Manafonistas

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Archives: April 2012

2012 22 Apr

„Give all my love to London in 1982“

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„Wenn man auf die Vergangenheit zurückblickt und versucht, Erinnerungen zu rekonstruieren, scheint man eine poetische Stimme zu brauchen. Ich denke da an Nabokov oder insbesondere an Stefan Zweig. Und doch habe ich entdeckt, dass sie viel besser auf eine ironische Stimme reagiert. Wenn man es allerdings mit der Poesie übertreibt, kann es kitschig werden. Ich habe auch versucht, die erste Person Singular zu vermeiden. Denn in dem Moment, in dem man sich selbst zu einem Teil davon macht, in dem ich eine Kamera bin, schreibt man eine andere Art von Buch. Apropos, es lohnt sich immer, an die große Warnung von Christopher Isherwood zu denken: Es ist so einfach, ein Buch zu schreiben, das einfach nur eine Beschreibung des Buches ist, das man gerne schreiben würde.“ (m.b.)

 

 

Das sagte Michael Bracewell zu seinem kleinen wundervollen Buch „Souvenir“, eine Meditation, eine Reise ins vordigitale London. Ein Buch, das wie ein Pepetuum Mobile sich fort und fort bewegt, ein Continuum, aller Bruchstellen zum Trotz. Leider hat es bis heute keinen Verlag hierzulande gefunden. Michael Bracewell  und ich sind möglicherweise aneinander vorbei gegangen im Dezember  1982, in Hampstead Heath. Wahrscheinlicher, dass er auch im  Marquee Club war, in der Wardour Street, als Jah Wobble and The Invaders of the Heart spielten. Oder wir standen nebeneinander im legendären Plattenladen von Rough Trade in Notting Hill – unvergessen der Anblick des Covers einer Single von Aztec Camera. Und Geoff  Travis erzählte mir (lange vor meinem Quereinstieg ins Radio) von seiner Liebe zu den Liedern von Robert Wyatt. Marianne Faithfull habe ich leider nicht getroffen. „Souvenir“ ist eines der 12 schönsten Bücher des 21. Jahrhunderts (in meiner kleinen Lesewelt*), ich kann es gar nicht lesen, das Büchlein, seitenweise oder bis tief in die Nacht, ohne in Trance zu fallen. So gerne versinke ich darin. Wieder und wieder.

 

„Zunächst liest sich „Souvenir“ von Michael Bracewell wie eine Reihe von Postkarten aus der Vergangenheit, denn der Autor verwendet Fotos, Schallplatten und Bilder von alten Schlafzimmerwänden, um sich an sein Leben in der Hauptstadt zu erinnern, als der staubige Modernismus der späten 70er Jahre allmählich einem neuen digitalen Pop-Zeitalter weicht. Er ist ein lyrischer, rhapsodischer Autor, aber sein Stil hat sich schon immer der nackten Mechanik einer Standardbiografie oder -geschichte widersetzt. Befreit von solchen Bedenken verliert er sich hier in reichhaltigen, beschwörenden Träumereien über alles Mögliche, vom Walkman und PiLs Metal Box („eine postindustrielle Winterreise… von einem Ort mit verlassenen Schrebergärten und Oberleitungen“) bis hin zur „verzweifelten Müdigkeit“ im Haus seiner Eltern in der Vorstadt. Teils Lobrede, teils Elegie – Bracewells verschwommene, halluzinatorische Memoiren scheinen keinen anderen Zweck zu haben, als zu transportieren, und der Leser hat keine andere Wahl, als sich seiner kraftvollen, hypnotischen Prosa hinzugeben und sich selbst als Zeitreisender oder Geist vorzustellen, der in einem verschwundenen London umhertreibt, das irgendwo zwischen Nachkriegsverzweiflung und futuristischem Optimismus liegt.“ (a.m.)

 

*also keinerlei Übertreibung, es geht hier nicht um den Kanon der jüngeren Weltliteratur, sondern um den Zauber mancher Bücher, in ihnen verschwinden zu können (obwohl sie permanent,  parallelwelthaft, von einem selbst erzählen, Flüchtigkeiten und Intensitäten des eigenen Ichs rauf- und runterspiegeln, dabei ad infinitum Vertrautes in Unvertrautes, Unvertrautes in Vertrautes wandeln). Also: „Souvenir“ ist eine Tranceinduktion, ein Rauscherlebnis – achten Sie auf Set und Setting. Not everyone‘s soul food. In some ways  (of drifting. diving, celebrating, mourning, tripping. dancing) comparable to one the most spellbinding records of this year (in my reliable, not-so-reliable ears), Alabaster DePlume‘s „Gold“.

Zuerst fuhr ich mit meinem Toyoten in den Randbezirk der City, in die Hafenkneipe SUB ROSA. Mir gefiel die knarzende Stimme des Radiomoderatoren, der Nina Simone spielte, einen exzellenten Donovan-Song (Colours?) und rootsigen Reggae. Der „Colonel“ hat den Mitschnitt alter Radiosendungen von Joe Strummer (The Clash) aus dem Netz runtergeladen. Dortmund Calling! Burkinho wollte mich noch zu dem Italiener lotsen, wo die Borussen ihre erste Meisterfeier improvisierten,  in der Gartenstadt, aber die Zufahrtswege waren verstopft, ich  hätte schon gern im Regen gestanden und den Jubelperser gemacht. Das Geburtshaus von Burkinhos Mutter liegt hundert Meter von dem Edelitaliener entfernt, und ich weiß, wie warm es meinem Fusballfreund heute ums Herz werden muss. Keine Angst vor Sentimentalitäten. You‘ ll never walk alone. Im Kreuzviertel wurde wild gesungen und gehupt, im Mundo’s gab es nur Bier, keinen Caipirinha; in meinem Auto lief die neue CD von TU FAWNING, und diese archaische Rockmusik aus defekten Synthesizern, scheppernden Trommeln und dunklen Herzschlägen war für mich der ideale alternative Soundtrack zur Meisterfeier. Manchmal ist es so hinreißend, wenn es Katze und Hunde regnet.    

Ich bin kein Kenner der Historie des norwegischen Trios Motorpsycho. Und ein Teil der Nachtsendung morgen besteht darin, den Hörern zu erzählen, wieso mich dieses Post-Prog-Rock-Heavy-Ungetüm („The Death Defying Unicorn“) in seinen Bann zog, denn normalerweise ist das weder mein Gebräu noch meine Tasse Tee. Aber hier bestätigt sich mal wieder: sometimes the things that are not your cup of tea are exactly that: your cup of tea.

Neben weiteren anarchischen und wilden Werken von EST und VOLCANO THE BEAR wird es zu Anfang und Ende der morgigen Klanghorizonte sehr ruhig zugehen. Das Finale kommt aus einem Planetarium in Barcelona,zumindest hat Santiago Latorre sich dort nächtelang mutterseelenallein aufgehalten, um sich inspirieren zu lassen. Gibt es eine schönere Form des Müssiggangs als nächtelang durch Teleskope im unendlichen Weltenraum herumzustromern?! Wen dieses Thema interessiert, den weise ich gerne auf einen Roman in dem es auch um die Erforschung des Dunkels geht, DIE KOMETENJÄGER. Von Marc Deckert.

https://www.youtube.com/watch?v=R_4wcvUKRzo  (Marc Deckert liest aus seinem Roman)

Musik, die mich rundum überzeugt, und in späteren Folgen der Klanghorizonte gespielt wird: Demdike Stare, Spiritualized, Tu Fawning, Fly Trio, John Surman.

2012 21 Apr

The Netherworld of Demdike Stare

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The music itself, though, is plenty compelling all on its own. More focused than Tryptych, Elemental hones in on its mood and conveys a genuine sense of mystery that goes way beyond mere affect. Part of it, I think, has to do with the fact that you never know quite what you’re hearing. Is that a foghorn or a Moog? A chorus of reeds or a bees‘ nest? Where did those drums come from? Does it matter? The sound lingers in between the representational and the abstract, and that ambiguity– that impurity– only increases its expressive dimensions. At several points, Demdike Stare’s album sounds uncannily like Chris Watson’s recently released El Tren Fantasma, a sound portrait of a Mexican railway in its last month of operation. Blurring the lines between documentary, music, and noise, and between life and technology, Watson’s chronicle turned the real phantasmal. Demdike Stare do the opposite, conjuring a vivid fantasy world out of audio salvage and crusty circuitry. (Philip Sherbourne)

Aldo Romano, Louis Sclavis & Henri Texier – 3+3

Andrew Bird: Break It Away

Anne-James Chaton with Alva Noto and Andy Moor – Decade

Billy Hart: All Our Reasons

Burial – Distant Lights

Burnt Friedman: Bokoboko

Captain Beefheart and The Magic Band – Bat Chain Puller release 2012

Demdike Stare – Elemental Diagrams: Black Light

John Zorn – The Gnostic Preludes

Keiji Haino, Jim O’Rourke, Oren Ambarchi: Imikuzushi

Loscil – City Hospital

Machinefabriek – Colour Tones

Motorpsycho and Stale Storlokken: The Death Defying Unicorn

Oren Ambarchi – Knots

Nachdem auf diesen Seiten immer wieder von Borussia Dortmund die Rede ist, ist es an der Zeit, auch mal von Hannover 96 zu schreiben.
Zehn Jahre alt war ich, als Horst Podlasly seinen Platz im Tor von Hannover 96 bezog, das er 203 Spiele lang hüten sollte (1963 bis 1971). Damals, in den sechziger Jahren, spielten noch Hans-Josef Hellingrath, Jürgen Bandura, Klaus Bohnsack,Otto Laszig, Werner Gräber, Walter Rodekamp, Udo Nix und viele andere bei Hannover 96. Natürlich hatte ich schon bald von allen Spielern mein Foto für das Fußball-Sammelbild-Album aus dem Bergmann-Verlag Unna der Saison 1966/67.
 
Hier zwei Beispielbilder aus dieser Zeit – Horst Podlasly und Jürgen Bandura:
 
 

 
 
Die Saison 2011/12 war und ist für alle 96-Fans, auch wenn sie so manchen Frust einstecken mussten, ein einziges Fußball-Fest. Was konnten wir nicht für wunderbare und vor allem spannende Spiele ansehen. Und natürlich: es durfte auf keinen Fall eines verpasst werden und vor allem nicht das entscheidende Spiel Atletico Madrid – Hannover 96! Doch genau das Schauen dieses Spiel sollte mir große Probleme bereiten. Dies ist meine Geschichte:
 
Die Kongregation der Barmherzigen Schwestern vom heiligen Vinzenz von Paul in Untermarchtal ist eine katholische Ordensgemeinschaft in der Diözese Rottenburg – Stuttgart. Dort in Untermarchtal auf der Schwäbischen Alb betreiben die Barmherzigen Schwestern unter anderem ein Tagungshaus. Vom 28.03. bis zum 30.03.12 hatte ich dort an einer Tagung teilzunehmen. Natürlich war mein erster Gedanke „…und, was ist mit Fußball?“ Atletico Madrid – Hannover 96 , das große Europa League Spiel war für den 29.03. 21.00Uhr angesetzt, Übertragung durch Kabel 1. Es gab im Tagungshaus einen betagten Fernsehapparat, der allerdings nur Sat 1 und damit lediglich in der Lage war, das Schalke-Spiel zu übertragen. Und nun nahm ich allen Mut zusammen und fragte die Barmherzigen Schwestern, ob sie mir in einer zutiefst weltlichen Angelegenheit weiterhelfen könnten. Mit einer nie erlebten Hilfsbereitschaft wurde versucht, mir in irgendeiner Weise – und sei es nur über PC – das Schauen des Spieles zu ermöglichen. Doch leider, nach Stunden der vergeblichen Mühen, das Ende: keine Übertragungsmöglichkeit! Mir war natürlich klar: dieses Spiel musste miterlebt werden, koste es, was es wolle. In Begleitung eines Freundes klapperten wir die umliegenden Dörfer ab. In Munderkingen fanden wir schließlich das WALK IN, eine Kneipe, vor der die Vereinsfahne von Bayern München wehte. Sei´s drum! In der Dorfgaststätte dann das Wunder: In einem riesigen Hinterzimmer hatte der Wirt richtige Ränge aufgebaut, mit Beamer und Leinwand konnten die Spiele hervorragend angeschaut werden. Da wir die ersten Gäste waren, die an diesem Abend Fußball schauen wollten, bekamen wir mit Kabel 1 und der Übertragung des 96er-Spiels natürlich den Zuschlag. Und was für ein Spiel das war!

2012 15 Apr

For example Toucan Ocean

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Das Remastering für die Vinylausgabe von Jon Hassell‘s Klassiker ist grandios. „Like all great albums, one moment you are just relaxing into the textures before being rudely jolted back into a darker and much more challenging place.“  

 

 

 

 

2012 15 Apr

The Story of the Tranquil Club (Part 1)

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Johannes Delmere is telling the whole truth: The Tranquil Club left its marks in the late 80ies/early 90ies in the Ruhrgebiet, a large conglomerate of towns right in the middle of (former) West-Germany. The members of The Tranquil Club only had one quest: to play music to as few people as possible as silently as possible. It started with an idea by Brian Eno, who fancied to have a house or a club with a few circles of rooms, adding more and more quietness and silence when entering the next circle. The Tranquil Club did not have a house, but tried to put this idea on stage. The first event of The Tranquil Club took place in Bochum, in a room very well suited for the occasion. It had the shape of a cocoon, lots of soft and colourful lights and the floor was laid out with soft material. You could walk around without being heard. Events of The Tranquil Club did not last for one evening, they lasted for 5 nights. Music was created, the stage was lightened by TV-Sets that were put up on their sides or on their top, switched to near invisibility or just a mess of colours. The sound system had 6 channels with different sounds coming out of each channel, there were films and tapes. Even the main evening news from Germany’s leading TV station were an integral part of the show, slightly distorted by very low-level sounds. Words were spoken, films were accompanied, stories were told, pictures were taken, sounds came from everywhere. It was very strange, sometimes entertaining, sometimes not. The Tranquil Club even made it onto nationwide radio in Germany when it took hold of the airwaves for one whole hour.

The Tranquil Club was:

Michael Engelbrecht: concept, installation, spoken words and piano (who left before the end, due to „musical differences“)

Olaf Guenther: concept, installation, electronic devices, mix, piano, voice, fluegelhorn and didgeridoo (who went all the way)

Dr. Johannes Delmere: electric and acoustic guitars, keyboards & sequenzers, synthesizers, recording and effects (who liked the idea and joined)

Frank Westerdorff: bassoon and contrabassoon, english horn, piano, flutes and voices (who wasn’t sure at first, but got going)

and sometimes

Merle Hettersheim: cello (who had a short stay in Castrop-Rauxel)

Claudia Roellecke: drums (who came to join in Dortmund and Cologne)

2012 15 Apr

Tödlicher Schönklang

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Wenn einer sich Gedanken macht über die Banalität des Schönklangs beim Hören der neuesten Silje Nergaard Platte und sich schwört, nie wieder gefällige Gitarrenklänge in die Welt zu setzen, weil er nicht mitwirken will an diesem bis an die Schmerzgrenze Süßlichen und jene bemitleidet, die sich darin weiden und nicht wissen: sie kommen darin um – dann greift derjenige schnell mal ins rettende Bücherregal, um sich zu vergewissern, dass er nicht allein auf dieser Welt ist und Heimat für ihn heisst: Geborgenheit in der Gemeinschaft negativer Denker.

Wie zufällig zieht er dann ein Buch von Cioran aus dem Regal, jenem grossen Schriftsteller, Philosophen und Stilisten, der aus der Kunst des negativen Denkens und Schreibens heraus jene Kraft entwickelte, die Leben spendet und die so manchem Selbstmörder die Tat vereitelte. Denn erstaunlicherweise bewirkt die Freiheit, sich schonungslos negativ äussern zu dürfen, eine befreiende Öffnung, die ins Leben zurückweist. Ebenso verhält es sich ja auch mit der Langeweile.

Negativität und Langeweile sind, ähnlich wie etwa das Cholesterin oder der Stress, sowohl als negative wie auch als positive Wirkkräfte vorhanden. Allein von Übel sind ausweglose Monotonie und bildungslose Stumpfheit. Aber glaubt denn jemand, wenn ihm beim Flanieren durch die Gassen von Paris jener Cioran zufällig begegnet wäre, er hätte dann das Antlitz eines Griesgrams erblickt? Mitnichten – einen mitfühlenden, würdevollen, sanftmütigen und leidenschaftlichen Menschen hätte er gesehen, fernab aller kruden Grobschlächtigkeit.

Die Langeweile hat Eröffnungscharakter: im besten Falle ist sie wie ein Nadelör, durch das man zurückgelangt ins Hier und Jetzt, zwischen die Dinge. Was hingegen an Silje Nergaards Süßklang stört, ist diese sentimentale, einlullende Verhangenheit, die ähnlich fatale Wirkungen zeigen kann wie ein in ewigem Minnesang gefangener Romeo sie erfahren würde. Da hätte dann jemand noch nie den Himmel gesehen, weil er stets nur unter Weiberröcke blickte und unter den Balkonen sitzend Nackenschmerzen kriegte.
 

(Textbeitrag vom 15.4.2012)

Der eine Mitbewohner meines Zimmers lag mit einer gebrochenen Nase und anderen Frakturen danieder. Er hatte einen Freund beschützen wollen, auf den die Türsteher einer Disko hemmungslos eingeprügelt hatten. In der Chirurgie waren keine Zimmer mehr frei, also kam er zu uns in die Urologie. Der andere Kollege war, wie ich, streinreich, und wartete auf die Entfernung seiner Nierensteine. Ich kam als erster dran, hatte mir vorher das im Mai erscheinende Soloalbum von John Surman gegönnt. Sehr empfohlen für solche feinen Anlässe. In den Sekunden, bevor die Nacht mich umhüllte, stellte ich mir etwas vor, das ich hier für mich behalte – und den Papagayo-Strand von Lanzarote. Als ich wach wurde, trug ich einen Blasenkatheter, und ab und zu spritzte eine freundliche Schwester eine schmerzlindernde Flüssigkeit in meine Harnröhre. Es gab schon erotischere Momente in meinem Leben. Blut und Urin sammelten sich in meinem Beutel. Am Nachmittag kam der Oberarzt, der mich operiert hatte und teilte mir mit, dass er zu 99 Prozent alle Nierensteine meiner rechten Niere entfernen konnte. I was a happy man. Es war unlustigerweise der Tag, an dem mein Ballspielverein Borussia gegen Bayern München spielte. Wie gerne wäre ich wenigstens im Strobels gewesen! Aus dem sechsten Stock des Klinikum Nord sah ich in der Ferne die Pylone des Westfalenstadions. Am liebsten hätte ich mir einen Fesselballon gemietet. Diesen „Hitchcock“ am Radio zu verfolgen, war mir zu stressig. Ich vertrieb mir die Zeit mit den herrlich altmodischen Einflüsterungen von M. Wards „A Wasteland Companion“ (oh, my love!). Ein „blauer Engel“ hatte mich dermassen sediert, dass ich darüber einschlief, und erst kurz vor Spielschluss erwachte: fiebrig begab ich mich auf Ergebnissuche , und mein Jubelschrei riss meine Kumpels kurz aus dem Dämmerschlaf. Mein bester Freund dort war ein Krankenpfleger, ein Heavy Metal-Fan, aber offen für meine „komische Musik“. Der Tag darauf: ein Rettungshubschrauber landete in aller Frühe auf dem Landeplatz vor dem Klinikum. Ein Mann erzählte mir von seinem Stein, der so gross war wie ein Straussenei, und in viele Einzelsteine zertrümmert wurde, die immer noch zu gross waren, um sie über die Harnröhre raus zu fischen. Seine Schmerzgeschichte war  ein Drama, er tat mir unendlich leid. Kumpel Rolf brachte mir den „Kicker“ vom Kiosk mit. Am Schluss zog ich mein „LOST“-T-Shirt an. „Ich bin der letzte Überlebende der Dharma-Initiative.“ Während ich dies schreibe, laufen alte Songs von Sam Cooke im Hintergrund. Dortmund hat das Derby auf Schalke gewonnen. Ich bin im siebten Fussballhimmel. Das Kind im Mann lebt noch.


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