Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

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Archiv: Februar 2012

… (einem viel zu süßen Pfannkuchen gewidmet, den ich in Berlin gegessen habe, im Mai 2006, und einem Schlüssel, der sieben Stockwerke tief in einen Haushof fiel) …
 

Als ich die neue Arbeit von Andrew Bird erstmals hörte, stutzte ich bei einem wunderbaren Song, denn ich hatte das Gefühl, der „spirit“ des 2006 tragisch früh gestorbenen Grant McLennan (von den geliebten Go-Betweens) sei da auf seltsame Weise anwesend. Später las ich eine Besprechung, in der ein Kollege (s.u.) eine ähnliche Beobachtung machte. Gerne würde ich den pfeifenden Violinisten fragen, ob Grant ihn direkt inspiriert habe, oder, rückblickend, vielleicht unbewusst, oder, das wäre auch interessant, überhaupt nicht, weil die Musik der Go-Betweens womöglich Andrew Bird gänzlich unbekannt ist. Vielleicht aber kommt durch diese kleine Erwähnung am Rande, die wahrscheinlich bloß auf einem seltsamen Zufall basiert, ein Leser dieser Zeilen, auf die Idee, sich diesen Song runterzuladen, weil dieser Leser einfach ein Go-Betweens-Fan ist, und er oder sie einfach zu gerne einen Song hören möchte, in dem der erwähnte „spirit“ tatsächlich spürbar ist. Es kann natürlich geschehen, dass dieser potentielle Downloader die Beobachtungen der zwei Musikkritiker ins Reich der Fabeln und Privatassoziationen verbannt, aber eine CD entdeckt, die er oder sie richtig gut findet. Und Andrew Bird ist richtig gut!

 
… ‘Lazy Projector’ and ‘Sifters’ are the most moving inclusions here; the former a sweet damning of memory – “That forgetting, embellishing, lying machine”  – which plays cousin to the upper echelons of the works of Grant McLennan, the latter carrying a set of lyrics so tear-inducingly open, well-observed and worldly that it’s best not to regale you with them here. You can hear them when you buy the record.

2012 28 Feb

Emily, allein

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Dienstags kam er immer, der lange, graue, fast fensterlose Bücherbus. An diesem Tag war von 14:00 bis 16:00 Uhr auf einer gekennzeichneten Stelle eines Parkplatzes in Hannover-Kirchrode absolutes Halteverbot, nur dieser, mit lesbaren Schätzen beladene Bus durfte hier stehen. Der Busfahrer, zugleich Bibliothekar, öffnete vorne die Tür und herein durften wir Kinder, in der Hand die braune Ausleihkarte, in der Autoren, Büchertitel und Leihfrist eingetragen wurden. Der Datumsstempel, der das Ende der Leihfrist angab, wurde stets auch auf die letzte Seite eines Buches gesetzt. Was für ein festliches Gefühl, wenn man ein stempelloses Buch erwischt hatte, eines, das noch nie jemand gelesen hatte … All das ging mir durch den Kopf als ich das neue Buch Emily, allein von Stewart O´Nan aufschlug. O´Nan widmet dieses Buch seiner Mutter, das wäre nun wirklich nicht ungewöhnlich, wenn da nicht ein Zusatz stünde Für meine Mutter, die mich immer zum Bücherbus mitnahm. Glücklich die Kinder, die von ihren Eltern auch heute noch mit zum Bücherbus genommen werden.

 
 
 

 
 
 

Und natürlich ist auch Emily, allein ein echter Stewart O´Nan. Der 1961 in Pittsburgh/ Pennsylvania geborene Schriftsteller ist nicht nur ein Meistererzähler, ein Meister auch darin, Menschen, die gemeinhin niemand sonderlich beachtet, ein Denkmal zu setzen. Dieser zutiefst menschliche Autor wendet sich immer wieder – im Grunde auch schon in seinem Erstlingswerk Engel im Schnee von 1993 – Menschen zu, die sich durch nichts besonders auszeichnen, die aber um ihr Leben und das ihrer Mitmenschen kämpfen. Jetzt ist es also Emily. Stewart O´Nan-leser werden sich erinnern: die Personen dieses Buches kennen wir aus dem großen Familienroman Abschied von Chautauqua (2005)

 
 
 

 
 
 

Hier in Chautauqua hatte die Familie ein Sommerhaus, damals wollte sich die ganze Familie nach dem Tode von Vater Maxwell noch einmal dort treffen, bevor das Haus verkauft werden würde. Und nun, sieben Jahre nach Abschied von Chautauqua, erzählt O´Nan weiter, im Mittelpunkt seines neuen Roman steht Emily, die Witwe, die allein in einem Haus voller Erinnerungen lebt, die sich zu trennen versucht von Dingen, die ihre Bedeutung längst verloren haben. Sie lebt auf Weihnachten, auf Ostern und Thanksgiving hin, weil dann ihre Kinder – Kenneth und Margaret, wir kennen sie bereits aus Abschied von Chautauqua – kommen, ihre Enkel, die sie verwöhnen möchte. Viel mehr gibt es nicht mehr in ihrem Leben. Und manchmal holt Emily sich die Vergangenheit mit Hilfe von Fotos zurück und bleibt doch nicht dort stehen:

„Während sie die klebrigen, mit Plastikfolie umhüllten Seiten umblätterte und sich mit krauser Dauerwelle oder in grell bedruckter Bluse sah, fand sie es immer wieder beeindruckend, wie lang das Leben dauerte und wie viel Zeit verstrichen war, und wünschte, sie könnte die Zeit zurückdrehen und sich bei allen, die ihr nahe standen, entschuldigen, ihnen sagen, dass ihr inzwischen vieles klar geworden sei. Das war unmöglich, und doch ließ das Bedürfnis, zurückzukehren und ein anderer Mensch zu sein, niemals nach, sondern wurde immer stärker.“ (S.103)

Und so begleitet der Leser Emily während eines Jahres und wird sich vielleicht fragen, wie seine letzten Jahre aussehen, wird es genügend Dinge geben, für die zu leben es lohnt?

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The Speech Project

„Somewhere between oral history and playful celebration comes this unusual creation from London-Irish musician Gerry Diver, previously of Sin é and the Popes. Taking a selection of old and new interviews with Irish musicians, Diver gives each reminiscence a musical accompaniment, creating a soundscape that shape-shifts between wistful chamber folk and jaunty tin whistle and bodhrán. Christy Moore, Shane MacGowan and Margaret Barry are among the narrators. With the often spectral atmosphere livened up by tape loops, the album becomes a poignant story of the modern Irish diaspora, from County Clare to New York and London.“

Das schreibt Neil Spencer im „Observer“ zu der spannenden neuen CD „Speech Project“ von Gerry Diver. „Speech Songs“ scheinen in Mode zu kommen seit Brian Enos „Drums Between The Bells“; auch das vorzügliche neue Album der Tindersticks beginnt mit einem neun-minütigen (!) Sprechstück. Vier Jahre lang hat der Komponist und Multiinstrumentalist Gerry Diver an diesem Album gearbeitet, das die Erzählungen und Erinnerungen alter und neuer Folksänger vornehmlich irischer Herkunft mit tape loops, vielen originären Klangideen und Spuren uralter Gesänge aufbereitet. Gerry Diver wird in einer meiner nächsten Klanghorizonte-Sendungen einige Stücke dieses Werkes vorstellen. Ich hoffe, dass diese Musik, viele Hörer unter manafonistas-Lesern findet, denn wenngleich das Album experimentell ist, berührt es unmittelbar, besitzt durchweg eine archaische Qualität,  und hat keine theoretischen Exkurse nötig. Ich habe mein Exemplar über „amazon.co.uk“ bezogen.

2012 18 Feb

Einmal

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Einmal, da fuhren wir durch einen unendlich grauen Regen in den Abend hinein, ein kleines Kaff nahe Domburg, ein einladendes Restaurant, das bei diesen Witterungsverhältnissen etwas Märchenhaftes hatte; ich kann mich noch genau an die Maserung der Wände erinnern, an das warme Licht in einem weitläufigen Raum; wir lebten, auch wenn wir auf Reisen waren, in einer Zwischenwelt, es gab keine Ankunft, kein wirkliches Ankommen, immer nur ungewisse Räume, die wir mit unserem Vorrat an Liebe einrichteten. Mich interessieren nun keine konturlosen Räume mehr, das imaginäre Irgendwann kann mir gestohlen bleiben, das Meer ist sowieso leicht ausfindig zu machen (es gibt eins in jeder Himmelsrichtung).

Neulich stieß ich in meinem Plattenschrank auf meine kleine Sammlung von CDs der Gruppe Midnight Choir aus Norwegen. Diese Gruppe existierte von 1992 bis 2005 und brachte einige wirklich feine Platten heraus. Waiting for the Bricks to Fall heißt eine CD der Gruppe Midnight Choir, die 2003 erschien, auf ihr findet sich das Stück „Motherless Child“ in einer ganz ungewöhnlichen Version. Producer dieser CD war übrigens Chris Eckman.
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Dieses verzweifelt in die Einsamkeit, in die Leere und Hoffnungslosigkeit hinaus gesungene Lied hatte es mir angetan und ich begann, meinen Plattenschrank zu durchwühlen, nach anderen Versionen dieses Songs zu schauen, nach dem Ursprung dieser Musik zu suchen. Bei wikipedia.org fand ich folgende Zeilen:

„Sometimes I Feel Like a Motherless Child“ (or simply „Motherless Child“) is a traditional Negro spiritual. The song dates back to the era of slavery in the United States when it was common practice to sell children of slaves away from their parents. An early performance of the song dates back to the 1870s by the Fisk Jubilee Singers. Like many traditional songs, it has many variations and has been recorded widely (see partial lists of choral arrangements and covers below). The song is clearly an expression of pain and despair as it conveys the hopelessness of a child who has been torn from his or her parents. Under one interpretation, the repetitive singing of the word „sometimes“ offers a measure of hope, as it suggests that at least „sometimes“ I do not feel like a motherless child.

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Although the plaintive words can be interpreted literally, they were much more likely metaphoric. The “Motherless Child” could be a slave separated from and yearning for his African homeland, a slave suffering “a long ways from home”—home being heaven—or most likely both.
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Der 1925 in Cleveland geborene Sänger „mit der Sopranstimme“ James Victor „Jimmy“ Scott trägt das Lied geradezu himmlisch auf seiner Platte Source von 1970/2001 vor. Ganz nebenbei, Jimmy Scott nimmt fast ein kleines Regal in meinem Plattenschrank ein. Ich erinnere an die famosen Alben But Beautiful und Holding Back The Years. Auf letzterer CD befinden sich wirklich zu Herzen gehende Versionen von „Jealous Guy“ und „Nothing Compares 2 U“.
Aber zurück zum Thema  „Sometimes I Feel Like a Motherless Child“.
Vielfach versteckt sich eine weitere kostbare Version dieses Stückes in einem anders lautendem Lied, erwähnenswert wäre hier Richie Havens, der auf dem Woodstock-Festival „Freedom“ sang und hier eben auch sein „Motherless Child“ hinausbrüllt.
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Oder, und jetzt muss ich wieder an eine enorm herausragende Platte erinnern, Erewhon vom David Thomas and The Two Pale Boys, auf dem Hammerstück „Morbid Sky“, dort findet sich, man sollte es nicht glauben, „Sometimes I Feel Like a Motherless Child“.

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Zu Beginn dieses Jahres stellte ich hier die am 24.02.12 erscheinende CD Come Sunday von Charlie Haden und Hank Jones vor. In dem Zusammenhang erwähnte ich die erste Platte dieses Duos. Auf Steal Away, der 1995 eingespielten Platte,  kann man auch eine Version von „Sometimes I Feel Like a Motherless Child“ hören, mir gefällt sie ungeheuer gut.
Verschiedenste Versionen unseres Songs wurden  übrigens auf YouTube eingestellt, eine Entdeckungsreise lohnt, zwei Beispiele: Odetta singt „Sometimes I Feel Like a Motherless Child“ in einer ergreifende Acappella-Version. Ebenso interessant die Interpretation einer unbekannten Sängerin: „Sometimes I feel Like a Motherless Child“.

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“We were going to make the record Marky (Mark Nevers, the producer; Anm. v. M.E.) and I wanted to make, the way we saw fit, taking it long as it took. I was, in essence, `going for broke´, because I was broken and saw this as a last chance to get myself right. This time it was personal.” (Kurt Wagner)

”Wine tastes like sunshine in the basement”. Was haben wir hier: eine psychedelische Sinatra-Variante? Neues aus dem Underground von Nashville? Wie immer man das locker-flockig umschreiben möchte: “Mr. M” brilliert (neben vielen anderen Dingen) auch mit dem aussergewöhnlichen Einsatz von Streichinstrumenten. Das ist kein Nachklapp zum Soul des Albums “Nixon”, keine Wiederholung der Rezepturen von “Is A Woman”: Violinen und Violas führen ein seltsames Eigenleben, das die schattigen Songwelten von Kurt Wagner in ganz spezielle Lichtverhältnisse taucht. Und was ich an den besten Lambchop-Platten bewundere, findet sich auch hier: doppelte Böden, Verstecke und vertrackt-fesselnde Lyrik – garantiert haltbar bis Ende 2099. Das Werk erscheint Ende Februar 2012.

(First Listen)

I don’t remember how we got this far
All I know is I’m loving you
for all the right reasons
In my sky you’ll always be
my morning star (Jayhawks, Rainy Day Music)

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Er wusste schon seit Tagen, nicht erst, seit ihn unheimliche Schmerzen ins Krankenhaus transportiert hatten und in Kürze die zweite Vollnarkose mit ihrem traumlosen Schlaf lockte, um en passant zwei Nierensteine aus der Harnleiter zu lotsen, dass er von einer Zukunft mit Mörderwanderungen, Gebäude 9-Trips und arabischen Zelten in Bergisch-Gladbach träumte, dass er endlich klar war, und alles Zögern und die Dramen der halben Wege ein Ende hatten, dass er sein Gedicht Cappucino Love erstmals singen würde vor dem kleinsten wuschelköpfigem Publikum der Welt, und natürlich müsste er zuvor die alten Requisiten der Troubadoure bereit stellen (Pfeile, die durch die Zeit fliegen, ungeduldiges Papier, Pferde, die ruhig im Stall bleiben können), und vielmehr noch müsste er auf eine große Portion Glück hoffen (Erinnerungen an den Hyde Park und Domburger Nächte allein reichten da nicht aus) – und wie ungewiss der Ausgang auch sein würde, eine neu entdeckte Musik gab ihm die Kraft, nach der Entlassung aus der Urologie, unter winterlichem Himmel, diesem tiefsten Herzenwunsch zu folgen Blues Funeral, das jüngste Werk der Mark Lanegan Band, das er hier, mit klarem Kopf, und auch mal unter dem Einfluss schmerzlindernder Opium-Derivate, unter der Bettdecke zum Soundtrack der kommenden Wochen erkor.

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2012 9 Feb

A Message from David Sylvian

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„It is with great sadness that we announce that David Sylvian will be unable to undertake the scheduled tour in March and April 2012. David has sustained a lower back injury that is causing him significant pain and affecting his mobility to such a degree that, at this time, he will be unable to perform …“ (davidsylvian.com)

 


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Ich liebe Musik, die in Feldaufnahmen eingebettet, eine ganz eigene Atmosphäre ausstrahlt – Thema auch in „Gregor öffnet seinen Plattenschrank (11)“. Und jetzt gerade erst recht. Der Frost hat die Landschaft erstarren lassen, eine dünne Schneeschicht bedeckt die Felder; die Krähen mühen sich ab, etwas Eßbares zu finden … Krähen im Winter, einsam schreiend, genau das stelle ich mir vor, wenn ich Max Richter aus dem Plattenschrank hole, seinem Album The Blue Notebooks lausche und da dann den Titel „Shadow Journal“ auflege. Am Ende des Stücke kommen sie dann, die Krähen und krächzen in die Einsamkeit hinaus.

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Der 1966 in Hameln geborene Richter, dessen Musik ich in atemberaubender atmosphärischer Dichte erlebe, mischt gerne Feldaufnahmen seinen Kompositionen zu, auch wird die Grenze zum Hörspiel, bzw. Hörstück bei ihm fließend. Im oben genannten Album The Blue Notebooks etwa liest Tilda Swinton Tagebuchaufzeichnungen von Franz Kafka, auf der CD Songs From Before trägt Robert Wyatt Texte von Haruki Murakami vor. | Auf YouTube findet sich ein Interview mit dem Meister, „Gefühlsverstärker-Interview with Max Richter“, aber auch jede Menge Musik. Aufgenommene Geräusche, Klänge, die ihre ganz eigenen Geschichten erzählen, habe ich bei Luc Ferrari zum ersten Mal auf Presque rien No. 1 „Le Lever du jour au bord de la mer“ von 1967/70 kennengelernt. Hier hört man nun wirklich Vogelgezwitscher und nicht, wie etwa bei Olivier Messiaen, deren instrumentale Umsetzung.

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Die 2001 erschienene Platte Sings Reign Rebuilder der Gruppe Set Fire to Flames ist für mich ein ganz besonders gutes Beispiel für das Zusammenspiel von Feldaufnahmen und Musik. Da findet eine 13 Mitglieder zählende Band aus Kanada ein abbruchreifes Haus und bevor der Bulldozer sein zerstörerisches Werk beginnt, erweckt Set Fire to Flames das Haus zum Leben. Die Dielen, die Holztreppen dürfen noch einmal nach Herzenslust knarren und quietschen, die Wände, die Decke, sie erzählen ihre Geschichten, aber das Geschehen draußen, die Geräusche vor dem Haus wurden mit eingefangen, ein vorbeifahrender Krankenwagen mit eingeschalteter Sirene zum Beispiel. Und hier wird Musik gemacht …

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2012 5 Feb

Michel Portal – Bailador

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Vielleicht seit Anne Rottenberger damals bei Radio Bremen Jazz moderierte, in den Siebziger Jahren, verbinde ich mit dem Namen Michel Portal und dessen Musik etwas, das mich sehr anspricht. Doch ging ich dem nie nach, hatte von Portal auch nie ´ne Platte. Dann kam Bailador, im letzten Jahr – und das gesellt sich jetzt neben Werke von Sidsel Endresen, David Sylvian and a bunny bunch of other things zum Jahresbesten aus Zweitausendelf.

Die Musik ist spritzig und belebend, entspricht dem Element Feuer. Eine Recherche ergab, dass es Portal in erster Linie darum gehe, einfach nur Spass zu haben beim Musizieren – und das hört man. Ethno-Elemente und die Folklore aller Welt verweben sich mit der Tradition des Jazz in einer extrovertierten Spielfreude, fernab jedes verkrampften Bemühens um Originalität: vielmehr freiweg und unbeschwert wird aufgespielt.

Jack de Johnette ist mit von der Partie. Der hatte ja schon immer ein Faible für magisch angehauchte Rhythmen – so zu hören etwa auf Dancing With The Nature Spirits (ecm). Diese Naturgeister bringt er auch auf Bailador zum Tanzen. Der vielbeschäftigte Scott Colley spielt den Bass. Sein Sound ist ähnlich satt und erdig wie der des Charlie Haden, aber knackiger – not to saymore funky. (5.Feb. 2012)

Dazu gesellen sich Ambrose Akinmusire an der Trompete, der Gitarrist Lionel Loueke, Bojan Z an Piano und Keyboards – und Meister Portal an Saxophonen und Bassklarinette. Alle spielen dabei unaufgeregt, aber mit Verve. Das letzte Stück heißt „Tutti No Hysterique“ – frei übersetzt: alles, bloss nicht hysterisch werden. Und so knistert es denn auch wie ein akustisches Kaminfeuer – that keeps you safe, warmhearted and … dancing. (JS, vom 5.12.2012)

 

Michel Portal Bailador Sextet en direct les festival „Jazz sous les Pommiers“ (2011)


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