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2015 30 Jan

„Ein reiner Ton auf dem Bass ist reiner Zufall“

von: Wolfram Gekeler Abgelegt unter: Blog | TB | 5 Kommentare

Heute Nacht bin ich zufällig über die Mediathek des SWR in den Galaabend zur Verleihung des baden-württembergischen Jazzpreises an Eberhard Weber geraten. Die ersten 40 Minuten kann man getrost wegklicken; da hört man sonst nur zum Teil schwer erträgliche Reden voller Selbstbeweihräucherung, Parteipolitik und Lobbyismus. Das Publikum ist entsprechend zurückhaltend. Doch dann steht Eberhard Weber auf, nicht ohne durch ein deutlich hörbares “o Mann“ ganz kurz und diskret darauf hinzuweisen, dass ein schwäbisch so harmlos klingendes „Schlägle“ auch ein schwerer Schicksalsschlag ist, zumal das Bassspiel unmöglich wurde. Doch innerhalb weniger Sekunden gelingt es Eberhard Weber durch seine heitere, lebendige Ausstrahlung und einige auch selbstironische Bemerkungen die Stimmung im ausverkauften großen Saal im Stuttgarter Theaterhaus völlig zu verändern. Leider ist das folgende Konzert nur bis zur Pause zu hören; den zweiten Teil scheint der SWR uns außerprogrammmäßigen Mediathekbenutzern vorzuenthalten. Schade; aber schon die ersten 45 Minuten lohnen sich. Die SWR-Bigband spielt zusammen mit einigen special guests (Gary Burton, Paul McCandless, Michael Gibbs) Kompositionen von Eberhard Weber, arrangiert u.a. von Rainer Tempel – durchaus gelungen. Mir hat sogar der Auftritt von Jan Garbarek gefallen, der zu einer Bandaufnahme Webers improvisierte und dabei in mir die Phantasie weckte, ihn in einer der kahlen, verpissten Stuttgarter Fußgängerunterführungen anzutreffen, das Saxophon nicht zu schön, sondern schön spielend, und vor sich einen Ghetto-Blaster mit Eberhard Webers Basslines.

Dieser Beitrag wurde geschrieben am Freitag, 30. Januar 2015 und wurde abgelegt unter "Blog". Du kannst die Kommentare verfolgen mit RSS 2.0. Kommentare und Pings sind zur Zeit geschlossen.

5 Kommentare

  1. Michael Engelbrecht:

    Mit der Platte „Last Stage of a Long Journey“ hatte er sich ja zum Glück zu früh verabschiedet, das war mit Sicherheit das Album, das mir am wenigsten von allen gefällt, zu weich, zu nostalgieraunend.

    In Stuttgart wäre ich trotzdem nun dabei gewesen, und hätte gern auch den Anfang ertragen. Du kannst dir gar nicht vorstellen, wie lebenig mir Eindrücke seines ersten oder zweiten Auftritts mit dem Dave Pike Set geblieben sind, Jahre vor seinem ECM-Debut. Und ich glaube, noch ohne seinen Spezialbass.

    Aber was für ein Highlight: Garbarek und der Ghettoblaster.

  2. Wilfried:

    Kannst du bitte den Link des Konzertes angeben, ich finde nur einen YouTube-Auftritt von 55 min. mit leider nur mäßigem Ton.

    https://www.youtube.com/watch?v=mdhDQTTx1WI

  3. Jan Reetze:

    Die Sendung scheint nicht in der Mediathek zu sein.

    Hier ist ein Gespräch mit Weber von vor einer Woche:
    http://swrmediathek.de/player.htm?show=8e286db0-a2fc-11e4-9df4-0026b975f2e6

  4. Wolfram Gekeler:

    Über swr.de>swr Bigband>eberhard weber theaterhaus kommt man hin. Teil 2 „aus rechtlichen Gründen“ nicht im Netz.

  5. Wolfram Gekeler:

    Nacht, Rotwein, Halbschlaf und Google – man stößt auf spannende Sachen, die man bei Tageslicht nie wieder findet. So bin ich grade statt bei Webers Gala auf dem Ev.Kirchentag gelandet. Sorry! Probiert’s mal mit „Eberhard Weber Theaterhaus“.


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