Manafonistas

on music beyond mainstream

2014 14 Apr

Nightly sun activity

von | Kategorie: Blog | Keine Kommentare

 
way up north … yesterday night Umeå … aurora borealis
 
 
 
 

 
 

2014 12 Apr

Don´t Turn The Light On

von | Kategorie: Blog | Tags:  | 7 Kommentare

 
 

 
 
 
Dank Uwes Hinweis konnte ich vor etwa zwei Wochen zu einer Uhrzeit, zu der 70 Prozent der Manafonistas wahrscheinlich friedlich ihre ersten REM-Schlafphasen durchlaufen und 10 Prozent vielleicht schon ihre ersten Klartraumübungen absolvieren, ein denkwürdiges Konzert im WDR verfolgen: Die vollständige Fernsehaufnahme des Auftritts der Kölner Gruppe Can live im Winter 1970 in Soest. Erst ein paar Monate zuvor hatten der Keyboarder Irmin Schmidt und der Bassist Holger Czukay den Sänger Damo Suzuki von der Straße ins Studio geholt. Allein schon von der Art der Aufnahme unterscheidet sich diese Ausgabe des „Rockpalast“ von heutigen youtube-Einträgen oder Konzertaufnahmen im Fernsehen. Ein Zeitdokument. Die Kameras wurden immer wieder auch für längere Passagen auf das durchgehend sehr junge Publikum gerichtet, dem man anmerkte, dass es an einem wichtigen Ereignis teilnahm. Eine Gruppe saß sit-in-ähnlich auf dem Fußboden, andere hielten die Arme verschränkt, ein schlanker Junge mit engem Pullover tanzte – immer wieder im Bild – mit seltsam skurrilen Armbewegungen, eine blonde Frau mit Tuch im Haar packte erst ein Buch aus, dann eine Pfeife und schließlich produzierte sie Seifenblasen, wie ein Kind.
 
 
 

 
 
 

 
 
 
Und dann gab es bestimmt noch ein paar andere, hochsympathische Menschen, eher verborgen. Wenn ich auch Damo Suzuki ein gewisses Charisma nicht absprechen möchte, so mochte ich doch die Stücke am liebsten, in denen er sich im Hintergrund hielt. Wunderbar psychodelisch und mein Lieblingsstück dieses Konzertes: Paperhouse. Interessant ist auch der Titel „Vitamin C“. Das müssen nicht Okraschoten sein.
 
Und dies ist ein Teil der Playlist:
 
1) I Feel Alright
2) Mother Sky
3) Deadlock
4) Bring Me Coffee Or Tea
5) Sense All Of Mine
6) Don´t Turn The Light On, Leave Me Alone
7) Paperhouse
 
 
 

 

2014 11 Apr

Es war Neuland

von | Kategorie: Blog | 3 Kommentare

Vor ein paar Jahren begrüßte man das Internet, diese schöne neue Wohltat, als eine ungekannte Form der geistigen und imaginären Ausweitung, begeistert von der Möglichkeit, nun von seiner Wohnung, seinem Zimmer aus, vom Schreibtisch her, mit und in einer Sphäre zu kommunizieren und sich spielend leicht Informationen heranzuholen. Es war Neuland. Man genoss den wilden Wechsel zwischen Realwelt und virtual reality und wenn man kurz mal zum Einkaufen über die Strasse ging – wofür kaum Zeit blieb – dann war man in Gedanken noch auf seinem Desktop. Welt am Draht. In einer digitalen Wolke schwebend, fühlte man sich jung, geadelt, zugehörig. Wunderbare Metamorphose, aus Looser wurde User. Und wenn einem dabei, wie von einem Auto angefahren, im Tagtraum eine zahnlose Alte rücklings hinterherrief: “Das Internet wird euch noch alle ins Verderben reissen!” – entgegnete man etwas angefasst: “Ja red´ du nur!” Auch die ehrwürdige Grossmutter verweigerte schliesslich noch zeitlebens jegliches Telefonat – und die ersten Eisenbahnen galten als viel zu schnelles Teufelszeug … Aber die Zeiten ändern sich. Man kehrt heut gerne tendenziell zurück: zu den habhaften und handlichen Dingen, zu den Menschen, zur konkreten Welt. “Das einfache Leben!” forderte Susanne und Jan bejahte das. Seine Haut retten und sein Hirn – vor diesem nimmermüden Flackern der Bilder: Bitte Augen schließen, bitte zum Abschluss kommen, bitte sterblich werden.

 
 
 

 
 
 
Byung-Chul Han: Bitte Augen Schliessen.
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Amazon Kindle Edition, € 0,99

Manchmal sind Missverständnisse, Versprecher oder Hörfallen auch produktivitäts- oder gedächtnisfördernd, zum Beispiel wenn Wörter kombiniert werden, die in gewöhnlichen Dankbahnen so nicht zu finden sind. Wie kann der Titel einer CD „Filtered Through France“ heißen, fragte ich mich viele Jahre. Gianni Rodari hat daraus eine Methode zum Erzählen von Geschichten gemacht, nachzulesen in seinem Buch „Grammatik der Phantasie“. Ein altes Spiel. Schreiben Sie auf eine Seite eines Papiers ein Wort, drehen Sie das Papier um, reichen Sie es weiter, der nächste schreibt wieder ein Wort. Die Kombination von „Hund“ und „Katze“ ist langweilig. Wie wäre es aber mit „Hund“ und „Schrank“? Verbinden Sie die Wörter durch verschiedene Präpositionen. Machen Sie eine Liste (ich liebe Listen): Der Hund auf dem Schrank, der Hund im Schrank, der Schrank im Hund (hups, jetzt wird es interessant) etc. Dies wäre dann die Aufgabe von Person No. 3, wahlweise auch dem dritten Anteil des eigenen Ich. So beginnen Geschichten. Beim Blättern in alten Jazzthetikausgaben in der Bibliothek meines Vertrauens fiel mir dann die Anzeige auf, die auf ein Werk von Spunk hinwies: Filtered Through Friends. Es ist ungefähr 13 Jahre her, dass Michael den Track Nr. 5 (phonophani) in seiner Sendung gespielt hat. Das Stück befindet sich praktischerweise am Anfang einer meiner Audiokassetten und ich habe sie auf verschiedenen Autofahrten immer wieder zurückgespult. Die Anzeige in der Jazzthetik gab mir den nötigen Ruck. Ich wurde nicht enttäuscht. Rune Kristoffersen lotet verschiedene Felder von Elektronik und Noise mit wunderbarer Leichtigkeit und Experimentierfreude aus. Glücklicherweise wird dabei nur das Nötigste gesprochen. Meist geht es auf dem Album ruhig und entspannt zu. Manchmal dann doch eher Noise als Elektronik, aber es nervt nie. Am Ende, im letzten Stück, löst sich alles auf. Das Cover trifft die Stimmung ziemlich gut. Und auf die Idee der minimalistischen CD-Gestaltung muss man auch erstmal kommen.

 
 
 

 
 
 

 
 

 
offene weite hier im norden
 
 
 

 
 
 
Umeå (ümee-oh), Schweden
 
12Points-Festival 2014

 

 
Neu im Plattenschrank
 
 

Ein sehr großes, ein riesiges Kino, sehr alt, leerstehend, vor langer Zeit aufgeben, im Stich gelassen, stelle ich mir vor. In der Vorhalle sind noch Reste eines kleinen Kiosk zu sehen, ein vergilbtes Reklamebild wirbt für Toblerone, ein anderes für Langnese Eiskonfekt. Im Saal dann: Das, was einmal ein schwerer, roter Samtvorhang war, hängt in Fetzen vor der vielleicht einmal weißen Leinwand. Dunkle Höhlen, rechts und und links der ehemaligen Leinwand, hier hatten wohl einmal die Lautsprecher ihren Platz. Überall befinden sich Löcher im Boden an den Stellen, an denen einst die Kinosessel verschraubt gewesen sein mochten. Welcher Film hier wohl als letztes lief? In den Schaukästen draußen kann man nur noch dunkle Schatten an den Stellen erkennen, an denen dereinst Kinobilder hingen, ansonsten sind hier nichts als tote Fliegen zu sehen, die sich am Grund der Schaufenster sammeln … irgendwo steht ein verlassenes braunhässliches Klavier, verstimmt … hier, so denke ich jedenfalls, könnte Hauschka seine CD Abandoned City aufgenommen haben. Der Titel der CD verspricht vollkommen, was er ankündigt, Musik für schöne Ruinen … unglaublich.
 
 
 

 
 
 
Ganz andere Musik jetzt: Vor vierzehn Tagen erschien eine weitere Platte, die mit Sicherheit zu meinen besten zehn Platten des Jahres 2014 gehören wird: Paul Bley Play Blue. Bei dieser Platte handelt es sich um einen Konzertmitschnitt: Paul Bley Live At Oslo Jazz Festival / 2008. Fünf Titel sind auf dieser CD versammelt, vier davon Eigenkompositionen des Meisters. Gleich das Siebzehn-Minuten-Stück Far North begeistert den Bley-Bewunderer. 2008, Paul Bley war damals 75 Jahre alt, ein Jahr zuvor hatte er die CD About Time veröffentlicht. About Time, das war eine 33 Minuten dauernde absolut faszinierende Improvisation, Pent Up House war das zweite Stück auf dieser Platte, eine Sonny Rollins Komposition. Mit diesem Stück endet nun auch die Live-Aufnahme auf dieser bei ECM erschienenen Platte, für deren ausgezeichneter Tonqualität Jan Erik Kongshaug verantwortlich zeichnet.

Ähnlich der neuen Hauschlka-Platte, mag es dem Hörer auch mit der CD Mutations von Vijay Iyer gehen, auch hier: extrem bilderspendende Musik. Das geht gleich los mit Spellbound And Sacrosanct, Cowrie Shells And The Shimmering Sea und wird dann über Vuln Part 2 mit Mutations I bis X, einer Komposition für Klavier, Streichquartett und Elektronik weitergeführt, das ist schon wirklich mitreißend.

 
 
 

 
 
 
Schon am 29.01.2014 wurde von Henning Bolte auf manafonistas.de auf die famose Platte der Gruppe Eggs Laid By Tigers: Under The Mile Off Moon hingewiesen. Von dieser CD bin ich überaus überrascht und begeistert, besonders das Stück Let it be known läuft bei mir rauf und runter, ein Stück, das zwingend in die Jukeboxen dieser Welt eingeordnet gehört.

 
 
 

 
 
 
Und am Schluss mal noch ganz schnell der Hammer: Am 10.02.2014 erschien W. A. Mozart Klavierkonzerte No. 20 KV 466 und No. 25 KV 503 mit Martha Argerich und dem Orchestra Mozart unter Claudio Abbado. Es handelt sich um einen Livemitschnitt aus dem Juni vergangenen Jahres. Abbado ist ja vor wenigen Monaten gestorben, diese Aufnahme ist sein letztes Konzertdokument. Ganz davon abgesehen, dass für mich Martha Agerich eine der größten Pinanisten auf dem Gebiet der klassischen Musik ist, dieser Mitschnitt ist eine Offenbarung. Umwerfend, wie das Klavierkonzert No 25 KV 503 gespielt wird, man kann sich nicht satthören.

 

 
 
 
Aus der Freundschaft zwischen Yōko Tawada und Aki Takase entstand 2002 die CD Diagonal.

Nun hat Aki Takase für Flying Soul ‘La Planète’ zusammengestellt und dafür Louis Sclavis, Vincent Courtois und Dominique Pifarély gewonnen. Mit Louis Sclavis hatte sie schon die CD Yokohama aufgenommen. Mit der Konstellation von Klavier, Violine, Cello und Klarinette ist die Richtung Kammerjazz quasi vorgegeben.

Flying Soul bezieht sich dabei auf einen Roman Tawada’s: Hikon von 1998.

Es ist ein Vergnügen, ihnen beim Erschaffen einer musikalischen Entsprechung der Protagonistinnen  ”Beniishi” (Rouge Stone), “Yubihime” (Finger Princess), “Risui” (Water Mirror) und “Kikyo” (Turtle Mirror) zuzuhören – und wie sie zu einem anderen Leben erweckt werden.

Sensibel und einfühlsam werden sie charakterisiert, immer neue Klangfarben werden miteinander verwoben, welche rau, verträumt oder kratzbürstig sein können. Mal wird alles durcheinander gewirbelt, um dann sacht in eine Ballade über zu gehen. Gleich einer Farbpalette, werden Noten zu Stimmungen und Lichtspielen … oder zu einem Spaziergang durch einen Wald, wo Lichtungen zum Verweilen einladen, Bäche leise rauschen und ein plötzlicher Windstoß die Blätter in den Baumkronen aufwirbeln lässt …

“Mooncake” läd sogar zum Tanzen ein. Messiaen klingt in “Piece for la Planete” mit an und man möchte spontan “Quatuor pour la fin du temps” anhören.

Wer sich auf diese Musik einlassen kann, der wird auf eine wunderbare Reise mitgenommen, welche durch imaginäre Landschaften führt, in denen allerlei Wesen ihren Spuk treiben. Lebendig geworden durch das Können der Instrumentalisten, die die Fähigkeit haben, Worte fliegen zu lassen …

2014 8 Apr

Aki schautlausch

von | Kategorie: Blog | Tags:  | 3 Kommentare

 
どこ
 
 
 

 
 
 
ou wo where waar
 
 
© FoBo _Henning Bolte

Stars and cars and radio waves. If you listen to these 55 minutes of music, you might get lost in your dreams near the end. Janek Schaefer wouldn’t mind, he is quite a nocturnal person and has just released his calmest record yet. But at first, Meredith Monk’s vivid dance will stop you in the tracks: the track that starts this “blue hour” is like a shot of coffee at 4 o’clock in the morning. Then (oooh!) this “country death record” (or how you might call it) by the Canadian drifters and troubadours of Timber Timbre: a time travel to the “Gothic South” – traces of black-and-white spy movies, Roy Orbison in the Grand Canyon – David Lynch loves this band (and apart from being trapped in promoting TM  - see the documentary ‘David Wants to Fly’, and you know! – he has a good taste for the cinematic qualities of music.) The ghost stories continue with sound-artist BJ Nilsen and his fantastic sound-trip through London: everyday life turns into dream fragments. To stroll properly, one should have no particular plans. After a short, merciless noise, Tara Jane O’Neil comes along: her journey through foggy hinterlands in the middle of nowhere (made in America) is another dark affair of distant lights. At the end, everything comes to rest  at the outer limits of nighttime London, with cars and stars and radio waves. (me)

 
 
 

 
 
 

1)  Meredith Monk: Folkdance, aus: PIANO SONGS, Cd 03, 4’00” 2) Timber Timbre: Curtains!?, aus: HOT DREAMS, Cd 03, 3’43” 3) BJ Nilsen: Londinum, aus: EYE OF THE MICROPHONE, CD 01, 10’44” 4) Tara Jane O’Neil: Elemental Finding / All Now Vibe / The Signal, Wind, aus: WHERE SHINE NEW LIGHTS, Cd 07, 08, 09, 3’53”, 2’07”, 2’20” 5) Janek Schaefer: Radio 101 FM / Radio 102 FM / Radio 103 FM / Radio 104 FM, aus: LAY-BY LULLABY, Cd 01, 02, 03, 04, 5’25”, 3’47”, 5’26”, 6’59”

“Jan Wiele hat Michael Chabons Roman um Nat Jaffe und Archy Stallings, die den Jazzplattenladen Brokeland Records führen, dessen Existenz durch einen neuen Megastore bedroht ist, mit großer Begeisterung gelesen. Der Gedanke an Nick Hornbys “High Fidelity” scheint naheliegend, doch der Rezensent macht deutlich, dass Chabons Roman in einer ganz anderen Liga spielt. Denn “Telegraph Avenue” ist für Wiele nichts weniger als ein großartiger Amerika-Roman, der das Verhältnis zwischen schwarzem und weißem Amerika sowie die Schmelztiegel-Kultur neu beleuchtet und tiefgründig analysiert. Zugleich liest er das Werk als “große Ballade von Patchwork-Familien und abwesenden Vätern”. Besonders gefallen Wiele der Humor des Autors, sein filmisches Erzählen, der Wechsel von wirklichkeitssatten Beschreibungen und phantastischen Einfällen, die zahlreichen liebevollen Anspielungen und Bezüge auf den Jazz, die Popkultur, das Blaxploitation-Kino. Für Wiele eine prall gefüllte Wundertüte Literatur.” (aus: perlentaucher.de – Jan Wieles Rezension von Michael Chabons neuem Roman “Telegraph Avenue” findet sich in der FAZ)


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