Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

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Archiv: Januar 2015

2015 31 Jan

Von der Kneipe in die Cloud

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„Ist alles keine Arbeit, aber es muss ja gemacht werden!“ Stimmt! 30 Jahre nach Herbert Grönemeyer ist es an der Zeit, mal nachzufragen, warum der Mann derart auf den Hund gekommen ist. 100 Jahre Merkel in der Politik, Rihanna, Miley und Beyoncé im Pop – und die Fussballerinnen sind auch noch sehr erfolgreich. Auftritt: Ray, George und Berthold (sic!) Mann, die sich Ende der 80er Jahre in Rotterdam trafen, viel Musik zwischen Drafi Deutscher, LX Chilton, Robert Wyatt, Kevin Ayers, Hannes Wader, The Who, Soul, Reggae und viel Velvet Underground hörten, beschlossen „die deutschen Yes“ zu werden, als sie schließlich merkten „Wir sind der Mann“. Mit Yes wurde die Latte vielleicht etwas hoch gehängt, aber zumindest Künstler wie Peter Maffay, Pur, Grönemeyer und lieb gewonnene Diskurs-Popper wie Die Sterne oder Die Türen müssen sich jetzt ganz warm anziehen, denn Wir sind der Mann schütteln nicht nur zwölf perfekte Popsongs aus dem Ärmel, sondern können auch noch textlich die ganze Klaviatur zwischen Philosophie und Klamauk zu bedienen, wenn sie die bohrenden Fragen der Gegenwart zumindest schon mal formulieren: „Wo fängt Mann an?“ Und: the first appearence of the „Reformhaus“ in German Popmusic is now! „Freudenhaus des Stuhlgangs“. Wenn das nichts ist, dann weiß ich auch nicht.

Programm:

1. Begrüssung am Bahnhof jedes einzelnen Manafonistas mit einem Blumenbouquet, Kurzinterview und Pressefoto-Shooting

2. 16. Mai, 14.30 Uhr, Cafe Wien, Westerland: informelles Treffen der Freunde von „Mörderwanderungen“: Fahrt mit der Pferdekutsche zur Brederuper Heide, dort frohes Wandern bis zum legendären Cafe „Kupferkanne“, geselliges Kaffeetrinken und Kuchenessen incl. Eiergrog, Hammerpunsch und Altbierbowle

3. 17. Mai, 17.30 Uhr, Restaurant Samoa – Seepferdchen – ein Tisch für 7 Personen ist reserviert, Ende des Treffens um 20.30 Uhr, dann treffen sich die Vorsitzenden der Sylter „Eiswasser-Freunde, e.V.“ zur Planung der Wintersaison

4. 18. Mai, Bahnhof, Ende des individualtouristischen Trips mit Winken und guten Wünschen. Jeder Manafonista erhält eine Original-Ariola-Single aus den Sechziger Jahren von Adamo (mit Autogramm)

2015 31 Jan

„New lamps for old!“ (February Dreams)

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Dann rollen sie doch langsam an, die ersten grossen Songalben des Jahres, und mitunter, wie bei der 1946 geborenen Sängerin Bettye LaVette oder Bob Dylan, wird das Uralte durch verwitterte Räume transportiert, mit Gravitas und Krächzen, mit Mikrofonen, die der Stimme wenig Hall und hohen Realismus bescheren. Solche Melancholie durchströmt auch den jüngsten Roman von Hakan Nesser, der sich in solchen südlichen Landzonen Englands einnistet, in denen früher ehrwürdige Ladies der britischen Literatur reihenweise Gespenster auftreten liessen. Gespenster, sehr diesseitige, auch hier. Tschechov hätte Spass an diesem Thriller aus der Sparte der Anti-Thriller. Verweigerung herkömmlicher Spannungskurven! Und dann: ein Roman voller philosophischer Finnesse dient als beste Hirnstimulanz, vor allem, wenn man sich bewusst ist, dass scharfes Denken ohne Humor selten in Bann zieht, und die Antworten auf die grossen Fragen des Lebens sowieso stets mit einer Frage daherkommen. Und wer eine Zeitreise antreten will, die im australischen Brisbane spät in den Siebzigern begann, sei auf die fulminante Schatzkiste der Go-Betweens verwiesen. Understatement meets passion. Dort kann man, „between cattle and cane“, aufregende Entdeckungen machen, und eintauchen in die Klangwelten eines grossen Songschreiber-Paares, das sich frühe Inspirationen holte bei Godard und Dylan, bei Truffaut und den Velvet Underground. Mittlerweile gibt es in Brisbane eine „Go-Betweens-Bridge“. Sehr widerstandsfähig. Jüngsten Unwettern hat sie klaglos standgehalten.

 

 
 
 

Es ist keine Weihnachts-CD geworden. Es ist mehr: es ist ein Geschenk fuer immer.

Bobby singt Texte, die er nie so geschrieben haette. Und genau das ist es, was die stehengebliebenen Negativkritiker nicht verstehen wollen. Sie kleben an seinen nobelverdaechtigen Texten, wollen seine „Schmirgelpapierstimme“ hoeren und verpassen somit ein Ereignis, das hier erlebt werden darf.

Der Meister singt eine Ode an die Musik. Er oeffnet das grosse amerikanische Liederbuch und kehrt zurueck in die Musikheimat, aus der er einst als Star hervorging. Was fuer einen Lebensbogen er damit bereithaelt! Diese Urspruenglichkeit von damals legt er mit grossem Ernst in seine Stimme, es sieht nach Ueben aus. Nur in „Full Moon“ gleitet er ganz kurz in die bekannte gepresste Stimmlage.

Nach 4x anhoeren der CD ist bis jetzt mein Highsong: „Some Enchanted Evening“. Tatsaechlich ist die Klangatmosphaere eine gedaempfte, es sind gesungene Traurigkeiten, die das Leben mit sich bringt. Im letzten Stueck: „That Lucky Old Sun“ bittet Bob Dylan mit bruechiger Stimme: „Dear Lord, lift me to paradise, show me that river, take me across, wash all my troubles away.“ Hoffentlich erfindet sich Bobby nicht so schnell neu – mitsingend in den Engelchoeren. Aber bitte dann mit derselben hervorragenden Band.

2015 30 Jan

Thomas Dinger: 2000

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(Blogeintrag entfernt, da es ein urheberrechtliches Problem mit dieser CD gibt. – 7. Februar; jr)

 

 
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Eines der betörendsten Alben des finnischen Komponisten und Schlagzeugers Edvard Vesala erschien in den 70er Jahren mit dem farbigen Cover, Jahrzehnte später mit dem Schwarzweissbild als visuelles Element. Ich hätte das Sonnenuntergangsmotiv (wenig spricht für einen Sonnenaufgang!) belassen, es war sehr bald, für Menschen, die „Nan Madol“ früh erwarben, eins mit der Musik geworden. Mittlerweile ist dieses Teil, überfliessend an Melodien, freiem Jazz und Naturklanginspirationen, sogar als CD zum Sammlerobjekt geworden, aus dem Tagesgeschäft allemal verschwunden. Vielleicht scheint Ihnen ja auf einer Schallplattenbörse unverhofft diese ganz spezielle Sonne. Dann kommt es darauf an, auf keinen Fall zu zögern. Auch verrät das erste Cover viel mehr über die Musik als das Reissue-Bild. Deshalb ist es auch alles andere als ein „Postkartenstereotyp“. Und wo Harfen ins Spiel kommen, denke ich seitdem immer nur an finnischen Jazz – und Alice Coltrane.

Heute Nacht bin ich zufällig über die Mediathek des SWR in den Galaabend zur Verleihung des baden-württembergischen Jazzpreises an Eberhard Weber geraten. Die ersten 40 Minuten kann man getrost wegklicken; da hört man sonst nur zum Teil schwer erträgliche Reden voller Selbstbeweihräucherung, Parteipolitik und Lobbyismus. Das Publikum ist entsprechend zurückhaltend. Doch dann steht Eberhard Weber auf, nicht ohne durch ein deutlich hörbares “o Mann“ ganz kurz und diskret darauf hinzuweisen, dass ein schwäbisch so harmlos klingendes „Schlägle“ auch ein schwerer Schicksalsschlag ist, zumal das Bassspiel unmöglich wurde. Doch innerhalb weniger Sekunden gelingt es Eberhard Weber durch seine heitere, lebendige Ausstrahlung und einige auch selbstironische Bemerkungen die Stimmung im ausverkauften großen Saal im Stuttgarter Theaterhaus völlig zu verändern. Leider ist das folgende Konzert nur bis zur Pause zu hören; den zweiten Teil scheint der SWR uns außerprogrammmäßigen Mediathekbenutzern vorzuenthalten. Schade; aber schon die ersten 45 Minuten lohnen sich. Die SWR-Bigband spielt zusammen mit einigen special guests (Gary Burton, Paul McCandless, Michael Gibbs) Kompositionen von Eberhard Weber, arrangiert u.a. von Rainer Tempel – durchaus gelungen. Mir hat sogar der Auftritt von Jan Garbarek gefallen, der zu einer Bandaufnahme Webers improvisierte und dabei in mir die Phantasie weckte, ihn in einer der kahlen, verpissten Stuttgarter Fußgängerunterführungen anzutreffen, das Saxophon nicht zu schön, sondern schön spielend, und vor sich einen Ghetto-Blaster mit Eberhard Webers Basslines.

2015 30 Jan

A Day In The Life Of Chris Mullen

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I am sitting in this big office in the centre.
Famous marketing company.
Late night, lots of freelance over-hours behind me and i´m almost finished.
 
It is the first moment of the day that I take time to observe my surroundings. I´m designing a sleeping pill of 82 slides. Full of wonderful black and white tables and statistics. I hope they serve enough caffeine for the CEO-vultures that fly to London tomorrow morning and are going to devour this block of data-fetishm. The Head-Vulture of London is going to tell how they are going to save this old slowly-dying company. Around me are apple computers, mood boards, sketchpads, weird marketing ideas on paper and left-over tea cups of people that might not keep their job this year.
 
If you can, put this on now, preferably on your headphone. When you have, read further.
 
It is 10pm and there is no one around anymore. I put on the volume of the computer at 100%, go to youtube, and put on Eno. I take this moment to sit back in my chair and just observe this weird micro-world around me. The next 48 minutes, every object in this empty office resonates under the notes of Eno.

An hour later, I finish my presentation, shut down the computer and head for the reception. I talk to the receptionist to arrange a taxi i’ve been offered before. He asks me where I am from and shows me what he works on while doing a night shift. He repairs computers and watches movies on a separate TV-screen. He offers me to sit a chair besides him, we talk about his life and watch the monitoring-system of empty places in the office until the car arrives.
 
Half-a-sleep I am looking out of the window as we drive through a late-night centre of London, still full of people and lights. Over the Thames and back in my bed.
 
Chris

The Enchanted Path heisst mein Lieblingswein von Mollydooker.  (Neben Two Left Feet, Ole‘ Blue Boy und anderen Roten Australiern von Molly, in Aachen z.B. leicht zu erwerben in der Kleinmarschierstrasse bei „Aix Vinum“). So ein Zufall. Habe gar nicht an Rodgers & Hammerstein gedacht. Aber dazu später. Natürlich kann man hier den Southern Folk-Mix von Natalie Prass ins Spiel bringen, der sowohl handwerklich wie gefühlstechnisch alle Register eines feinen Wechselspiels von orchestraler Palette und privater Verwundbarkeit zieht. Liebesleid made in Virginia. ***1/2 Sterne Und so kommt es zu dem Kuriosum, dass die ersten drei  grösseren Songalben anno 2015 allesamt explizit, implizit Break-Up-Werke sind, zudem meine eigenen Vorurteile und flüchtig erste Wahrnehmungen deutlich korrigieren. Auch Björk schafft auf „Vulnicura“ trotz kleiner Abzüge in der Lyrik-Note etliche herrlich verdrehte Lieder. Liebesleid (Wundheilung) made in England.  *** Sterne. Den Vogel abgeschossen hat jedoch tatsächlich Bob Dylan, der hier mal die Lieder nicht hemmungslos dekonstruiert, wie er es seit Jahren so grossartig tut, im Gegensatz zu vielen anderen, die ihrer eigenen Vergangenheit lieber restaurativ entgegentreten und somit die Nostalgiequote nach oben schrauben. Nein, da lasse ich meine fehlende Zuneigung zu Frank-Sinatra gerne ruhen, der ja auch bevorzugt das Great Amercian Songbook anzapfte. Nach oberflächlichem ersten Hören zweier im Netz rumschwirrender Samtlieder ist schnell die Schwelle übersprungen. Ein Rückblick mit Klasse und alles andere als gegen den Strich gebürstete Songs. Liebesleid made in USA. Einst. Dazumal. Bob Dylan gelingt auch in den Nachwehen eines New Yorker Blizzards ein ziemlich grosser Wurf. Der seltsam unkalkuliert, weil so glaubwürdig, klingt. Mein erstes ****-Sterne-Song-Album. New lamps for old! new lamps for old! Herr Frost hat das zudem hervorragend produziert.  Und eine Patina hergestellt, durch welche die desolaten Waidwundgesänge von Frankie Boy neu auferstehen und sich die passenden Jukeboxen suchen in Downtown Manhattan. Wie schreibt es Alex Petridis so treffend im Guardian: „His version of Rodgers and Hammerstein’s Some Enchanted Evening takes a song about a burgeoning romance and ferrets out the misery buried in the lyrics. “Fly to her side and make her your own/ Or all through your life you may dream all alone,” he sings, but there’s a rueful quality to his voice that undercuts the carpe diem sentiment and a song cautioning the listener not to miss their chances suddenly becomes a song about missed chances.“ Wahrscheinlich schon jetzt die beste Rotweinweltmusik des Jahres. Lebensberatung, Musikberatung, Weinberatung. Viel mehr geht nicht:)

2015 29 Jan

Geschichten eines Absteigers (1)

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  1. Gregs drohte zu kontern, mit einer Serie namens „Geschichten aus der Niemandsbucht“, wenn ich die Reihe tatsächlich eröffnen würde, die mir seit Tagen vorschwebt, „Geschichten eines Absteigers“. Denn zum ersten Mal in meinem Leben hatte ich jüngst ein hellseherisches Erlebnis – jedenfalls waren die Umstände (ein Stehcafe, eine Torte, ein Kakao, und ein Roboter, der die Kundschaft bedient) so seltsam, dass plötzlich einsetzende Halluzinationen aus dem Mai 2015 sehr ernst zu nehmen waren. Am Boden liegende Spieler, ein Präsident in Nahaufnahme, der den Kampf gegen die Tränen verliert. Ich war dort, an diesem Tag, als all das Fakt wurde, was noch im Januar in das Reich der Schwarzseherei und Gespenstergeschichten abgetan wurde.
  2.  

  3. Trauerarbeit kann viele Formen annehmen, und nach den Jahren der Freude galt es schon einige bittere Pillen zu schlucken, aber das ist die bitterste. Der BVB 09, der Ballspielverein Borussia Dortmund (lassen Sie es mich gleich aus der richtigen Perspektive schreiben!) ist abgestiegen. Unfassbar diese Entwicklung. Da ich weiss, was kommen wird (weil es eigentlch schon passiert ist, aber mit solchen Phänomenen der Zeitwölbung will ich Sie hier nicht gleich in der ersten Folge behelligen), kann ich mich natürlich seelisch ganz anders darauf einstellen.
  4.  

  5. Und es wird diese Reihe nicht nur ein gefundenes Fressen für andere Zeitreisende und tiefe Pessimisten unter den Borussen-Freunden sein, denn im Rahmen dieser sehr speziellen Fussballstory werden viele Absurditäten zwischen Zufallsforschung, Erosionsprozessen, Tiefenpsychologie und systemischen Zusammenbrüchen auftauchen, die auch für „Fussballfreie Intelligenzen“ (FI) manch zündende Idee enthalten, manch fabelhaften Rohrkrepierer.
  6.  

  7. „Life is a lot of crap, but here comes the good news: you’re not alone. You’ll never walk alone.“ Sehen Sie sich mal die 11. Folge der Vierten Staffel von „Person Of Interest“ an („If – Then – Else“), dann wissen Sie gleich Bescheid, wie der Hase im irdischen Universum läuft!
  8.  

  9. Und so ist dies eigentlich auch schon, lieber Gregs, eine Geschichte aus der Niemandsbucht (du kannst dir diese Serie sparen!), wo man, wie weit man auch den Horizont absucht, schlicht niemanden sichtet, und man fragt sich, in trostloser Vereinzelung, anlässlich der grotesk aus einem Transistorradio trötenden Hymne des FC Liverpool (das Original), ob die Hoffnung nicht schon ganz am Anfang gestorben ist, und sich nicht schlicht nur etliche Geister zusammenrotten („The Walking Dead“), um das Unbegreifliche zu einem stummen Chor anschwellen zu lassen.
  10.  

  11. Nebel, Roboter, und Kakao. Und ein Schwachkopf regiert in Zürich. Das kann ja noch heiter werden. Diese Serie ist Ror Wolf gewidmet, auf 2 bis 20 Folgen angelegt und findet im Mai ihren desaströsen Abspann.

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