Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

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Archiv: Juli 2014

Die Serie der Reissues endet am 26. September 2014 mit einem von Brian Eno zusammengestellten Vinyl-Box-Set. Nach den von Questlove und Ginger Baker kuratierten Fela-Boxen ist es die dritte Vinyl-Box in der Reihe. Eno suchte sich die Alben „London Scene“ (1971), „Shakara“ (1972), „Gentleman“ (1973), „Zombie“ (1976), „Upside Down“ (1976), „I.T.T.“ (1980) und „Afrodisiac“ (1973) aus, die alle ihr Originalartwork enthalten, und schrieb das Vorwort des 12-seitigen Booklets, das außerdem mit ausführlichen Kommentaren des Historikers Chris May und den Songtexten ausgestattet ist. Brian Eno:  „I remember the first time I listened [to Fela’s album Afrodisiac] and how dazzled I was by the groove and the rhythmic complexity, and by the raw, harsh sounds of the brass, like Mack trucks hurtling across highways with their horns blaring. Everything I thought I knew about music at that point was up in the air again.“

 
 

 
 
 
Herr Rauschenbauer sammelt Schweigen,
 
 
Schweigen, weil man etwas aus dem Weg gehen will
Schweigen, wenn es nichts mehr zu sagen gibt
Schweigen, weil es nichts zu sagen gibt
Schweigen, worüber man nicht reden kann
Schweigen, das Einverständnis anzeigt
Schweigen, das Hinhören möglich macht
Schweigen, das Ignoranz andeutet
Schweigen, zustimmen
Schweigen …
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Viele Arten des Schweigens. Herr Rauschenbauer hat fleissig gesammelt und könnte ein Museum einrichten
 
 
© FoBo_HenningBolte

Gustl Mollath ist ein Maschinenbauingenieur aus Franken.
Er liebt schnelle Autos.
Und er liebte seine Frau.
Petra liebt einen anderen.
Der war was bei der Bank.

Eines Tages fragte Gustl seine Petra: Was machst du da?
Sie packte Geldkoffer und reiste nach Zürich.
Das darfst du nicht, sagte Gustl zu ihr.
Petra wollte das nicht hören.
Gustl ballte die Fäuste.
Vielleicht schlug Gustl zu.

Petra ging in ihre Kreise.
Jetzt ist er verrückt geworden.
Das sagte sie an wichtigen Stellen.

Sie holten ihn ab und klagten ihn an.
Das Delikt klang nach Wahnvorstellung und Freiheitsberaubung.
Aber der abwesende Richter sprach ihn frei.
Man steckte ihn dafür in die Psychiatrie.
Der Sohn einer Ärztin unterschrieb die Einweisung.
Gustl saß 7 Jahre.

Man konnte ihn nicht brechen.
Das dumme Justizweib Merk erhörte ihn nicht.
Journalist Prantl und andere von der SZ berichteten mutig und stetig.

Dann übernahm ein Anwalt aus Hamburg den Fall.
Mollath kam frei.
Man verhandelt aufs Neue.
Der Anwalt gibt auf.

Gustl kämpft wieder allein.
Er will viel.
Er will den Freispruch und Fairness.
Herr Meindl packen Sie an.
Hier klagt einer gegen die bayerische Mafia und Gutachtergesindel.

Gustl ist einer wie du und ich.
Gustl stay brave!

Sieht so aus, als ob die Suche nach Irina Matei im Sande verläuft, aber noch ist ja Ferienzeit in Hessen. Fortsetzung folgt. Manchmal ist die Fortsetzung eins mit dem Ende. Die Erinnerungen lösen erst eine Bündelung der Kräfte aus, dann verweilt man geduldig. Wendet sich anderen Dingen zu. Verläuft eine Spur im Sande, muss man ihr keinesfalls nachgehen. Viel naheliegender ist dann ein Besuch im Schwimmbad, oder ein Traum von historischen Strassenbahnen. Dafür sind die Öffnungszeiten in Museen eingerichtet worden. Tatsächlich fragte ich einmal in den Klanghorizonten des Deutschlandfunks rhetorisch ins weite Rund: „Alison Statton, where are you?“. Es dauerte ein Jahrzehnt, bis wir im Chelsea Hotel die Karten auf den Tisch legten. Und noch einmal das Gedächtnis auffrischten, die Tage der „kolossalen Jugend“ werden nie gezählt sein.

2014 31 Jul

familiar … remote arcane

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The ensemble played music of serene translucent spaciousness, suffused by richly swirling and fluttering instrumental colors. At first listen, the ensemble’s abundant sound, its light flow and gently (pro)pulsing rhythmical undercurrent felt familiar, like a warm breeze, but also radiated a kind of remote arcane sensation still carefully to be uncovered. Gradually this was revealed in the second piece that … READ MORE
 
 
 

 
 
 
© FoBo_HenningBolte

2014 31 Jul

Oh my Mama told me there’ll be days like this

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Well I get up in the morning and I get my brief
I go out and stare at the world in complete disbelief
It’s not righteous indignation that makes me complain
It’s the fact that I always have to explain

_Van Morrison, „Why Do I Always Have To Explain“

2014 31 Jul

The Story of Pop

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Da fährt man nichts Böses ahnend zum Strand seines Vertrauens just another day on earth und hört plötzlich die Stimme eines alten Bekannten im Radio no friends for life aber man wär ja schön blöd wenn man seinen Liebsten keine Chance gibt no guru no method no teacher und dann findet versonnenes Zuhören statt denn klug kann er allemal und hier entwirft einer in Rückblicken und  lauter Seitwärtstreiben und pointiertem Blick seine Geschichte der Popmusik Life On Mars und auch wenn man in der gleichen Zeit auf der Erde landete wie Karl Bruckmaier Mitte der Fünfziger entfaltet sich hier ein Gespräch voller zündender Gedanken und Reflexe  damals habe ich der ganzen Zündfunkbande gerne gelauscht in den späten Siebzigern in einem Studentenwohnheim in Würzburg alles Enofans Before and After Science Ingeborg Schober Michael Hutter Karl Bruckmaier Carl Ludwig Reichart und Co und wirklich gut ist dass KB beim Schreiben immer noch auf Entdeckungsreisen ging und das hier alles andere zu sein scheint als eine lauwarme Nummernrevue von Histörchen Time Out of Mind  man lasse sich also nicht irritieren von der Schlichtheit des Titels die Überschriften der vielen Kapitel lesen sich wie die Stationen eines faszinierenden Labyrinths und das Buch endet mit einem Kapitel das Charlie Haden heisst Deja Vues erleben wir zur Genüge in postmodernen Zeiten wunderbar wenn ein Blick zurück erfinderisch bleibt

2014 31 Jul

kurz&bündig #3 Frau Traumsaum träumt

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Träume säumen ist ihre Lieblingsbeschäftigung.
Sie geht ihr nach, wann immer sie kann.
Und wenn’s nicht geht, träumt sie davon.

 
 
© FoBo_HenningBolte

Aber selbstverständlich ist es auch identitätsstiftend, Gregor, den Musikgeschmack aus der Vergangenheit kritisch unter die Lupe zu nehmen und das nicht Passende (vielleicht sogar: das noch nie Passende oder mindestens: das nicht hinreichend Passende) beiseite zu legen. Im Unterschied zu wahrscheinlich allen anderen Manafonistas habe ich leider nicht schon mit zwölf damit begonnen, die Schallplatten zu entdecken, die mich wirklich berührt haben. Wer weiß, ob mein Leben dann sogar anders verlaufen wäre, weil andere Seiten in mir gestärkt worden wären und ich ein paar andere Entscheidungen getroffen hätte.

Ebenfalls in der Ecke der fast vergessenen Tonträger: Suzanne Vega. Es gibt für mich Musik, die sehr direkt mit bestimmten Zeiten oder Situationen verbunden ist, und es gibt solche, die losgelöst und irgendwie zeitlos ist. Suzanne Vega zählt ganz klar zur ersten Sorte. Ich muss nur ein paar Takte von ihr hören, da kommt auch gleich wieder so eine melancholische Stimmung auf, durch die ein paar zarte lebensbejahende Fäden durchschimmern, und manchmal auch etwas Sozialkritisches. Suzanne Vega hörte ich im Studentenwohnheim. Es waren zwei Hochhäuser zu je 15 Stockwerken mit insgesamt etwa 900 Bewohnerinnen und Bewohnern. So viele wie ein kleines Dorf. Nicht alle waren Studierende, denn in Zeiten knappen Wohnraums gab es einen boomenden Schwarzmarkt. Da wohnten ein paar ägyptische Passhändler, immer geschäftig in ihren weißen Hemden und Berufstätigenhosen, und ab und zu saßen Obdachlose in unserer Küche und benutzten unsere Dusche, denn man gelangte ohne Schlüssel in die Stockwerke. Als ich die meterlange Reihe von Briefkästen zum ersten Mal sah, war ich schockiert. Die Zimmer auf der Westseite hatten einen Blick auf die A 66. Es war aber romantisch, wenn das warme Licht der untergehenden Sonne auf die Regalreihe mit den Suhrkampbüchern im Zimmer von S fiel und wir nachts Pink Floyds „Wish You Were Here“ auflegten und harmlose Drogen nahmen. Die Sache wurde kompliziert, sowohl S als auch P waren aus den Zwillingstürmen gezogen, ich fühlte mich in meinem Erdgeschosszimmer mit Blick auf die Müllpressanlage etwas zurückgelassen, andererseits allein auch stärker.

 
 
 

 
 
 

Es sind Songs, die sich ziemlich schnell erschließen, die konventionell gebaut sind. Es gibt wenig Überraschendes, und selbst das bemerkenswerte Rhythmusgefühl wird nach kurzem Zuhören berechenbar. Ein Lied, das mich damals aufhorchen ließ, weil es ohne Instrumentalbegleitung auskam und weil ich Suzanne Vegas Stimme immer mochte, ist Tom´s Diner.

 
I am sitting
In the morning
At the diner
On the corner

I am waiting
At the counter
For the man
To pour the coffee

And he fills it
Only halfway
And before
I even argue

He is looking
Out the window
At somebody
Coming in …

 
(Fortsetzung zum Mitsingen unter Kommentar 3)
 

Kein Wunder, dass man sich nicht von verlorenen Liebschaften lösen kann, wenn man diese Musik hört.

Sehr zeitlos dagegen, für mich: „Trespass“ von Genesis. Was hier seit Tagen läuft. Songs, die ich immer nur allein gehört habe und die mit niemandem verknüpft sind. So ein trotziges „Nobody needs to discover me” baut doch gleich mehr auf als die geheimnislosen Texte der Suzanne Vega. Nein, Freunde, ich habe keinen Liebeskummer. Ich sortiere nur meinen Plattenschrank.

In den 70er Jahren kauften meine Eltern ihren ersten Kassettenrecorder und entdeckten die Möglichkeiten von Audioaufnahmen. Ich war nicht begeistert davon. Den einzigen Nachmittag, an dem mein Bruder und ich friedlich in meinem Zimmer Lego spielten, nahm meine Mutter auf. Ich weiß, dass ich es nicht richtig fand, und sicherlich habe ich protestiert und meine Mutter hat irgend etwas Beschwichtigendes gesagt, so dass ich die Aufnahme erlaubt habe. Aber das Gefühl, dass das Spiel dokumentiert wurde, veränderte es, machte es fad.

 
 
 

 


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