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2015 28 Apr

Beyond Fussball

von: Wolfram Gekeler Abgelegt unter: Blog | TB | 4 Kommentare

Was sind schon die Sorgen eines Dortmund-Fans oder eines Hannover 96-Anhängers, um mal 2 Beispiele zu nennen, gegenüber meinen? Zwar hatte ich aus zweifellos politisch korrekten Gründen meine jahrzehntelange in-guten-wie-in-schlechten-Tagen-Beziehung zum VfB Stuttgart anfangs der Saison beendet und mein Leben um ein weiteres Ex bereichert – aber dass dies solche Folgen (monatelang auf einem Abstiegsplatz) haben würde, hätte ich nicht gedacht.

Natürlich liegt der Niedergang nicht allein an meinem Liebesentzug – das wäre vermessen… Die Protagonisten haben auch schlecht gekickt, das Management verscherbelt regelmäßig alle Talente aus der Vereinsjugend, und die Mitglieder haben – selber schuld! – einen Präsidenten gewählt, der von Fußball keine Ahnung hat, sondern einzig (ich wiederhole: einzig!) von der wahnhaften Idee besessen ist, aus dem VfB  eine MARKE zu machen. Also geballtes (kleiner Hinweis auf das nette Wortspiel…) Unvermögen?

Ja, aber mit psychodynamisch interessantem Hintergrund; die Diagnose lautet: Massive Selbstwertproblematik und latente Suizidalität als Ausdruck einer kollektiven Depression zur Abwehr massiver Schuldgefühle. Wie kann so etwas einen ganzen Verein befallen? Ganz einfach: indem man ihn samt seinen Fans mit Dummheit und Stumpfheit zumüllt, es nimmermüde durch den Stadionlautsprecher brüllt, auf jeden rotweißen Schal stickt oder den Mannschaftsbus damit verunziert: „furchtlosundtreu“.

Die Schreibweise ist übrigens eine Visualisierung des MARKEN-Zeichens, ansonsten nur ein Bdwrtbrgr (Günter Öttinger) Königs-Gschwätz, von den Schlachtfeldern  der europäischen Kriege aufs Fussballfeld transportiert, von rechtsradikalen Ultras schon lange in die Gesänge inkludiert (garnicht so einfach – denn was reimt sich auf 1893? Nichts außer 1893 natürlich, weshalb der neu retortisierte VfB-Hit diese geistreiche Zeile gefühlte 1893 mal wiederholt, dazwischen ein Hoch auf den wrtmbrgschn König und die Erinnerung an 2 (!) VfB-Helden (Ohlicher und Schlienz), und das ganze mit Chance auf einen Spitzenplatz auf der Liste der peinlichsten Gangstaraps. Jetzt, in den letzten Kriegs- nein Abstiegswirren, gibt das Oberkommando Durchhalteparolen aus: „mirschaffendas.“

Damit dürfen mir Schwbn uns generell über das Schffn im Text freuen – rein historisch gesehen ist es ein Sprung von der Monarchie ins Bürgertum. Mirschaffendas ist typisches Honoratiorenschwäbisch, mirschaffetdes würde der einfache Rekrut sagen – aber der sagt eh nix mehr und verbringt die Samstagnachmittage lieber mit seinem Kärcher als vor der Sportschau. Schluss mit Ruhe aufm Balkon, ich werde wohl wieder ins Stadion gehen. Aber zu den „Stuttgarter Kickers“: furchtbaruntreu.

 

Soundtrack:

1. VfB, I steh zu dir: Mit schwäbischen Primärtugenden zur Meisterschaft.
2. VfB – Tradition und Ehre verpflichtet; Rappen für die Monarchie.
3. heimatundliebe: Worthülsenmarketing
4. Stuttgart Deine Seele, Hymne der blauen Stuttgarter Kickers

 

Dieser Beitrag wurde geschrieben am Dienstag, 28. April 2015 und wurde abgelegt unter "Blog". Du kannst die Kommentare verfolgen mit RSS 2.0. Kommentare und Pings sind zur Zeit geschlossen.

4 Kommentare

  1. Michael Engelbrecht:

    Not und Elend gehen da aber virulente Mischungen ein im Abstiegskampf. Bruno L. zum HSV nach dem lächerlichen Knäbel-Intermezzo beim HSV, den Vogel aber schoss Martin Kind bei Hannover ab, als er Frontzeck und Neururer zum Feuerwehrmannbewerbungsgespräch einlud.

    Frontzeck kann nur Erfolg haben, wenn die Clubs hinter Hannover sich weiterhin überbieten im Bereich des sog. „Unterirdischen“. Ausnahme: Paderborn, die agieren mit einer veritablen Zweitligamannschaft am Limit. Wenn Blender Bruno kurzfristig zündet, streiten am Ende neben den tapferen Paderbornern „irregeleitete“ Teamgebilde in Stuttgart und Hannover um das Relegationsspiel.

    Das Irrationale im Fussball: der BVB hätte gestern in den ersten 70 Minuten abgeschossen werden können, aber da gab es dann, nach grenzdebilen Fehlentscheidungen (gegen Borussia) im CL-Finale 13 und Pokalfinale 14 mal den Fall „poetischer Gerechtigkeit“. Kagawa, Durm und Gündogan waren im Spiel selbst das reine Grauen.

  2. Lajla Nizinski:

    Liebesentzug gibt es bei einem echten Fan nicht. Der 1. FCK hat meine vollste Zuneigung, er wird aufsteigen. Dann treffen wir uns also nicht. Sollten es die Schwaben bleibend auf die drittletzte Sprosse schaffen, wuensche ich Glueck.

  3. Michael Engelbrecht:

    Und ob es Liebesentzug gibt. Wenn der furchtvolle Fan nicht verhindern könnte, dass Gazpromis oder die Berlusconis dieser Welt den eigenen Club in Besitz nähmen, etwa.

    Oder Dummheit endlos regieren tät.

    Wenn Kataristen aus ihrer Welt entrechteter Frauen im Westen ein Aushängeschild für ihre erkaufte und erschlichene Hitzeschlag-WM suchen täten (etwa in der Pfalz): dan wär doch Schluss mit lustig.

  4. Lajla nizinski:

    Kuntz und Korruption ist das eine, der Betze das andere, sozusagen die „Lauterer Seele“. Wie hält man das aus und auseinander? Wie kann ich Woodie Guthrie nach der Lekture seiner Biografie noch gerne singen hören oder den Kleinen Prinz nach der Biografie von St Éxupery’s Frau weiter empfehlen? Man muss abspalten.


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