Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

2015 15 Feb

Alle ein bisschen miteinander verstrickt

von: Martina Weber Abgelegt unter: Blog | TB | Tags:  | 2 Kommentare

Er las den Roman einer Bekannten, Expense of Spirit, es ging um zwei Paare, es spielte im Hochsommer, am Meer, es ging darum, wie sie sich in ihren Beziehungen erlebten, erfanden, es war, nun ja, fand er, ein Schuss zu viel Dekadenz darin, es mochte an der Landschaft gelegen haben, am Meer und im Sommer, da ist alles leicht, aber wie ist es in den Bergen, im Winter, da kann man sich abarbeiten an einem eher feindlichen Umfeld, vor allem, wenn man Anfang Dreißig ist, und nicht mehr fliehen kann in irgend ein Jungsein, es kommt darauf an, den eigenen Ansprüchen gerecht zu werden, keine Ausflüchte mehr, da hat eine Frau vielleicht ein Haus geerbt und weil es schön ist, zieht sie mit einer Freundin ein, es gibt einen Skilehrer, eine Freundin, die einen Roman übersetzt, es gibt ein Krankenhaus, ein Zimmertheater und einen Filmvorführer, der immerzu Fotos macht und sie nach Datum beschriftet in ein Album einklebt, sein tägliches Ritual, und der fast etwas verschreckt wirkt, wenn die Frau, mit der er sich verabredet hat, wirklich im Café erscheint, da gibt es die bunten Lampen im Haus, die ständig unaufgeräumte Küche, Weihnachten ist gerade vorbei, Tage, an denen der Schnee an den Rändern der Straßen sich anhäuft, du musst nicht mit mir reden, aber wie ist es, wenn neben dir jemand am Tresen sitzt und damit beginnt, Eigenschaftswörter von dir aufzuzählen, und, weil du das Spiel gerade bei ihm angefangen hast, musst du zuhören: „abwartend … zögernd … verschlossen … kontrolliert.“ „Aber das stimmt doch gar nicht.“ Die Kunst besteht darin, Motive schweben zu lassen. Und ihnen, wenn sie entgleiten, einfach zuzusehen.

 
„Winterschläfer“ – Ein Film von Tom Tykwer (1997)

Dieser Beitrag wurde geschrieben am Sonntag, 15. Februar 2015 und wurde abgelegt unter "Blog". Du kannst die Kommentare verfolgen mit RSS 2.0. Kommentare und Pings sind zur Zeit geschlossen.

2 Kommentare

  1. Jochen:

    Super Film, zweimal geschaut, erinnere mich dunkel, heimelige Hütte, Skiortatmosphäre, zwei Pärchen, eins mit Heino Ferch, Josef Bierpichler kommt ins Schlittern, ein totes Pferd, ein Sportwagen, Ullrich Matthes der böse Bub …

  2. Martina Weber:

    Ja, genau, Jochen. Das ist er. Ich hatte überlegt, ob ich ihn vielleicht doch schonmal früher gesehen hatte, aber wahrscheinlich habe ich ihn doch jetzt erst zum ersten Mal gesehen. Ich habe ihn am Wochenende sogar auf deutsch mit englischen Untertiteln gesehen. Ich weiß, es klingt etwas crazy. „Winterschläfer“ haben sie übrigens mit „winter sleepers“ übersetzt, also den Plural gewählt. Eine immerhin gewagte Interpretation. Josef Bierbichler hat immer etwas sehr Dominantes und die Frauen an seiner Seite kann man wirklich nicht beneiden, jedenfalls wenn sie mit ihm zusammenleben. Diesmal war er der Gegenpol und Teil der Bergwelt. In meine kleine Zusammenfassung hat er nicht gepasst.


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