Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

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Archiv: September 2015

Zwei rote Fäden zogen sich durch Jonathans Leben, an denen sich die Perlen aufreihten wie in Indras Kette: Entdeckerfreude und Spätzündung.

Er dachte an den Sportuntericht in der Schulzeit, das Greuel der Bundesjugendspiele, an das Reckturnen, an den sadistischen Sportlehrer, der mit seinen Handballerarmen Marke Umfang Oberschenkel gerne Schuljungen mit dem Medizinball gezielt „abwarf“, als seien diese Dosen in der Bude auf dem Jahrmarkt. Dann aber kam die Kehre, an der selbst Heidegger, den er zwar las, jedoch bei weitem nicht verstand, seine Freude gehabt hätte: die späte Entdeckung der Freude am Schulsport.

Ein Highlight in der Fußballjugendmannschaft war es ja vormals schon gewesen, als er den Spielmacher der gegnerischen Mannschaft buchstäblich vom Platz gefegt hatte – nicht auf die feine Beckenbauerart, eher angelehnt an Katsches Grätsche und an Bertis Biß. Der Trainer hatte ihn heissgemacht: den lässt du gar nicht an den Ball kommen! So kam es: der Spielmacher des Gegners verliess noch vor der Halbzeit frustriert den Platz und man gewann das Spiel als Tabellenletzter gegen den Tabellenersten mit Elf zu Eins.

Dann brachte Langlauf frischen Wind, gerne nach der Schule, vor dem Fünfuhrtee mit den Hunden, die, ihn begleitend, über die Äcker jagten. Abermals die Jugendspiele, jetzt unter anderem Vorzeichen – und als Lateiner wusste er, dass Herumirren menschlich ist und Joggen glückbringend, vor allem aber: Alea iacta est.

Die Tausendmeterstrecke, zwei Leichtathleten liefen provokativ langsam: Langlauf zählt doch gar nicht. Jonathan aber liess sich nicht irritieren, war nicht zu schüchtern, die anderen frech zu überrunden. An der Ziellinie winkte die Sportlehrerin mit der Stoppuhr und der strahlenden Verheissung, dem Ersten sei die Urkunde sicher. Veni, vidi, vici.

Bemerkenswert, so dachte Jonathan rückblickend, war dabei der innerliche Shift: etwas hatte sich gewandelt, eine Blockade sich gelöst, eine Haltung sich geändert. Motivation wurde nicht als äusserer Zuspruch erlebt, sondern als eigene, innere Entdeckung gefeiert.

Jahre danach dann Ähnliches in einem anderen Bereich: sehr spät und unabhängig von schulischer Vorbildung, entdeckte er die Literatur und die Philosophie für sich – so wie er schon Gitarrespielen sich angeeignet hatte: als Autodidakt und geniessender Dilletant.

Bis heute blieb jene Freude an der Sprache selbst, ohne dass diese eine Botschaft mit sich bringen musste – ja gerade belehrungsfreie Äusserungen hatten es ja in sich. Hier war die Kehre auch eine Abkehr von abgedrehter Esoterik jeglicher Coleur gewesen und vom Halbwissen aller Parapsychologien hin zur Liebe am Text an sich.

Weil aller guten Dinge aber drei sind, nicht nur im Bremer Recht oder im Dreisprung, so resümierte Jonathan, kam in jüngster Zeit, neben der Lust am Schreiben noch eine neue Leidenschaft hinzu, verbunden mit Musik und dem Spielen seines Instruments: die Lust, schrittweise („step by step and on we go …“) das Feld neu aufzurollen in der Wunderwelt der guten Songs.

Es verwunderte ihn, warum er dies erst so spät für sich entdeckte: das entziffernde, analytische Hinhören und dann das Nachspielen, Antizipieren … – Ahmung als Antrieb. Würde er vielleicht einmal eine gediegene Auswahl von Coversongs als Programm zum Vortrag bringen, als wär´s erlesenes Porzellan aus der Geschichtsvitrine für die Gäste?

2015 28 Sep

Wiederentdeckt – Lightwave: Nachtmusik

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Wenn ich nicht irre, habe ich 1990 zur Veröffentlichung einen Pressetext für diese CD geschrieben, und seitdem stand sie unbeachtet bei mir im Regal. Durch Zufall habe ich sie nun wiedergefunden und muss Abbitte leisten. Die Platte ist weit besser als ich sie in Erinnerung hatte.

Lightwave sind die französischen Elektroniker Christoph Harbonnier und Christian Wittmann. Die zwei langen Tracks (23 und 32 Minuten) sind in der Nacht vom 14. auf den 15. Mai 1989 unter Quasi-Livebedingungen im Studio eingespielt worden. Vom alten Modularsynthesizer bis zum Sampler ist alle denkbare Elektronik vertreten. Das Booklet tut so, als sei die Musik mehr oder weniger improvisiert, aber das darf man bezweifeln – dafür sind mir die Stücke und besonders die Klangverläufe einfach zu ausgeklügelt. Das sanftere „Nachtmusik“ macht den Anfang: Sanfte, scheinbar rhythmuslose Klangwolken, die herein- und vorüberschweben, sich dabei unentwegt verändern, als habe es damals schon den Morphingeffekt gegeben. Das muss sehr genau vorbereitet gewesen sein. Unweigerlich fühlt man sich atmosphärisch an „Plas“, das Auftaktstück des zweiten Cluster-Albums, erinnert, aber in „Nachtmusik“ sind die Klänge fließender und weniger harsch. Das zweite Stück, „Just Another Dream“, ist kantiger. Klare Rhythmen gibt es auch hier nicht, aber die Klänge sind härter, metallischer, fordernder; gelegentlich grüßt Meister Stockhausens „Kontakte“ aus der Ferne. Manchmal hat man das Gefühl, das Stück stehe kurz vor dem Stillstand, aber es geht weiter, zum Teil mit starken Dynamiksprüngen.

Lightwave hat einige weitere Alben veröffentlicht, die ich allerdings nicht kenne, zuletzt anscheinend 2004. Hintergrund der Veröffentlichung dieses Albums war seinerzeit nicht zuletzt die Tatsache, dass Michel Geiss am Mischpult saß und Erdenklang-Chef Ulrich Rützel auf diese Weise Kontakt zum Team um Jean Michel Jarre bekam. Aber die Platte passte auch ins damalige Labelkonzept. Die CD würde manchem heutigen Laptop-Musiker gut zu Gesicht stehen und wird bei mir in Zukunft öfters rotieren.

2015 / 2075 (?). „Fallout never felt so fun“. What? Not that I’m interested in political correctness, but, c’mon, that’s a bit heavy. Yes, there is an underground in rotten times, a certain vibe of doom and devotion can easily be detected. Ravers know you can be lost and delivered to those eternal moments where your body and the dancefloor become one. The melting process, the escapism. I got it, and you’re right, Luke Haines is a damned sophisticated guy! John Peel, I’m sure, would have loved „British Nuclear Bunkers“.

1939 – 2014. A voice in the choir of his generation – that he surely was. I remember listening to him one night in a cheap hotel room near Earl’s Court, I missed the one I loved, the one who had left me a week before, I was walking through the streets, looking for relief, being everything from a half pint of Lager (Foster’s – be a snob when you’re lonely!), keeping the conversation alive with strangers, fuckin‘ on empty. But there I was, lying on my bed, hearing the voice of John Peel talking about the „correct use of soap“ and playing a song from that Magazine album. Pure adrenaline and joy. Now a book is about to be released about the life and times of DJ John Peel.

1968, 1969. Special times in London. John Peel was still young, the clash of the generations in full bloom in „Swingin‘ London“. Fabulous to have a thriller here that precisely evokes the spirit of that era without many flowers in its chapters, William Shaw has written an arresting book, „Kings Of London“. Can it already be called „a historic crime novel“? Crashing dreams happens all the time. The book is a slow burner, and first rate time traveling.

1970 – 1975. And there we go with another step back in time. The Faces. (formerly, in the late sixties, known as „The Small Faces“). You remember? Too long ago? Ronnie Lane, young Rod Stewart. „You Can Make Me Dance, Sing or Anything“ is a five-CD box set that collects well done remastered  versions of the Faces’ four studio albums, complete with previously unreleased tracks. The box is quite cheapish,  but I don’t feel anymore I always need lengthy, sometimes self-indulgent liners notes, or pictures of memorabilia. Just give me great music with a great sound. Okay, some good insight is always welcome, and Jeff Strowe’s review is a fine, condensed history lesson.   Old Europe. Quite anglophile, this October selection. 

 
 
 

 

2015 28 Sep

Anything you want to be

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– you’ll get everything you need.
 

2015 27 Sep

Schnee

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Ein Fundstück aus der SZ möchte ich hier vorstellen. Es soll einmal mehr um den Reichtum der Sprache gehen, wenn wir zum Beispiel an das Wort Schnee denken. Remember: Kate Bush nannte ihr zehntes Studioalbum 50 Words for Snow. Nun war in der SZ vom 23.09.2015 folgendes zu lesen:

Wer je das Glück hatte, länger in Schottland zu weilen, der weiß, dass es dort viele eigenwillige Ausprägungen von Wetter gibt, und dass die Bewohner des Landes dazu in der Lage sind, diese Ausprägungen auf ebenso vielfältige wie klangvolle Weise zu beschreiben. Das ist auch einem Team von Linguisten an der Universität von Glasgow nicht entgangen, das sich daran gemacht hat, eine historische Wortschatzsammlung des Scots zu erstellen. Scots ist neben Englisch und Gälisch eine der drei schottischen Nationalsprachen und wird von rund 1,5 Millionen Menschen gesprochen. Am Mittwoch stellten die Forscher den ersten Teil ihrer Sammlung vor und verkündeten stolz, dass sie allein 421 Wörter für Schnee gefunden haben.

Es wird oft fälschlich verbreitet, dass die Inuit Dutzende Wörter für Schnee hätten. Tatsächlich handelt es sich um zusammengesetzte Konstruktionen, die auf den immer gleichen Kernwörtern basieren. Die Schotten hingegen haben wirklich Hunderte verschiedene Wörter für Schnee, von denen einige von betörender Schönheit sind. „Flindrikin“ zum Beispiel: Es beschreibt einen leichten Schneeschauer. Eine besonders große Schneeflocke heißt „skelf“, und wenn Schnee, was er in Schottland bekanntlich besonders gern tut, um eine Ecke wirbelt, nennt man das „feefle“.

2015 27 Sep

1980 Classic Reissue

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Glitterbeat Records—the great label run by former Seattleite/Walkabouts member Chris Eckman—will reissue new age legend Laraaji’s Day of Radiance on CD and LP on October 9.

As Glitterbeat did with the 2014 rerelease of Jon Hassell/Brian Eno’s Fourth World Vol. 1: Possible Musics, the label will include liner notes by former Seattle author/musician Pat Thomas, who wrote Listen, Whitey! The Sights and Sounds of Black Power, 1965–1975. Thomas says that the reissue will feature deluxe packaging, remastering, and an interview he conducted with Laraaji (aka Larry Edward Gordon) about the making of Day of Radiance.

Part of Eno’s influential Ambient series, Day of Radiance is considered one of the pinnacles of the oft-scorned new age genre. Laraaji created it largely on an electrified, open-tuned zither and hammered dulcimer, which produces a glistening, cascading stream of cleansing, healing tones. Day of Radiance is an ultimate sonic expression of peace and beauty, a balm—temporary, alas—for the world’s torrent of turmoil.

Thomas says, „I wasn’t prepared for what an interview with Laraaji would be like—he’s an enigma to me, but I found him to be candid and forthcoming. His music is very serious, but he’s actually quite a funny guy—in fact, he was doing stand-up comedy in Greenwich Village in the 1960s alongside Richard Pryor, Bill Cosby, and Woody Allen. Who knew?!“

(Dave Segal, SLOG)

 

 
 
 
Anthony Doerr: Alles Licht Das Wir Nicht Sehen / All The Light We Cannot See

 

Till Sunday, Nov. 15th: the first 200  pages (in your own rhyhtm) 

Till Sunday, Nov. 22nd: p. 200-300

Till Sunday, Nov. 29th: p. 300-400

Till Sunday, Dec. 6th („Nikolaus“): p. 400 – end of the book

 

Nearly same procedure as every year. Every Sunday, everybody leaves a comment on personal experiences (short, epic, nevermind). Auf deutsch, englisch, egal. A „christmas gift“ will be there for „the chosen one“ (es entscheidet das Los!) on „Nikolaustag“. This time „the prize“ will be pure, overwhelming surprise. And the winner takes it all. Just leave a comment that you’re part of the game. At this moment Ian and Michael have already joined the club. Of course, non-Mananafonistas are welcome, too. Fresh blood or old acquaintancies. Everybody can quit anytime.

Fleshmarket Close is a temporal escalator miraculously aligning fast spinning neutron stars, whole decades and eras slide down your psychic windscreen red orange yellow green blue indigo violet tartan gloss
 
 
 

 
 
 
And beyond it, the deep blue air, that shows nothing, and is nowhere, and is endless
 
 
 

 
 
 
And you can hardly move in Old Trafford because of the pyrotechnic detection dogs. The fuckers roam in large packs, chasing rockets right into the sky, higher than Orion. Boom.
 
 
 

 
 
 
And it’s August and it’s hot and muggy and the world seems sleepy with the heat, but it’s Xmas in Salford in August it’s Weihnachten Vibe in Salford in late summer. Happy Fuckin Xmas Already!
 
 
 

 
 
 
And the DLR at Shadwell is so fucking beautiful it makes my heart burst. Then onto Canary Wharf which in this light looks like tinfoil as if there’s a massive KitKat inside it.
 
 
 

 
 
 
Aphex Twin on Brick Lane. „Brick Lane’s too commercialised innit“ „Hackney’s not as cool as it was mate“. The magnetic pole of cool has moved. Where’s it gone? Bermondsey, Brixton, Brighton, Birmingham? Boom. It’s back. It’s living above a kebab shop in a side street some place between Stoke Newington and Dalston. It’s been time travelling and has temporal jetlag, sitting on the low sofa in the kitchen under a bare bulb, playing Wipeout on a PS1 on a box shaped portable television with stickers on the side and a plastic kebab carton above it. Then the future started happening, the caps of the temporal telomere began to break and suddenly it’s 2016 and the PS1 ended up in landfill in Essex, metres under a mound where, right this very second, a seagull is walking with that odd mix of poise and total violence, hoping to find a snack or two among the garbage.
 
 
 

 
 
 
And the moon over rooftops in the Scottish countryside is saying something but the encryption service is buggy and its message is out there but undefinable – cotton in a blizzard. I hope it is saying „Listen, the cosmos is alive, can’t you feel the electricity in your marrow?“
 
 
 

 
 
 
Soundtrack:

L. Pierre „Gullsong“
L. Pierre „Weir’s Way“
Babyshambles „Nothing Comes To Nothing“
Pink Floyd „Pigs on the Wing“
Led Zeppelin „Bron-Yr-Aur“
John Foxx w/ Harold Budd „Long Light“
 

Sounds like a threat? Anyone still exhausted remembering long nights with Thomas Pynchon in the black zones of the internet? Now here comes a genre-hopping list of books that might work as an autumnal pleasure for common reading experiences. Two persons would be fine as a point of departure, but then … which novel? Some even have not been published yet. Who cares? Imaginary Day of the first page: November, 10th.

 

Anthony Doerr: Alles Licht, Das Wir Nicht Sehen (German, English) // Ann Cleeves: Thin Air („Shetlands only“) // John Williams: Butcher’s Crossing (English / German) // David Mitchell: Slade House (forthcoming, English only) // Rupert Thomson: Katherine Carlyle (forthcoming, English only) // Joe R. Lansdale: Paradise Sky (English) … 

 

„The first season was indebted to the tropes of Southern Gothic and weird fiction, with Flannery O’Connor and Robert W. Chambers the touchstones. The second went full-bore in its homages to the salacious, vintage pulp noir realm, unabashedly playing up that genre’s cynical character archetypes, hazy plots, abundant betrayals, and seedy venues. About the only thing unifying both seasons was Pizzolatto’s distinctive voice, crafting an oppressively dark tone and a nihilistic or misanthropic worldview often communicated via his characters’ philosophical dialogue. Well, that and the fact that each character exists as a damned soul with varying shades of fucked-ups, drinking Jameson en masse and chain-smoking Camel lights.“ (Colin Waterman, popmatters) 


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