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2013 24 Dez

Gregor öffnet seinen Plattenschrank (60)

von: Gregor Mundt Abgelegt unter: Blog | TB | 3 Kommentare

 

 
 
 
Schade, ich hätte Buch führen sollen. Dann wüsste ich heute noch genauer zu sagen, welche großartige Radiosendungen von Programmdirektoren und Intendanten deutscher Rundfunkstationen abgesägt worden sind. HörerInnenprotest gab es meistens zuhauf, genützt hat er in aller Regel nichts. An einen Brief eines Hörfunkdirektors erinnere ich mich noch genau, wahrscheinlich deshalb, weil man als schlichter Radiohörer in der Regel auf Post keine Antwort bekommt. In diesem Falle war es anders. Ich hatte besonders heftig protestiert, so richtig alle Register gezogen und er hat entsprechend geantwortet, etwa so: „…den wenigen Hörern der von Ihnen so geschätzten Sendung können Sie ja wohl auch eine Kassette mit Ihrer Lieblingsmusik schicken!“ Wow!   Okay, so, ich habe die zweistündigen Klanghorizonte mit M.E., das Jazzlaboratorium des NDR, Radio Unfrisiert vom HR, die tägliche Jazz-Leiste des SWR, den Schlafrock des SDR etc. kommen und gehen sehen und nun, Ende 2013 wird das wahr, was bereits im Sommer dieses Jahres angekündigt wurde: trotz riesigem Hörerprotest wurde Nightflight mit Alan Bangs aus dem Programm von dradio-Wissen genommen. Am 08.12. lief die vorletzte, am 15.12.2013 die letzte Sendung von Bangs. Die Spezialität von Alan Bangs war es, in seinen Sendungen aus einer Unzahl von Titeln eine große Komposition zu basteln und dann zu präsentieren. Am 08.12. etwa wurde Musik von 57 Tonträgern gespielt. Begeistert hat mich an der konkreten Michung der vorletzten Sendung das Ineinanderfließen, das Vermischen von Chris Watsons Sierra Tarahumara aus dem Album El Tren Fantasma aus dem Jahre 2011 mit dem großartigem Gitarrenspiel und dem Gesang von Faris, von der Platte Imeslan n Essouf das gleichnamige Stück (ebenso erschienenen 2011). 
 
 
 

 
 
 
In der letzten Sendung sprach Alan Bangs dann einmal sehr persönlich über sein Sendungskonzept und verabschiedete sich damit von seinen HörerInnen. Musikalisch kamen wunderbare Platten auf den Teller: Neil Young mit See The Sky About To Rain aus der CD Live At The Cellar Door; Jacques Brel mit Voir un ami pleurer aus Portrait: Jacques Brel, Silver Mt. Zion mit For Wanda aus dem Album He Has Left Us Alone But Shafts Of Light Still Sometimes um nur einige zu nennen. Als vorletztes Stück spielte Bangs von Zbigniew Preisner das Stück Prayer aus der CD Requiem For My Friend und als letztes Stück erklang die Grimethorpe Colliery Band mit Amazing Grace. Das wars dann! Schöne Weihnachten, trotzdem, und ein gutes neues Jahr 2014!

Dieser Beitrag wurde geschrieben am Dienstag, 24. Dezember 2013 und wurde abgelegt unter "Blog". Du kannst die Kommentare verfolgen mit RSS 2.0. Kommentare und Pings sind zur Zeit geschlossen.

3 Kommentare

  1. radiohoerer:

    Hallo Gregor
    und vielleicht ahnst du ja, wie sehr du mir mit deinen Zeilen aus dem (Radio-)Herzen sprichst.
    Ich habe gerade wieder aus meinen Archiven einige Fundstücke auf die Server geladen.
    Und dann fallen mir alle die Sendungen ein, die es nicht mehr gibt. Und ja, ich hätte wohl auch Buch schreiben sollen …
    Ich habe geflucht, getrauert und auch Briefe geschrieben, genutzt hat es nie etwas.
    So bleiben mir nur diese Schätze und die Erinnerungen.
    Mit Alan Bangs ist es eine Tragödie und wie du sicher weist, liegt er mir besonders am Herzen.
    Gerade seine letzten Nightflights sind er Wahnsinn !
    Mit Karl Lippegaus höre ich ihn am längsten im Radio und das ist eine lange Zeit.
    Viele Friendsofalan wollen das so nicht hinnehmen … und vielleicht gibt es eine Chance !
    Also danke Gregor für deine Zeilen !!!
    LG

  2. Martina:

    Danke für den Hinweis auf die Sendung von Alan Bangs, Gregor, leider kannte ich diese Sendung überhaupt nicht, aber die Playlist klingt richtig gut.

    Hier findet sich eine Playlist mit sämtlichen Ausgaben der Sendungen von Alan Bangs bei DRadioWissen vom März 2010 bis Dezember 2013:
    http://nightflights.de/DRW-Gesamtplaylist.pdf

  3. Jochen:

    Faris: „Imeslan n Essouf“


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