Manafonistas

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Archiv: Mai 2014

2014 27 Mai

Once upon a time in San Francisco

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San Francisco in the late 1960s was a place for lovers, poets, and peace-makers. Positivity and goodwill were as omnipresent as the fog, and people were greeted with open arms and rosie cheeks. Unless, of course, you were on the second story of Sam Wo Restaurant in the heart of Chinatown.

Past steaming woks and chopping blocks and up a narrow, creaky staircase, Edsel Ford Fong — the world’s most insulting waiter — greeted patrons with a “sit down and shut up!” Routinely, he cussed out his customers, sexually accosted female companions, and unapologetically spilled soup across laps. According to one diner, he was so malicious that he “made the Soup Nazi look like the Dalai Lama.”

Here is the whole story: 
 
„The Worst Waiter In History“

Parental advice: you can hear the word „pornography“ at the end of the album!

A few days ago I sat next to Eiléan Ni Chuilleanáin, who was described on Wikipedia or maybe somewhere else as one of the most famous Irish poets. As you would have expected it from a female irish poet, her hair reached at least to the seat of the chair she sat on. (By the way her hair was not red, just in case you would have expected also this feature from a female irish poet.) I remember one of her poetic pictures, children being thrown in language like in cold water. Later, in the discussion, one of the guests made a political comment about it. How the prohibition of speaking the own language was used as a weapon and – his voice became louder – could even kill people. I guess it had nothing to do with the poem, but some time ago I read somewhere, in every public lecture with following discussion there was this man who would talk und talk unless the organizer would stop him. The incessantly talking man was asked to translate his comment in italian language as most of the people were italians. A good idea: the man suddenly was quiet. The Greek poet Titos Patrikos is far more than 80 years old, but his eyes were shining bright, as he quoted another poet, who said, it was no problem to repeat one and the same thought in all the poems one writes as the poet thus would succeed in expressing more profoundly. Unfortunately I forgot the name of this intelligent poet, and I had no opportunity to ask Titos Patrikos later. So @ Titos Patrikos: if you read this, I would be pleased if you could make a comment and leave the name of that poet. Don´t worry: No one but Manafonistas will be able to read your e-mail-adress. I said I was grateful to Titos´remark as I had recognized all my poems circled around one theme: disappearance. (I never planned it and fortunalety it is not my job to analyze it.) And this, dear campfire friends, may be the main reason why I love the work of Labradford and the voice of Mark Nelson so much. Although very often it does not matter what someone says, but how, I especially love track No. 3 (PICO) from the album “Labradford” (1992) and the way Mark Nelson is whispering (not really singing) some words which sound like “somewhere alone / the light, street corners, city blocks, apartments abandoned to their drift“. And although I would love it to read the complete lyrics it is not really necessary as one can feel every single word.

 
 
 

 

 

 
 
 

This Guardian Film Show is some weeks old. Normally I don’t read or look at reviews before seeing a film, but this time it’s different. Peter Bradshaw sometimes loves movies I would leave after 15 minutes. Or it’s the other way round. I like to look, from time to time, at these shows after having been in one of the movies. Now, ladies and gentlemen, something that has never happened before: I really can’t wait to see each of these four movies, and I think every one of them will touch me quite deeply (though they are totally different from one another).

 
theguardian.com

Jason Williamson hat die Schnauze voll. Kann man mit so einer Wut, und den Mund voller Wörter, grossartige Lieder machen? Ja, kann man. Sogar fettarme Lieder. In dem Song „Fizzy“ schnappt er sich einfach dieses Wort, „Fizzy“, zerbeisst es, zerkaut es, zerlegt es. Und dann, am Ende, haut er noch ein unübersetzbares letztes verächtliches Stöhnen raus, pure unheitere Emotion. (An dieser Stelle gilt es, kurz Einhalt zu gebieten. Leute, die meinen Musikgeschmack nur relativ oberflächlich kennen, würden nie denken, dass ich ein Loblied auf solche Songs singen würde. Sich von meiner Begeisterung anstecken zu lassen, geschieht also auf eigene Gefahr. Ausserdem sample ich hier viele Stellen einer Rezension aus dem Netz, deren Lesen und teilweises Übersetzen mir so viel Spass bereiteten wie das Schreiben für sich allein.) Geräuschmusik, Noise, ist das nicht. Wieso erscheint es also auf einem Label, „Harbinger Sound“, in dem Lärm, zerbrechendes Glas, und rabiates Feedbackgedröhne zum guten Ton zählen?! Weil „noise“ Interferenz ist, und „noise“ eine Kraft darstellt, die existierende Systeme aufbrechen und Erwartungen verstören kann. in dieser Hinsicht ist das erbarmungslose Duo aus Nottingham eben auch geräuschig. Jason Williamson wurde in Grantham geboren, und auch ohne Reiseführer zu befragen, gilt dieses Städtchen als die langweiligste Stadt Englands. Die sogenannte „eiserne Lady“, Maggy Thatcher, kam auch dort auf die Welt, auch das noch! Jahrelang hat sich der junge Jason in Bands getummelt, ohne seinen Ton zu finden. Dann, irgendwann, in einem „fucking studio“ in Nottingham, hat er seine Sprechwutgesänge über einen Metalltrack gelegt. Mit diesem schmutzigen Dialekt, mit lauter seltsamen Wörtern und Codes, die einem Outsider noch fremder vorkommen müssten als der abgedrehteste Graffiti in einer leblosen Industrieanlage. Zynismus, Verachtung, Verzweiflung brechen sich Bahn in seinen Liedern. Warum sollte man sich das antun? Weil der Humor so gut ist! Nach einer Weile gesellte sich Andrew Fearn zu diesen gesammelten schwarzhumorigen Wutattacken und half, den Songs einen feinen groben Schliff zu verpassen: minimale Elektronik, eine Extraidee für jeden Song, zweite Gesangsspur, und andere Details. „Austerity Dogs“ ist eine unglaubliche Schallplatte. Die Stücke gehen in einander über ohne die kürzeste Atempause, die Lieder sind so hart und schmucklos wie „Pink Flag“ von Wire, so trockenbassorientiert wie „Bass Culture“ von Linton Kwesi Johnson, die Atmosphäre ist so dicht, das sich Bass und Tamburin wie der bedrohlichste Klang auf Erden anhören. „I worked my dreams off for two bits of ravioli and a warm bottle of Smirnoff under a manager that doesn’t have a fucking clue.” Wäre „Sozialer Realismus“ nicht so ein abgefackelter Ausdruck, man könnte ihn hier bestens verwenden. Aber das lässt man besser. „Austerity Dogs“ ist ein Meisterwerk aus den dunklen Winkeln Englands. Fizzzzzzyyyyy. Fizyyyyyy. Fizzzzyyyyy.

 
 
 

 
 

(Im letzten Jahr war ich schon sehr angetan von diesem Duo, das so jenseits meiner vertrauten Vorlieben die Säge auspackte und blanken Sarkasmus verströmte. Jetzt, in der Juni-Ausgabe von MOJO, ist ihr neues Werk, eher eine Compilation älterer Tracks, zur Platte des Monats gekürt worden. Aber wirklich doof, dass ich nicht mitgekriegt habe, dass sie einen Tag vor unserem „legendären“ Stuttgarter Klassentreffen im Aachener Musikbunker auftraten, wo ich zuletzt Lamchop sah. Ich hätte sie so gerne gesehen. Fu**!)

 
GOLDEN SEA
 
 
 


 
 
 
Manchmal gehe ich an meinem Plattenschrank, ziehe aus einer Abteilung einer bestimmten Musikrichtung, auf die ich gerade Lust habe, eine Platte heraus und denke, hey, wie gut ist die denn? So erging es mir kürzlich mit einer Langspielplatte aus dem Stall von Pedro de Freitas sound aspects. Leider existierte dieses ganz hier in der Nähe, quasi in der Nachbarschaft, in Backnang, angesiedelte Unternehmen nur neun Jahre, brachte aber 53 Platten in dieser Zeit heraus, und darunter sind zahlreiche Kostbarkeiten, zum Beispiel von Robin Holcomb, Wayne Horvitz, Bobby Previte, Butch Morris, Gerry Hemingway, Anthony Braxton oder Paul Smoker. Die Platte, die mir neulich zwischen die Finger kam, wurde aber von zwei ganz anderen Musikern aufgenommen, von David Murray und Kahil El´Zabar. David Murray, * 19.2.55 in Berkely Kalifornien, spielt hier Tenorsax und Bass Clarinet, während der am 11. November 1953 in Chicago, Illinois als Clifton Blackburn geborene Kahil El´Zabar an diversen Perkussionsinstrumenten und am Schlagzeug tätig ist.
 
 
 

 
 
 
Die Platte, um die es heute geht, heißt GOLDEN SEA, aufgenommen am 28. Januar 1989 in Chicago, abgemischt im Tonstudio Bauer in Ludwigsburg. Das Titelstück hört sich wirklich an, wie es benannt ist, wie der Ozean bei sich neigender – nicht untergehender – Sonne, die See glitzert auf ganzer Fläche, es entstehen, je mehr sich die Sonne ihrem Horizont zuwendet mehr und mehr goldene Flächen, die glitzern und funkeln. Kahil El´Zabar entlockt seinen zahllosen Instrumenten tatsächlich die Golden Sea und David Murray scheint mit seinem Sax und seiner Bassklarinette dieses goldene Meer durchzupflügen.- Im zweiten Stück, Dreams, spielt Murray, man kennt das von ihm, einmal mehr recht frei, während im dritten Stück der ersten Plattenseite, Sunrise Serende, Kahil El´Zabar den Sonnenaufgang mit seiner Stimme und wiederum zahlreichen Perkussionsinstrumenten geradezu heraufbeschwört, David Murray schweigt hier. Auf Seite 2 erfreut das Duo den Hörer mit einer außergewöhnlichen Fassung des Miles Davis Klassikers All Blues. Die beiden spielen das Stück so zart, so zerbrechlich, wie ich es nie für möglich gehalten hätte, Golden Sea, das Funkeln einzelner, kleiner, kurzer Wellen.- Die Platte endet mit einem engagiertem Lied für ein neues Südafrika, Song for a new South Africa.
Bei sound aspects erschienen noch zwei weitere Platten mit Kahil El´Zabar: The Ritual und Sacred Love, beide mit Lester Bowie u. a. und schließlich Another Kind of Groove mit Billy Bang und Malachi Favors.
Zu erwähnen sei noch, dass Kahil El´Zabar 1999 zwei CDs herausgebracht hat, die
eine mit Archie Shepp, die andere mit Pharoah Sanders.
 
 
 


 

 
 

 
 

2014 19 Mai

Dem Himmel so nah

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Im dritten Stock, ganz oben, hinter der schmiedeeisernen Ballustrade, starb im Juli 1971, elend, Jim Morrison. Rue Beautreillis Nr. 17. Er hatte seinen Tod vorhergesehen, war sich sicher, Janis Joplin bald zu folgen. Er konnte die Abwärtsspirale nicht stoppen. Es war nur traurig, und Nostalgie ist hier der völlig falsche Reflex, die Nähe zum Himmel eine Fata Morgana.

2014 19 Mai

Neil Young’s time machine looks like a phone booth

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„Needle of Death“

Die gesammelten Verrisse  erinnern in gewisser Weise an die Häme, die Neil Young entgegenschlug, als er Mitte der Siebziger den Sanftmut von Harvest verliess und mit drei Nachfolgewerken einen Abgesang auf die Ideale der Hippieära inszenierte. Tonight’s The Night etwa war wohl auch alles andere als eine aufnahmetechnisch hochwertige Produktion, es wurde aber ein Klassiker der Rockgeschichte, eine unerhörte Auseinandersetzung mit dem Elend des Sterbens Nahestehender: der psychoakustische Fachbegriff für das Klangbild ist „audio verite“.

Wenn Young jetzt sozusagen eine Zeitmaschine betritt und alte, ans Herz gewachsene Lieder im Klangfeld alter Schellackplatten ansiedelt, dann ist das a) eine künstlerische Entscheidung und b) einmal mehr „audio verite“. Das Resultat geht mir bei vielen Liedern unter die Haut. Ein wenig schüttel ich den Kopf über sogenannte hard core-Fans, die auf diversen Foren ihren Frust rausposaunen, und irgendwie vergessen haben, dass Young immer wieder  Erwartungen von „Fans“ gegen den Strich bürstete. Ich weiss nicht, warum ich mich nach wie vor von alten, ebenso „bescheiden“ klingenden Bluesaufnahmen von Bessie Smith begeistern kann, und jetzt nicht minder Freude an dieser ganz besonderen Zeitreise von Neil Young empfinden sollte.

Archaische Platte, wenige trauen sich sowas, und diese lo-fi-Produktion tut der Intensität des Vortrags keinen Abbruch. Ganz allein stehe ich mit meiner Meinung nicht da, John Mulvey hat im Blog-Teil der Webseite des englischen Musikmagazins Uncut eine ähnliche Wahrnehmung beschrieben. Keine Frage, für eine kurze Zeit ist Neil Young zu Dr. Who mutiert und in seiner fliegenden Telefonzelle im Jahre 1949 gelandet. Und viele Bewohner des 21. Jahrhunderts schauen jetzt völlig irritiert auf diesen Verrückten, als wolle er bloss einen kleinen Schabernack treiben.

Ich kann jedem einzelnen Niedermacher dieser Platte eins versichern: wenn Bob Dylan dieses Album hört, wird er seinen Hut ziehen. Wenn Jim Morrison für ein paar Tage auf die Welt zurückkehren würde, würde er spätestens bei der Interpretation von Bert Janschs Needle of Death heulen vor Ergriffenheit. Wenn Daniel Lanois die Scheibe hört, wird er sagen: „Respekt!“ Wenn Leonard Cohen sich A Letter From Home anhört, könnte er gut Lust bekommen, seinem Tower Of Song eine neue Strophe anzufügen. Und Julio Cortazar wäre für eine Weile vom alten Jazz zu diesen Liedern konvertiert, die auf dem letzten Loch zu pfeifen scheinen.

Montaigne hat einmal, schon viel länger ist das her, geschrieben, leben heisse, sterben zu lernen. Wenn Neil Young sich jetzt in so eine sauerstoffarme „Telefonzelle“ begibt, dann ist das durchaus auch eine Auseinandersetzung mit dem Tod: viele der hier gecoverten Lieder stammen von Musikern, die alle schon im „Tower of Song“ ihren Platz gefunden haben. Da muss keine high resolution her, kein polierter Sound: da dringt etwas Altes, Fernes an unsere Ohren, das will ich wie einem alten Schwarzweissfilm erleben, in schlichtem Mono, brüchig. Und so schlägt dieses Werk eine Brücke zu einem seiner alten Meisterwerke, Tonight’s The Night.

2014 19 Mai

Cool Words

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I find Anja Utler’s poetry beautiful beyond words – almost literally, because when I listen to her reciting her poetry, I do so without paying conscious attention to her language, but rather, allow the rhythms and any surface or underlying meaning(s) to enter my mind – or rather my superconsciousness, on an intuitive level. Of course, even describing this process is challenging as at each moment of listening, and as I report the process, I’m not absolutely clear whether how I am engaging with the reading (in this case) is actually at a conscious level or not. However, even without  picking out the individual words, I know beyond question that this poetry is resonating strongly with me on an emotional and spiritual level. In many ways the relationship with this particular poet’s writing (and performance of it) is similar to the relationship that I might have with certain musicians and their work – where I don’t know what it is precisely about the music that is affecting me, but at the same time I know that, unquestionably, it is allowing me to tap in to a well of joy. In the UK there is a rather strange attitude towards the German language, with a common view being that the language is ‚harsh‘ or ‚guttural‘ – a view that is derived from exposure to a plethora of war movies and documentaries about a period of history 70 years ago. I always oppose these views – pointing out the beauty of the German language … perhaps this recording would be a first step in convincing those who do not already know it of the validity of such a view.


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