Manafonistas

on life, music etc beyond mainstream

2017 26 Sep

Count Five

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Ein Bild aus Wim Wenders Film „Alice in den Städten“ aus dem Jahr 1973. Im Vordergrund Rüdiger Vogler, wie immer in Wendersfilmen als Philipp Winter unterwegs, hier als Reporter. Er hantiert mit dem Prototyp einer Polaroidkamera, einer SX70, die damals noch niemand gesehen hatte und überall große Aufmerksamkeit einbrachte. Der Autohändler hatte 300 Dollar für die Kamera geboten und es ernst gemeint. Aber, so Winter, es ist nie das drauf, was man gesehen hat. Rechts im Bild, etwas im Hintergrund, ein Cameoauftritt von Wim Wenders, mit Hitchcockgeste. Wenders steht vor einer Jukebox, er hat „Count Five“ von Psychotic Reaction gedrückt, sein damaliges Lieblingslied.

2017 25 Sep

The Walter of Life

von | Kategorie: Blog | 2 Kommentare

To the music of Walter Becker (Feb 20 1950 – Sept 03 2017)
 
 

Have you ever beeing bored by a fusion guitarist who was able to hit the ten-second mark in a relay race with John McLaughlin and thereby running empty as a dried up rain butt in the Mohave desert? Then take a look to the west coast – to California, home of Steely Dan! It will bring back to you the refreshing Walter of Life. Guitarist Becker was somehow a slowhanded counterpoint to the fastness of McLaughlin and part of the duo Donald Fagen & Walter Becker and their joyful mix of jazz, folk, blues and fusion elements combined with witty lyrics and songwriting. The result of this hybrid, multicoloured culture product was always something bigger than the sum of its parts and sustainably lasting like the flashbacks of a joint.

„Way back when, in Sixty-seven …“ – it was in 1980, previously doped and musically beeing hooked by dealers like Joe Zawinul, Joni Mitchell, Lowell George, Robert Palmer, John Martyn and Jean Luc Ponty. One expected, after the great pleasure of The Royal Scam, new stuff from the californian west coast and that came along quite under-cooled. The cover however is like a Picasso painted statue of the ever-dancing couple – elegantly and with that same subtle irony as the clever lyrics of the Zeitgeist-architects from the westcoast. Texts were not fully understood at that time anyway, despite language courses in Cornwall.

The dandy mistaken for „Gaamakiii“ was not that bon vivant woken up by an early-morning cock-scream. As the gamma chi he was rather high up – and just by listening one never would have been able to enscript what nowadays you can easily read by having insight to the written lyrics. The story of the album’s perhaps best and still listenable song is quickly told: the protagonist travelled from Boston to Scarsdale, two and a half hours on a public bus to meet a nineteen-year-old girl. He is irritated cause the teeny doesn’t know Retha Franklin and he feels his age. But the Mexican tequila and the Colombian grass make the night a wonderful thing – as well as the salsa spiced ending of this song: sweet and delightful in the aftertaste.

 
 
„Hallo Neunzehn“ (Hey Nineteen) – remixed and translated.

2017 25 Sep

The luck

von | Kategorie: Blog | 7 Kommentare

 

H

k

to listen to the Allman Brothers‘ „Mountain Jam“ 

full volume, I mean, really full volume,

sitting, on that 5:1-mix, in the auditorium,

Fillmore East, 1971,

Duane, Greg, the heavenly rhythm corporation,

the fuckin‘ organ,

and melt away

 

 

 
 
 
The new album, Last Leaf by the Danish String Quartet (ECM New series,) is the kind of music that beckons one to listen in wonder, like a child. At its heart, it’s an album of deeply felt folk music, albeit dressed in superb, sophisticated arrangements and executed with consummate classical precision. Put it on and at once, you’re in familiar territory. Yet, what was that strange chord there, and why did that song start out one way and take me here …?

Besides the odd moment of untraditional dissonance, there are times when the album invokes classical minimalism, inviting one to think of Terry Riley’s string quartets – in more reflective moments I hear snippets of Arvo Part at his most spare. I even hear moments that remind me of Lou Harrison. But then, suddenly the group is off at a bright pace on what almost sounds like a traditional jig from the British isles. I have found Scandinavian folk music to be like that sometimes, not so very far from the British Isles after all, and I like it.

This is a gorgeous album that is almost impossible not to like. It is by turns, dramatic, mournful, playful and ecstatic. But it is always beautiful, sounding like it rose from a natural spring fully formed and perfectly in tune, so light and dynamic it feels as if it is being played by angels.

 

 

And what says the madman? What madmen say!

2017 24 Sep

Addiction. What addiction?

von | Kategorie: Blog | 8 Kommentare

 
 

 
 

Hälfte des Lebens

 

Mit gelben Birnen hänget

Und voll mit wilden Rosen

Das Land in den See,

Ihr holden Schwäne,

Und trunken von Küssen

Tunkt ihr das Haupt

Ins heilignüchterne Wasser.

Weh mir, wo nehme ich, wenn

Es Winter ist, Blumen, und wo

Den Sonnenschein,

Und Schatten der Erde?

Die Mauern stehn

Sprachlos und kalt, im Winde

Klirren die Fahnen.

 

(Friedrich Hölderlin)

 
 

Many Rivers to Cross

 

Many rivers to cross

But I can’t  seem to find my way over

Wandering I am lost as I travel along

The white cliffs of Dover

Many rivers to cross and it s only my will

That keeps me alive

I ve been licked, washed up for years and

I merely survive because of my pride.

 

(Jimmy Cliff)

 
 

Hilde Domin: Nicht müde werden sondern dem Wunder leise wie einem Vogel die Hand hinhalten. 

 

Nun also „Biutiful“. Ich bin nicht chronologlisch vorgegangen bei der Beschäftigung mit dem Werk von Alejandro González Iñárritu. Es ist sein vierter Film und der dritte von ihm, den ich gesehen habe, nach „21 Gramm“ und „Babel“. „Biutiful“ ist insofern anders strukturiert, als der Film hauptsächlich an einem Ort spielt, nämlich in Barcelona, und im Zentrum nur eine Hauptfigur steht. Es ist Javier Bardem, der in „21 Gramm“ einen Familienvater spielt, der nach einem langen Gefängnisaufenthalt im religiösen Glauben Halt sucht. In „Biutiful“ spielt er Uxbal, der, wie man vielleicht dezent sagen könnte, Geschäfte macht. Weil seine Frau eine bipolare Störung hat, hat er das alleinige Sorgerecht für seine beiden Kinder, ein Mädchen, vielleicht 12, und einen Jungen, vielleicht 7 Jahre alt. Die Spannung liegt weniger im Plot, eher in der Erzählweise und in der Auswahl der Bilder, im Schnitt. Es wird viel oder ausschließlich mit der Handkamera gearbeitet, was teilweise eine enorme Unruhe erzeugt. Trotz der existenziellen Belastung, der Uxbal ausgesetzt ist, und obwohl ihm die Handlungsfäden aus den Händen gleiten, versucht er, verantwortungsvolle Entscheidungen zu treffen. Die sozialen Verflechtungen seines Lebens sind vielfältig, was der Figur viele Möglichkeit zur Interaktion und viel Tiefe gibt. Die Frau, die Kinder, die widersprüchlich erscheinenden Jobs. Mit seinem Bruder, der einen Stripclub führt, verbindet ihn nur ein Rechtsproblem um das Grab des Vaters. Auf dem Kühlschrank stehen Fotografien aus glücklichen Zeiten, und es gibt Bilder, Blicke auf Barcelona, die nur einen Bruchteil einer Sekunde eingeblendet werden und die umso stärker wirken, weil man sie festhalten möchte. Uxbal hat außerdem eine besondere metaphysische Gabe, und dies verbindet ihn mit einer Frau, die er aufsucht, wenn er verzweifelt ist und Rat sucht. Das Zentrum seines Lebens sind seine Kinder, für die er eine Bedeutung haben will und die er zu anständigen Menschen erziehen möchte. „Papa, wie schreibt man `beautiful´?“ – „So, wie man es spricht.“ Mit den Kindern raus, in die Pyrenäen, damit sie den Schnee sehen. Wussten Sie, dass Eulen, bevor sie sterben, ein kleines Haarbüschel aus ihrem Schnabel verlieren?

2017 24 Sep

Froher Herbst

von | Kategorie: Blog | Keine Kommentare

Die Verlängerung der pränatalen Adventszeit

 

Jedes Jahr kurz nach den Sommerferien Mitte September beginnt die Weihnachtszeit. Das habe ich von einem meiner Klavierschüler, die meine Musikinstrumente finanzierten, gelernt. Für ihn war es wichtig, der Erste zu sein, der Lebkuchen und Schokonikoläuse mitbrachte und damit den Unterricht sabotierte. Wir aßen alles auf, unterbrochen nur von seiner eindeutig gespielten Entrüstung, es sei doch noch nicht einmal Advent. War es aber doch irgendwie, denn es wurde höchste Zeit, mit dem Einüben von Weihnachtsliedern zu beginnen, die an Heiligabend zu präsentieren waren.

Das erwarteten die Eltern wie mein Schüler die Lebkuchen. Gefürchtet war besonders die Großmutter, die jedes Jahr pünktlich unterm Baum saß. Der Grund für die recht frühe Vorbereitung des Weihnachtsrepertoires war, dass sie bei jedem Fehler laut nach einem da capo verlangte und dadurch die Bescherung bis ins Unerträgliche verschob, was den mühsam ausgehandelten Kompromiss über den friedfertigen Ablauf des Abends ernsthaft gefährdete. Der Bericht über die Rezeption des Weihnachtskonzertes gehörte jedes Jahr zur ersten Klavierstunde im Januar; ich spendete Trost mit dem Hinweis, wir könnten froh sein, nicht so eine postnatal weihnachtssüchtige Tante zu haben wie Heinrich Böll sie beschrieben hat.

Vielleicht bin ja auch ich von Weihnachtszwängen beherrscht; obwohl ich seit Jahren keinen Klavierunterricht mehr gebe, komme ich im September nicht an Aldi oder Lidl vorbei, ohne nach Weihnachtswaren Ausschau zu halten. Ich kaufe dann extra was anderes und fühle mich für kurze Zeit frei. Ich komme aber dann nicht drum herum, anstatt schleunigst mit der Manafonistas-Jahresliste zu beginnen, zuerst das alljährliche Weihnachtsmixtape fertig zu stellen. Zur weiteren Einstimmung dazu bestelle ich etwas aus dem pünktlich am 15.9. im Briefkasten liegenden Lebkuchenkatalog aus Nürnberg, der von der Aufmachung her voll auf Weihnachten macht, ohne freilich das W-Wort auch nur ein einziges mal zu erwähnen. Heuer bestelle ich 2×12 Fläschchen aus Schokolade, gefüllt mit bekannten Spirituosen. Das hilft über den verlängerten Advent hinweg und verweist auf Silvester.

Das 2017-er Weihnachts-Mixtape scheint mir besonders gelungen zu sein, vereint es doch angemessene Stimmung, dinner-geeignete Dynamik, perfekte Übergänge, geschmackvolle Auswahl und eine kleine Portion Ich-kenne-mich-aus-mit-Musik-Besserwisserei – wie sich das für ein gutes Mixtape gehört.

Es beginnt mit dem Instrument der weihnachtlichen Fußgängerzonen: der Blockflöte, hier geblasen von Moondog, dem Pionier der Minimalmusiker. Ergiebig ist die CD „Himmelslieder“ (von Poulenc, Britten, Pärt und Kaminsksi; mit dem SWR Vokalensemble). Dazu ein Ausschnitt aus Paul Hindemiths Oper „Das lange Weihnachtsmahl“ über die Eskalation der Unterhaltung vor dem Christbaum. Jazzbeiträge liefern die vor kurzem verstorbene Pianistin Geri Allen und Carla Bley (mit Steve Swallow und dem The Partyka Brass Quintett) jeweils aus dem Repertoire einer ganzen Festtags-CD. Wenn noch etwas World Christmas dazu gemixt werden soll, dann empfiehlt sich stets als zuverlässig gute Quelle eine CD der „rough music guides“. Besonders erwähnt werden soll das entsprungene Ros in der extrem langsamen Version von Jan Sandström, die Bugge Wesseltofts vom Schnee berieseltes Klavier wie ein fliehendes Pferd (A flying ross) erscheinen läßt. Den Platz von „Last Christmas“ nimmt diesmal Nick Lowe mit „Christmas at the Airport“ ein.

Die Abschlussworte stammen von Ernst Jandl (Auszug):

 

„Machet auf den Türel, machet auf den Türel!
Dann kann herein das Herrrel. Dann kann herein das Herrrel.
Frohe Weihnacht! Frohe Weihnacht!
Und ich bin nur ein Hund.“

Jahrelang haben Björn Meyer, ein Vertreter des elektrischen Bassgitarrenspiels (man denke an seine Arbeiten mit Nik Bärtschs „Ronin“ oder Anouar Brahem) und der Instrumentenbauer Richard Rolf daran gearbeitet, eine akustische Bassgitarre zu entwickeln, die den Vorstellungen des Musikers entspricht. Auf der soben erschienen, fantastischen CD „Provenance“ (ECM) ist sie auf zwei Stücken zu hören.  Ich  fragte ihn, was genau er sich vorgestellt hatte, er könne es ruhig in analytischer Sprache formulieren, und dann habe ich sein charmantes Schweizerdeutsch (Björn ist gebürtiger Schwede) nur ganz dezent aufpoliert. (me) 

 

„Zuerst, nur dass es klar ist – die akustische Bassgitarre  kommt ja nur auf „Squizzle“ und „Garden of Silence“ vor, gell?

Also, zuerst physische Parameter: Mensur (leere-schwingende Saitenlänge) wie ein “normaler” E-Bass (ca.85 cm) – 6 Saiten, von tief bis hoch in etwa E-A-D-G (wie ein normaler Bass) dann C – F … mit der Möglichkeit, ein wenig herum zu experimentieren … ich  habe danach fast immer das E einen Ton tiefer gestimmt …  – Genügend Klang und Volumen, um unverstärkt mit z.b. Nyckelharpa und Geigen etc zu spielen, u.a. beim schwedischen Spielmannstreffen. Dabei will ich sowohl Bass als auch Malodie und Akkorde spielen können! – Wahrscheinlich eher Stahlsaiten …

Eher schwierige Parameter: “Wie eine sehr tief gestimmte stahlsaitige Gitarre klingen, aber mit ganz klar definierbarem Grundton! Bei Akkorden soll jeder Ton hörbar sein. Es soll „Attack“ haben wie z.b. Das gezupfte Cello, aber gleichzeitig lang klingen können, was natürlich mehr oder weniger unmöglich ist … – es soll dynamisch auf verschiedene Spielarten – Plektrum, Zupf, Slap, Flamencotremolos und Sonstiges sehr “organisch” reagieren können … nicht dass mit Plektrum gespielte Passagen unkontrollierbar stärker kommen als mit Finger gezupften …

Dann beim Saiten-Hersteller: Mehr Grundton als Marke X und mehr Obertöne / Brillianz als Marke Y … – Saitenzug möglichst wenig, so dass der Deckel möglichst frei schwingen kann, aber genügend,  um gute Volumen zu erhalten …

In etwa so ist es zu- und hergegangen … alles was mit Konstruktion und anderen Details zu tun hatte (Holz, Form, Grösse etc.) habe ich den Fachmännern überlassen!!

Was hört man wo ?

„Squizzle“:  Mensur länge wirkt hier fantastisch,  finde ich – der Klang der leeren Saiten in den melodiöseren Teilen – Auch dass jeder Ton heraushörbar ist, obwohl ich ziemlich wild herumschrumme – Attack und Dynamik bei verschiedenen Spielweisen erscheint mir  auch sehr gelungen.

„Garden of Silence“:  Es hat auch beim tiefsten Ton (D, den Grundpuls von Stück) genügend Klang, um das Auditorio Lugano zu füllen! – Der Deckel (Top) ist dünn genug um schwingen zu können aber stark genug um den gesammten Zug von 6 Saiten zu halten. Der Klang von diesen spezialgewickelten Stahlsaiten inpiriert mich sehr … Es wurden eben Stahlsaiten, aber mit ein wenig Nylon (im Dünnsten / Höchsten), um den Klang nicht ZU glitzerig zu machen …“


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