Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

Alles hat seine Zeit, und das Leben steckt voller Rituale. Stets geht es  um zwei Prozesse, „saming“ und „changing“. Oft sind Wiederholungen reich an Verwandlungen, feinen Differenzierungen – statt endlos Oberflächen abzugrasen, führen manche Muster dazu, tiefer und tiefer in Materien einzudringen. Noch öfter aber tragen Wiederholungen den Makel der Sterilität: man hält an Vertrautem fest, und grenzt sich von allem Unvertrauten ab. Da tut dann Veränderung Not, nur merkt man das oft gar nicht und folgt den Schwungrädern alter Gewohnheiten. Nach zehn Jahren „Punktfestival“ hat das Konservative das Element der Überraschung leicht (aber sowas von hallo)  in den Hintergrund gedrängt. Dass das Kombinieren vertrauter Namen zu verblüffenden Resultaten führen kann, das bewies „Punkt“ lange Zeit mit seinen Live-Remixen und der kreativen Hochform der üblichen Verdächtigen, von Jan Bang bis Erik Honore, von Sidsel Endresen bis Eivind Aarset, von Arve Henriksen bis Supersilent, von den Gastkuratoren Brian Eno und David Sylvian ganz zu schweigen. Natürlich ändert sich das Programm immer noch von Jahr zu Jahr, aber es bleibt ein „Geschmäckle“. Zu sehr wird die Selbstsinszenierung betrieben, und die eigene Geschichte gefeiert: symptomatisch, dass in diesem Jahr Sylvians Live-Präsentation seines Ambient-Werkes „Plight and Premonition“ auf der Leinwand zu begucken ist, und dass das Duo „Henriksen-Fennesz“, das tatsächlich so vorhersehbar ist wie ein Till Brönner-Konzert im Konzerthaus Ihres Misstrauens, ein Jahr später noch einmal auftritt, diesmal ohne Laurie Anderson, die mit dieser Formation ein gänzlich enttäuschendes Event ablieferte. So wird schleichend, aber stetig,  ein neuer nordischer Festival-Mainstream kreiert, der manchmal fasziniert, manchmal ernüchtert. Was ich in diesem Jahr wirklich gerne erlebt hätte, wäre der Auftritt von Hilde Marie Holsen, deren Debut jüngst auf Hubro Records erschienen ist, auch die wunderbaren Waffeln beim Frühstück im Hotel Norge werden mir schmerzlich fehlen, und mit Christoph Giese kann ich flachsen, bis wir vor Lachen auf dem Boden liegen (das kann ich sonst nur mit Gregor). Ausserdem kann ich mich mit Eivind Aarset wunderbar über neue Serien austauschen („oh my god, Eivind, did you ever see the seven seasons of fucking brilliant „Sons of Anarchy?“). Aber Eivind treffe ich demnächst in Dortmund, und morgen fliege ich für vier Tage nach Sizilien. Ohne smarte Mobilgeräte. Ohne Fotoserien. Grosse Stille, weites Meer, Musik eines armenischen Chors, und ein Hotel, das ein umgebautes Gefängnis ist. Dekadent, woll? Man wohnt und schläft in luxuriösen Zellen, man liest den neuen Thriller von Jenny Rogneby, springt ins Meer, und aus Gründen, die hier zu weit führen würden, werde ich mitunter wie ein Honigkuchenpferd grinsen. Und ich muss mir, im hohen Norden, keinesfalls diesen Langweiler Nguyen Le antun. Ich bin dann mal weg. P.S.: „No slots anymore for small talk with Jan Bang!“

Wenn sie nur den geringsten Schimmer hätte, was sie in der Hütte erwartet? Claire Fuller hat ein faszinierendes Debut veröffentlicht, Our Endless Numbered Days. Wieso hat ihr Vater Peggy, gerade mal acht Jahre jung, tief in europäische Wälder geführt? Entführt? Um sie herum ein Klavier, das keinen Laut von sich gibt, die schockierte Mutter im fernen England. Neun Jahre später taucht sie wieder auf. Raffiniert entwickelter Plot, feine Sprache. Tiefe Wälder sind auch dort nah, wo der armenische Pianist Tigran Hamasyan sein Album für Piano und Chor aufgenommen hat. Basierend auf „heiliger Musik“ zwischen Urzeit und nicht wirklich moderner Moderne, entsteht pure Magie, selbst wenn einem alles Orthodoxe fremd ist. Existenzialismus nach armenischer Art. Tiefe Ergriffenheit, kein Hauch von schwelgerischen Klagen, Spuren von Jazz so naheliegend wie ungewohnt. All das 100 Jahre nach dem Genozid. Vom Produzent Manfred Eicher stammt auch Musica Selecta – A Sequence, ein neuer Blickwinkel auf alte Klangstoffe von Arvo Pärt. Erscheint Am 11. September, das Werk des Armeniers eine Woche früher. Und das Philosophiebuch des Monats, ein gewiss seltsames, Things That Are, von Amy Leach. „From the tiniest Earth dwellers to far-flung celestial bodies – considering everything from the similarity of gods to donkeys, to exploding stars and exploding sea cucumbers, the author rekindles our communion with the world.“ Fängt nicht alles mit dem Staunen an? Hier, bei diesen vier Empfehlungen, ist das Staunen Programm.

1 Three Blind Mice (Featuring Karen Mantler And Yo La Tengo)
2 Polly Put The Kettle On (Featuring Isobel Campbell And Amy Allison)
3 Humpty Dumpty (Featuring Amber Papini And Yo La Tengo)
4 Shoo Fly (Featuring Amy Allison And Yo La Tengo)
5 Oranges And Lemons (Featuring Syd Straw With The Karen Mantler Trio)
6 Hickory Dickory Dock (Featuring Norman Blake And Aby Vulliamy)
7 Hot Cross Buns (Featuring Michael Cerveris)
8 Ding Dong Bell (Featuring Bridget St John)
9 Lavender’s Blue (Featuring Norman Blake, Georgia Hubley And Yo La Tengo)
10 Bobby Shaftoe (Featuring Aby Vulliamy)
11 Rock A Bye Baby (Featuring Isobel Campbell)
12 Twinkle Twinkle Little Star (Featuring Satomi Matsuzaki)
13 Ring Around The Rosie (Featuring Karen Mantler And Yo La Tengo)
14 Hey Diddle Diddle (Featuring Annette Peacock)
15 Ride A Cock Horse (Featuring Norman Blake And Yo La Tengo)

 

  1. Weather Report: Mysterious Traveller (and two other ones)
  2. Miles Davis: On The Corner (and six, seven, eight other ones)
  3. Herbie Hancock: Sextant (and two, three other ones)
  4. Soft Machine : Third
  5. Terje Rypdal: Odyssey (and two other ones)
  6. Sun Ra: Lanquidity
  7. Frank Zappa: The Grand Wazoo
  8. Chick Corea: Return To Forever
  9. Julian Priester: Love, Love
  10. Steve Tibbetts: Full Moon Dogs
  11. Mahavishnu Orchestra: Birds Of Fire
  12. Volker Kriegel: Inside Missing Link

 

 
 

 
 

2015 31 Aug

roaring silence

von | Kategorie: Blog | Tags:  | 1 Kommentar

In einer Landschaft wie dieser wird man einfach still. Nach 20 Kilometern zu Fuß durch schwarzen Lavasand, über das graugelbe Schwemmland der Jökulsá á Fjöllum lassen wir uns am Rand eines Lavafelds zur Rast nieder.

Es ist windstill, die Sonne scheint und es ist unüblich warm in dieser Hochebene, wo es keinen Grashalm gibt. Nichts Grünes ist zu entdecken im grauen, gelben Schwarz. Kein Vogelzwitschern. Der nächste Verkehrsgeruch ist weit weg.

Wir sitzen und liegen schon eine halbe Stunde – wortlos. Immer lauter wird die Stille. „Ich höre einen leisen Ton“, sage ich zu Dorothea, und sie antwortet: „Ich auch“.

Wir vereinbaren ein Zeichen …

… und singen zugleich den absolut gleichen Ton. Zufall?

Es war kein Ton, der von außen kam.
 
 
 

 

2015 31 Aug

From a bowneyed girl

von | Kategorie: Blog | 6 Kommentare

 

 
 
 

a birthday icecream
 

2015 30 Aug

From the diary

von | Kategorie: Blog | 1 Kommentar

„Walked out alone into the fields, sat on the stoop of an old caravan & got quiet. Birdsong, rabbit hop, pigeon swoop. The world is crazy busy underneath a sky of languid clouds that have no time for frenzy. I’m somewhere in the middle, feeling the pull of ‘many-things’ calling me to jump in & jiggle. At the same time what I need is clarity & that only comes when I pull back, sit quite & listen.“ (Karl Hyde)

 

Dave Rawlings Machine: Nashville Obsolete (18. Sepzember) // Tigran Hamasyan & Yerevan State Chamber Choir: Luys I Luso (4.September) // Arvo Pärt: Musica Selecta – A Sequence By Manfred Eicher (11. September) // Robert Forster: Songs To Play (18. September) // Mercury Rev: The Light In You (ups, 2. Oktober) //  Low: Ones and Sixes (11. September)  // King Midas Sound & Fennesz: Edition 1 (Ninja Tune, 18. September) // Richard Hawley: Hollow Meadows (11. September)  // Max Richter: from SLEEP (4. September)

 


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