Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

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Archiv: März 2015

2015 26 Mrz

Zwei herzzereissende Werke von umwerfender Genialität

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On his emotionally devastating new album Carrie & Lowell, Sufjan Stevens explores the terrible loss he felt at the death of his mother. He talks to Dave Eggers about how difficult it was to make, his dysfunctional childhood and how playing the songs live might be a joyful relief

Sufjan Stevens talks to Dave Eggers: a meeting of pepole who met death and tried to deal with, on many levels. A famous book of dark hunour and shock, a naked song cycle of not so dark humour at all, bit with a kind of relief in the aftermath. Shadows stay.

Dave, Toph, und die große Freiheit: Die beiden Brüder sind 22 und 8, als sie innerhalb weniger Wochen ihre Eltern verlieren. Sie verlassen ihre Heimatstadt und machen sich auf nach Kalifornien. Man sieht sie förmlich, wie sie in ihrem kleinen Auto über den Highway ihrem neuen Leben entgegen fliegen, wie meisterhaft ihr Frisbeespiel ist, wie Dave mit seiner Zeitschrift Heuchelei und Spießertum entlarvt. Sie wären, trotz allem, Sieger – gäbe es da nicht vergammelte Wohnungen, Geldnöte, Angst um Tophs Zukunft. Und gäbe es nicht die große Trauer um die toten Eltern, die sich immer wieder in Daves ironische Schilderung des neuen Lebens einschleicht.

theguardian.com/sufjan-stevens-dave-eggers-carrie-lowell-i-was-recording-songs-means-of-grieving …

2015 25 Mrz

Aladins Wunderamp

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Es war die Zeit vor dem Internet. Aladin pilgerte stets zu den Informationsquellen hin, denn sie kamen in der Regel nicht zu ihm ins Haus. Gerne hörte er auch Radio, da war die Welt am Draht, im Äther. Oftmals freute er sich schon auf einen vielversprechenden Sendetermin, lange im Vorraus. Er entwickelte Rituale, die gaben dem Tag Struktur, denn oftmals herrschte Langeweile. Es begann mit ausgedehntem Frühstück, hernach auf der Konzertgitarre einen Rhythmus finden, etwas Magisches, das weitertrug: zur Arbeit hin, in die Bibliothek, zu Freunden auch, in die Natur und in die Stadt. Anstatt zu gehen, pflügte man den Asphalt durch und flog. Am Bahnhof lockten Zeitschriften mit visuellen und geistigen Sinnesfreuden. Aladin kaufte die Lettre International, stöberte in Feuilletons herum – besonders aber interessierten ihn die Hifi-Zeitschriften, genau gesagt: die Plattenkritiken und Neuerscheinungen. Eines dieser Journale brachte es auf den Punkt, bewertete jeweils nach Musik und Klang.

Daran muss Aladin jetzt denken, wenn er seinen neuen Kopfhörerverstärker geniesst. Eine neue Lust am Klangbild. Der Mensch lebt vom Kontrast. Man kennt das noch aus früheren Tagen: jedes neue Hifiteil ein Schritt nach vorne – jede Revolution in der Kette fortschreitender Hörerfahrungen setzt im Nu den Wunsch frei, die ganze Plattensammlung durchzuforsten, denn alles klingt jetzt so viel besser. Das war auch so beim ersten Mofa, ersten Auto, ersten Crossbike: ein paar Extrarunden drehen, wie im Rausch. Den Headfone-Amp, den nennt er Epikur. Das steht für Lustgewinn und für Genuss. Im Manipura-Chakra knistert Feuer, im Muladhara-Chakra brummt der Bass. Intensiv das Beste hören, konzentriert, besonnen. An die Musik Fragen richtend. Und richtig: Sphinx, der zweite Name dieses Wunderamps. Das Rätselhafte. Und wie heissen die Wunderteile, die er hört? Sie heissen Gefion, Bird Calls, Lathe of Heaven; sie heissen Double Windsor, Break Stuff und Imaginary Cities.

2015 23 Mrz

Kopfhörerwelten (1)

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Es gibt sie in vielen Preisklassen. Lassen wir Billigprodukte aussen vor, kann man für „headphones“ zwischen 100 und 5000 Euro anlegen, und damit das ganze Spektrum ordentlicher, guter und herausragender Kopfhörer abdecken. Sehr teuer ist nicht immer sehr gut. Kopfhörerverstärker bewegen sich in einer vergleichbaren Preisspanne, und mit dem richtigen Gespann kann man einen astreinen Klang erleben, der die Unwägbarkeiten des Raumes mit seinen störenden Resonanzen und Oden ausschaltet. Sich von der Aussenwelt zurückziehen und vollkommen in die Musik eintauchen – für manche eine ideale Form konzentrierten Hörens (deep listening). Zum Beispiel daheim, im dunklen Zimmer, oder auf Langzeitflügen (wo bestimmte Kopfhörer den Reisenden komplett von der Aussenwelt abschotten).

Oder ist der Verzicht auf den Klang im Raum, auf Bassvibrationen etc. eine Einschränkung, die der reinen Freude des Hörens abträglich ist? Da gehen die Meinungen sicher auseinander. Manafonista Jan erwähnte neulich (wenn ich mich recht erinnere), wie er den Reichtum der Musik von ABBA unter seinem Kopfhörer genau festmachen konnte. Manafonista Jochen erzählte mir am Telefon von seiner Begeisterung über seinen neuen Kopfhörerverstärker. Was passierte da? Ich erprobe derzeit (aus reiner Neugier, und weil mir der Zufall es in die Hände spielte) den Kopfhörer AUDEZE LCD-3 in der Kombination mit dem Verstärker BAKOON HPA-21. Hoppla, dachte ich, so was habe ich nie zuvor gehört, unfassbar. Oder doch fassbar.

Hier das Urteil eines (ist das ein Beruf?) professionellen Kopfhörertesters: ”Der erste Eindruck, den man gewinnt, wenn man Musik über die Kombi hört, ist der einer erstaunlichen Ruhe. Es handelt sich dabei jedoch keinesfalls um eine schläfrige Ruhe, sondern vielmehr um die Ruhe höchster Konzentration. Denn genau mit dieser Konzentration widmen sich LCD-3 und HPA-21 scheinbar auch dem kleinsten Musiksignal. Es ist wirklich faszinierend, wie vor einem absolut „schwarzen“ Hintergrund jedes kleinste Geräusch und jeder Ton quasi zu explodieren scheinen, wobei sie immer exakt definiert und konturiert bleiben.“

Bei aller Liebe zu aussergewöhnlichen Reproduktionen von Soundquellen: jeder weiss, dass selbst schlichteste Klangquellen tiefe emotionale Erfahrungen gestatten, weil sich die Qualität von Musik auch im bescheidendsten Medium durchsetzen, zumindest andeuten kann – und somit offenlegen lässt. Gibt es kleine Kopfhörer-Geschichten? Gar Liebeserklärungen an die Welt der „headphones“? Es gibt doch diesen immer wieder gelesenen Satz: „Music for Headphones“. Jeder hätte womöglich seine Liste der „Top 10 Desert Headphone Musics“. Oder eine kleine Anekdote zu erzählen.

2015 23 Mrz

Mnemosyne

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There are well over 200 windows in this image – high windows, low windows. Low windows whose astragals were first placed in the first decade of the 20th century. Plus the moving windows of the train. The four tall buildings‘ stance is artistic, almost sculptural – four ginormous automata marching to the top of a low hill, stationary now, stopping to drink in photons for the compound eye. Solstice, perihelion, equinox, solstice, equinox, solstice, perihelion and on and on. If you can stand on this platform and still the mind and listen, really listen: the buildings and the low stone wall by the railwayside and the sky all speak in unison – right in your ear, right to your heart. What they say is unwordable and miraculous.
 
 
 

 
 
 
Image playlist:

John Cage – In A Landscape
Alan Hovhaness – Tzaikerk
John Foxx and Theo Travis – Before You Disappear
Kate Bush – Watching You Without Me
John Martyn – Singin‘ In The Rain
 
Note:

The title of this post and the word „unwordable“ were appropriated from Russell Hoban’s book „The Moment Under The Moment“. And what a book it is!

2015 22 Mrz

Casino de Paris, by Karl Hyde

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Breakfast on the bus in Parisian rush hour log-jam wake up shock, the scooter crowd weave cool between crawling killer metal. Slim late night 1970’s BBC 2 film star women threaten the city with their cultured beauty, fierce as ice-breakers cut through crowds, poised & fabulous in muted shades on the far side of tinted glass. We fire up our stumbling bodies with, teas, mashed wheats, nuts & rice milk. Derrick & Clive, remind us we’re alive, good morning.

2015 22 Mrz

Two words: PLEASE STAY

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Er hatte angeblich ein kleines Haeuschen auf Sylt und ein grosses Champagnerstreifenglas. Auf die Insel wuerde er jederzeit zurueckkehren, notfalls auch tot. In Kampen sind diese Gaeste dann alle gleich. Die lila Krawatte und das feine Tuch liegen inzwischen brach, sein Gang nach Zuerich ist gewiss. Ich hoerte mir nach der Lektuere ueber den Tod von Raddatz ein paar Songs von Warren Zevon’s letzter CD THE WIND an. Sie haetten einander gemocht. Die lyrische Ader, das schriftstellerische Talent von Warren haetten Fritz gefallen. Welche Farbe wuerde ich dem Klang dieser Lieder geben? Blau dachte ich, auf keinen Fall lila. Moeglicherweise eine Einwebung von einem Syltersonnenuntergangs ROT. Es waren die Kuenstler vom Bauhaus, die darueber diskutierten: welcher Klang hat welche Farbe. Nach ihren Studien musizierten sie zusammen, bildeten die Bauhaus-Kapelle, in der nur eine Frau spielte: Lotte Gerson. Als der amerikanische Jazz in der Gruppe Gefallen fand, spielte die Amerikanerin Saxophon. Ich kann keine Tonaufnahme von ihr finden. Sie bekommt ein Weiss, weiss ist keine Farbe.

 
 
 

 

2015 22 Mrz

You and Me

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I met Moko Jumbi
He walks on stilts through all saints row
Looking over the brew now, for a possession loss
People sound, no days off
In September, when the sun sets soon now

In you, it radiates on you
Seven high they’re rising
Over on the other side
Of September when the sun sets soon now

Jab jab, digging out a hole in Westbourne Grove
Tin foil and a lighter, the ship across
Five days on, two days off, in September
When the sun sets soon now

You can blame me
Blame me
When the twilight comes
All goes round again

Some days I look at the morning trying to work out how I got here
Cause the distance between us is the glamour’s cost
Late night on the shop floor what language was i speaking
Not sure I remember the thrill and fall
Always in me
Let it go

 

youtube.com

2015 22 Mrz

The beauty of a Brazilian woman on the fifth floor

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It’s the “criss-crossing” that I like most. That may be the wrong word, a perhaps better one might be “intertwining”, or “theme travel” like “time travel”. Even better would be the word I learned from a Robert Wyatt-song: „zig-zagging“.

I definitely believe that so called “high art” is a cliche invented by dry brains. Art is high, from my perspective, if it reveals a personal relevance for your life. I could write a small book about this. Culture is about things that are not at all necessary. If Flaubert hadn’t written his Bovary-novel or Kafka no “Schloss”, there would be no one who would miss them.

To say it differently: I have no doubts that Donna Tartt’s “Distelfink” may be a great piece of art for a lot of people, but from a perspective of “personal revelations and discoveries”, “self-recognition” and “approaching the unnameable/unknown”, some episodes of “Banshee” , a deep watch of old “Beat-Club”-shows, or immersing yourself in “Birdman” can have more profound impacts on your life than reading the collected works of Seneca or Thomas Mann. Of course everyone makes his and her own choices. Culture is a “song for everyone”.

Seen in that way, culture changes from an elitist canon of “holy works” and a collection of not really necessary products to a survival kit in the best sense of the word. Then culture, freed from the necessity to rely on high brow guardians of so-called “truth”, really is about growth, recognition, and, sometimes, creates small portions of enlightenment, mini-sartoris in a religion-free sense.

I once got to know a culture worker who was thinking he was the no longer missing link between the high art and the people who need explanations and introductions. One day he entered a hotel room in München where he had to prepare one of his lectures. Suddenly he saw a big spider on the ceiling, and someone knocked on the door. A cleaning woman. She saw that very important person on the bed, trembling, shivering. “Please, please”, he said to the woman, “kill that spider, kill that spider.” This is a true story, and even long before this happened, i didn’t like this guy at all, his gestures, his persona, his aura of “going for the truth”. I heared this story from the cleaning woman. I was in the same hotel at the same time. She fucked me, and I fucked her, she was beautiful, she loved Caetano Veloso. She was a revelation. And she didn’t kill the spider. She took the animal in her hands and brought it to the balcony.

2015 21 Mrz

Scrolling down a page of Manafonistas

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„Banshee“
Jordan De La Sierra
Polar Bear
J.C. Chandor
Chester Himes
„Radio Nordsee“
„Beat-Club“
Sebastian Rochford (Interview)
Adorno
Merve-Verlag
Jan Garbarek („Song For Everyone“)
„Whiplash“
Eberhard Weber (Autobiografie)
Nina Simone
Ella Fitzgerald

2015 21 Mrz

You don’t need psychoanalysis in Banshee, you need a good ambulance

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I’m not really embarrassed to say how much I loved this series. It has amounts of both explicit violent gore and sex. This is no private obsession.  I only violated one sociopathic driver on a German highway within the last year (breaking his nose), I recently only offended one cop,  and I’ve never been put in prison. And, yep, if that is all this series was about – or if both of those aspects weren’t flawlessly integrated into making the story–then I wouldn’t write this at all. However, here it all just makes sense. The characters are well drawn out and incredibly sympathetic, making the violence and sex just a part of who these characters are and just part of their stories. And the plot really is intense.

Man gets out of prison, kills some people in self-defense, then impersonates a sheriff all the while trying to stay hidden from a Russian mafia boss who wants him dead as well as maybe win back his ex-girlfriend. I realize that sounds absurd and rather dumb on paper–but again – it just works. In fact, everything would quite frankly either seem voyeuristic or just plain stupid if it wasn’t for the amazing cast. The acting here is top quality and this is what gives the far fetching plot equally weight and a natural impact.

Kiwi Antony Starr has a remarkable talent for being able to mete out extreme violence and yet look sad and regretful the entire time. Hoon Lee as Starr’s sidekick could have been a very camp role as Lee’s character is frequently in drag and spewing catchy one liners – and yet Lee’s character „Job“ is one of the most hardcore and rock like characters in the whole cast. Ivana Milicevic plays Starr’s ex, and her physicality in this role is astonishing. She’s believable as both a warm and loving mother as well as the type of person who you would want by your side to face an angry horde of zombies with. Ulrich Thomsen rounds out the fantastic cast as the local ex-Amish mafia lord who is emotionally caught in two worlds thus slightly sympathetic yet capable of horrible violence. BANSHEE is brutally brilliant. Addictive. Well, in case you enjoy some hardcore Tarantino films, Jim Thompson novels – and the darkest stuff of Shakespeare. You don’t need psychoanalysis in Banshee, you only need a good ambulance.


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