierlichkeiten zum 100jährigem Bestehen unserer Schule präsentiert und sollen nun erst wieder während der Festes zum hundertfünfzigjährigen Bestehen unserer Schule aus dem Schul-Tresor geholt, angeschaut, bzw. angehört werden. Die beteiligten Schülerinnen und Schüler haben versprochen, wenn es ihnen denn möglich sein wird, aus diesem Anlass ihre Projekte nochmals vorzustellen und unseres Klangjahres 2059 zu gedenken. Angesichts unserer schnelllebigen Zeit soll dieses Vorhaben als eine Form der versuchten Entschleunigung, der „Entdeckung der Langsamkeit“ verstanden werden. Die Investition in ein Konzert dieses Ausmaßes soll aber auch unser Vertrauen in die Zukunft verdeutlichen. Wir möchten uns durch das Pflanzen eines „musikalischen Apfelbäumchens“ immer wieder daran erinnern, dass wir an eine lebenswerte Zukunft glauben und versuchen an ihrer Verwirklichung mitzuarbeiten.

 
Nun noch die versprochenen Plattentipps John Cage betreffend:
 
 
 

 
 
 
John Cage: As it is (Alexei Lubimov & Natalia Pschenitschnikova) 2012 ECM
John Cage: Daughter of the Lonesome Isle 1994 New Albion
John Cage: Sonatas and Interludes (Herbert Henck) 2003 ECM
John Cage: Early Piano Music (Herbert Henck) 2005 ECM New Series
John Cage: The Seasons 2000 ECM New Series
 

2015 29 Okt

She is a thriller afficionada,

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and, one month ago, she was lost in an American epic by Greg Iles, „Natchez Burning“, and, she also developed some sympathy for the Swedish duo Hjorth & Rosenfeldt, maybe she’s just sparing some sleep by reading their latest novel, „Die Menschen, die es nicht verdienen“. – You would like that psychologist, she said, he can  be a real pain in the ass. She laughed. She’s a nurse, and a great cook. Can’t say anything about these books, I could only explain my complete rejection of this ridiculously overrated thriller „Girl On A Train“. In British TV I liked the second season of „Broadchurch“, too, and some episodes with „Vera“. – Ha, I share this with Patti Smith, I added, the singer is keen on the English way of „noir“. She asked me about my favourites of this year, and I first came up with that excellent and creepy psycho-novel „Wolf“ by Mo Hayder, surely one of her best, wicked like hell, but that was from 2014. I told her, that it’s always a good sign when a thriller stays with you long after the closing of the last page. – More sophisticated nightmares? – Yes, Doctor, and more panic attacks! In fact, there have been some crime novels being damned good company (as opposed to fast food), so I came up with these books: R. J. Ellory – Mockingbird Songs. Claire Fuller – Our Endless Numbered Days. Brian Panovich – Bull Mountain (this one, Bull Mountain, old America, what else with that title, will be published from Suhrkamp next February). I’m sure I forgot some, let me think, ah yes, there have been really great ones by Carol O’Connel, William Shaw and Joe R. Lansdale. After „Das Dickicht“ he has written another one located in the Wild West, with smoking guns, high blood count, and a great storyline. And, well, there is at least one masterpiece in the non-fiction crime genre: „Tinseltown – Murder, Morphine, And Madness At The Dawn of Hollywood.“ The author: William Mann. – What a wonderful world we live in, Michael, she said, and we laughed out loud, and then saw the final episode of the last season of „Justified“. I saw it for the second time. What a showdown. Long live the spirit of Elmore Leonard!

2015 29 Okt

The Waiting Room

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2015 29 Okt

Things to handle when night comes tumblin‘ down in November

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Reading the new thriller by R.J. Ellory, „Mockingbird Songs“, means being transported to a decade long gone. West Texas. 1972. Life can go wrong many ways, and when trying to fix things, simple and sincere, the outcome may be some decent miles away from the nice little wish list of your mind. So: how handling premonition & desaster? R.J. Ellory has written a brilliant thriller with two eccentric guitar playing dudes who breathed in deeply their Hank Williams tunes. The rural hinterland has set the scene, too, for another guitar man, Michael Rother, whose artistic salad days all had happened in the Seventies. What he did with „Harmonia“, is well documented on a vinyl box set, including a telling photo collection – and a man called Brian Eno spending some weeks with that bunch in Lower Saxony. Magic stuff. Days ago, I found a small book in my mail box, a philosophical, sensual exploration of human emotions and the limits (options) of language to broaden the horizon. Easy reading, deep thinking. And really much more witty and illuminating than you first might think considering the old-fashioned topic. At the end of the day, when the night comes tumbling down (wind rattling, rain hitting hard, sudden fog phenomena), put on the new album „This Is Not A Miracle“ from Food (ECM Records). Electro Jazz of the vital kind, with Iain Bellamy, Thomas Stronen and regular guest Christian Fennesz: full of drama, shifting textures and colours. What do you call this music: a breathing thing, space-jazz, or dance music for the head? Whatever, its twilight beauties will reward. 

 

 
 
 
Kennt jemand dieses Poster oder das (fast) identische Plattencover?

Als das Doppel-Album im Jahr 1969 erschien, hatte das zweite Great Awakening des Blues durch weiße Musiker – dieses Mal waren es Briten – die großen Schallplattenlabels längst aufgeweckt, und mancher Pioneer der ersten Zeit war zum Superstar aufgestiegen – Gordon Smith ist das nicht gelungen.

John Peel beschrieb ihn einmal als the foremost white Blues guitarist in the world. Zudem war er einer der größten britischen Blues-Vokalisten. Von allen Stücken dieses Samplers habe ich seine Version des „Diving Duck Blues“ am allerhäufigsten gehört. Ich habe Gordon Smith über die Jahre für einen schwarzen Musiker gehalten, so authentisch klingen seine Slide Guitar und seine Vocals.

Das Debut-Album des 19-jährigen, Long Overdue (1968), ist zusammen mit zahlreichen prev. unreleased tracks auf  The Complete Blue Horizon Sessions erschienen.
 
 
 

 
 
 

Als dieses Album im Jahr 1971 erschien, waren die großen Schallplattenlabels in Sachen Blues längst aufgewacht, und mancher Pioneer der ersten Zeit war zum Superstar aufgestiegen – Duffy Power ist das nicht gelungen. 

Die Songs stammen aus verschiedenen Recording Sessions der Jahre 1965/66. Unter den mitwirkenden Musikern sind Jack Bruce und John McLaughlin. 1992 wurden unter dem Album-Titel Little Boy Blue die Mono-Aufnahmen auf CD wiederveröffentlicht.

Duffy Power ist in beiden Editionen recht mitteilsam.
 

1971:

At the time these recordings were made, there was little chance of them being released to the public on a worthwhile scale, in fact the Recording Companies turned them down on the grounds that they „couldn’t see it being of any commercial value“.

At that time, Blues music, however timeless, was progressing „underground“ and not many people knew it was there. But by public demand, more and more of the music that was once considered a rarity, is now being made available everywhere. Even so, these recordings remain unique, as they contain some highly original and personal performances that were to be the apex of many renowned musical collaborations.

1992:

Some of the deepest feelings I have of that time are of my association with the guitarist John McLaughlin. I knew instinctively that soon he would be an international star, and against his protests I told he would be on his own.

[…]

If you listen to tracks like „It’s Funny“ you will see that we were streets ahead of any other current R & B band. No wonder that by the time this album was released most of the people on it had become superstars.

These tracks are just a glimpse of some things I got up to behind the scenes back in the 1960s. I am very happy that they are being re-issued as I feel they are a unique document of the history of British R & B.

 

2015 27 Okt

Cash only

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2015 27 Okt

Mittendrin

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Gute Serien und Filme zeichnen sich dadurch aus, dass sie einen mitnehmen auf eine virtuelle Reise. Sie enthalten bestenfalls Essenzen und Aspekte, die auch das eigene Leben betreffen: Identifikationspunkte, Anregungen. Gleich drei cinematografische Ereignisse, die das Niveau hausbackener Fernsehproduktionen bei weitem übersteigen, galt es jüngst zu verköstigen: den grossartigen Mr. Turner, das atemberaubende Salz der Erde von Wim Wenders, und nun endlich True Detective. Sofort stellt sich der Suchtfaktor ein und man fragt sich schon beim Schauen: „Was soll da noch kommen, wenn dieser visuelle Staffellauf beendet ist?“ Parallen zu Twin Peaks sind deutlich, aber diese Serie setzt in mancher Hinsicht noch eins drauf, als verschachtelte Erzählung zweier Cops, die den crime plot, wie so oft bei guten Thrillern, nur als Aufhänger nimmt für Tiefergründiges. Sansibar oder der letzte Abgrund. Das ist auch ein Männerfilm, der zwei Archetypen charakterisiert und von deren Spannungsgefüge lebt: zum einen der konforme Ehemann und Familienvater, zum anderen der Steppenwolf, das triebhafte (Un-)Tier, der mysanthropische Philosoph, der ewige Eigenbrödler. Allein die Szene, in der er mit seiner ihm angeheirateten Ärztin vor dem Fernseher sitzt, sie die Fernbedienung in der Hand, er mit oskarwürdigem Blick ins Leere: The Story is over, Baby. Heute abend erstmal Entzug, Methadonprogramm DFB-Pokal: Bayern gegen Wolfsburg. Den Stoff strecken, damit man länger etwas davon hat. Denn ob die zweite Staffel gut ist wie die erste, das steht noch dahin. Wusste ich es doch: das Suchtpotential von Serien ist nicht ohne – und unsereins jetzt mittendrin, im Südstaatensumpf.

2015 26 Okt

John Fogerty: Fortunate Son

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Wenn dieser Mann nur nicht ein so verteufelt guter Musiker wäre. Dann könnte man den Inhalt dieses Werkes problemlos in die inzwischen einfalls- und konzeptlos dahintreibende TV-Soap „Nashville“ einfügen. So scheinbar unrealistisch ist das alles. Die zweite Hälfte des Buches ist über weite Strecken blanker Kitsch. Dummerweise nur entspricht vieles von dem, was Fogerty schreibt, den Tatsachen, und da für mich sein musikalisches Werk ziemlich idealtypisch alles repräsentiert, was für mich klassische amerikanische Rockmusik ausmacht, ist mir das Buch nicht egal.

John Fogertys Autobiografie, diese Woche auf Rang 15 der New-York-Times-Nonfiction-Bestsellerliste zu finden, ist eine Achterbahnfahrt. Lassen wir mal außen vor, ob er sie selbst geschrieben hat (ein Ghostwriter ist nicht genannt). Manchmal möchte man das Buch einfach nur zuklappen. Aber ähnlich, wie man bei „Nashville“ dann doch nicht abschaltet, so liest man auch hier weiter.

John Fogerty ist mehr als einmal übel mitgespielt worden. Diese Geschichten sollen hier nicht wiedergegeben werden, es würde zu lange dauern. Nur so viel: Die Band, die mal CCR werden sollte, ließ sich 1967 auf einen Plattenvertrag ein, den kein auch nur halbwegs vernünftiges Management abgeschlossen und den jeder halbwegs vernünftige Richter für nichtig erklärt hätte — wegen objektiver Unerfüllbarkeit. Es gab aber kein vernünftiges Management, es gab keinen vernünftigen Anwalt, Fogerty zog es vor, die Dinge selbst zu regeln, und deswegen hat Fantasy-Boss Saul Zaentz Fogerty in filmreifer Blutsauger-Manier jahrzehntelang systematisch vor sich her treiben können, bis die Geschichte schließlich ins Absurde kippte.

Dies alles wird in dem Buch in wahrhaft epischer Breite geschildert. Dazu gibt es einige eher belanglose Kindheits- und Jugendepisoden sowie einige Andeutungen über die Ehe der Eltern. Wirklich in die Tiefe geht Fogerty dabei aber nie, auch über seine Ehe mit Martha erfahren wir im Prinzip nur, dass es sie gab und dass sie irgendwann geschieden wurde. Das eigentlich Auffällige dabei ist auf der einen Seite John Fogertys bisweilen breitärschige Selbstgefälligkeit, und auf der anderen Seite seine offenkundige Unfähigkeit, sich auch nur für eine einzige Minute in die Position anderer hineinzuversetzen. Anregungen anderer kommen bei ihm nur an, wenn sie seiner Ansicht entsprechen. CCR entspricht zu keinem Zeitpunkt Johns Vorstellung von einer verschworenen Gemeinschaft, aber er erkennt nicht, dass er mit seinem eigenen Verhalten dazu beiträgt. Er erkennt in der entnervten Flucht seines Bruders Tom aus der Band nicht das Alarmsignal, das es ist. Toms folgende Soloalben erklärt er pauschal für schlecht, obwohl er wahrlich Musiker genug ist, um es besser zu wissen (immerhin sind sogar Musiker wie Jerry Garcia oder Merl Saunders daran beteiligt, die sich bestimmt nicht mit jedem abgeben). Seine verbliebenen CCR-Mitstreiter Stu Cook und Doug Clifford, die angesichts seiner ständigen Besserwisserei irgendwann rebellisch werden, hält Fogerty für intrigante Volltrottel, denen er überhaupt erstmal beibringen musste, wie man mit Messer und Gabel isst. Nein, die beiden waren keine Virtuosen und sind auch sonst keine Unschuldsengel, und als sie ihr gruppeninternes Stimmrecht für jeweils 30.000 Dollar an Saul Zaentz verkaufen, trifft ihn das tief — verständlicherweise. Dennoch: Unter normalen Umständen hätten sich diese Konflikte lösen lassen — doch nicht mit John Fogerty. Der überlässt sich lieber seiner zunehmenden Verbitterung und dem Alkohol. Jahrelang spielt seine eigenen Songs nicht mehr, bis ihn dankenswerterweise Bob Dylan auf offener Bühne quasi dazu zwingt („Wenn du es nicht tust, werden später alle glauben, ‚Proud Mary‘ sei von Tina Turner gewesen“).

Und dazu der immer noch ungelöste Konflikt mit Saul Zaentz und Fantasy Records. Am Ende jagt Zaentz Fogerty in den wohl absurdesten Prozess der Popgeschichte, den Fogerty zum Glück gewinnt. Aber woher das alles kommt: Bei Fogerty kommt es nicht an. Was immer seine Mitmenschen auch tun: Wenn es nicht das ist, was er für richtig hält, dann ist sein Urteil gnadenlos, ob es sein Bruder Tom ist, ob es CCR-Bassist Stu Cook ist (auf den er sich besonders eingeschossen zu haben scheint), ob es der Musikjournalist Ralph J. Gleason ist, ob es wer auch immer ist. Er verehrt alte Blues-Heroen, sein Urteil über andere Bands aus der San-Francisco-Szene ist dagegen oft übermäßig hart. Jefferson Airplane und Grateful Dead wirft er vor, sie könnten auf der Bühne nur endloses Genudel, aber keine Songs hervorbringen. Im Fall der Airplanes ist das schlicht falsch, im Fall der Dead scheint er das Konzept der Band nicht verstanden zu haben.

Bis dann endlich Julie die Szene betritt — eine annähernd 20 Jahre jüngere Zufallsbekanntschaft, die Johns große Liebe wird. Aber selbst diese Beziehung gefährdet Fogerty mit Alkohol und erratischem Verhalten. Erst, nachdem Julie das Management ihres Mannes übernimmt und ihr gesamtes Handeln darauf ausrichtet, ihm den Rücken fürs Komponieren und Musizieren freizuhalten, wird eine bis jetzt anscheinend glückliche Ehe daraus. Julie betritt das Buch in Kapitel 15 und schreibt ab dort eigene Textabschnitte, die sie in der 12 CDs umfassenden Hörbuchversion auch selber spricht.

Der Rest des Buches ist dann eitel Sonnenschein.

Fogerty ist, wen wundert’s, kein großer Autor. Aber darauf kommt es bei einem Buch wie diesem nicht an. Wer den Menschen John Fogerty und seine Sicht der Dinge näher kennenlernen möchte, wird aus diesem Buch eine Menge über ihn erfahren — das meiste allerdings zwischen den Zeilen. Die Geschichte der großen Hits, seine musikalischen Vorbilder, seine Liebe zur Countrymusik, seine etwas seltsamen Ansichten zum Thema Politik und Waffenbesitz (er trat mehrfach für die Demokraten auf, scheint aber dennoch zu glauben, dass die US-Regierung nur deshalb im Zaum gehalten werden kann, weil sie weiß, dass das Volk bewaffnet ist — die NRA wird jubeln), das alles ist da und wird durchaus unterhaltsam und gut lesbar geschildert. Die in amerikanischen Star-Biografien sonst unvermeidlichen ellenlangen Krankheitsgeschichten fehlen hier glücklicherweise.

Wer sich allerdings für eine objektivere Darstellung der diversen Sachverhalte um CCR und Fantasy Records interessiert, der scheint mir mit Hank Bordowitz‘ Buch „Bad Moon Rising — The Unauthorized History of Creedence Clearwater Revival“ von 1998 immer noch besser bedient zu sein.

Wenn dieser Mann nur nicht ein so verteufelt guter Musiker wäre.

 

John Fogerty:
Fortunate Son — My Life, My Music
Little, Brown & Co. 2015
ISBN 978-0316244572


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