Manafonistas

on music beyond mainstream

 
 

 
 

Was ist ein fast 5 stündiges Konzert? Eine physische Erfahrung, ein Test in Aufmerksamkeit und Wahrnehmung? Der Ort des Geschehens war die Jahrhunderthalle in Bochum, anlässlich der Ruhrtriennale 2014 (Nachtkonzert vom 16.8.3014, Beginn: 23Uhr). Morton Feldman – For Philip Guston, gespielt von den 3 Mitgliedern des Ensembles Modern: Dietmar Wiesner, Hermann Kretzschmar und Rainer Römer.

 
 
 

 
 
 
Aus dem Programmheft:
 

“For Philip Guston ist eine Hommage an den 1980 verstorbenen Maler-Freund, eine Musik der Abwesenheit und Stille. Melodiemuster in schwebender Rhythmik, von kurzen Pausen getrennt, erzeugen immer wieder neue instrumentale Nuancen, ein musikalisches Gewebe von befreiender Leichtigkeit. Die Verknüpfungen, Proportionen und verborgenen Symmetrien sind inspiriert von Strukturen, Herstellungsweisen und Farben, die Feldman in antiken handgeknüpften Teppichen anatolischer Nomadenvölker fand, die er leidenschaftlich sammelte. Die Musik For Philip Guston ist nicht in Hinblick auf ein Publikum komponiert, sie ist einfach da. Man kann ihr begegnen, sich ihr aussetzen, sich hinein versenken. Man kann sich aber auch entfernen, und wenn man sich wieder nähert, ist die Musik unverändert präsent. Die Zuhörer sind eingeladen, es sich während der Aufführung in einer Landschaft verschiedener Sitz- und Liegemöglichkeiten bequem zu machen, den Saal zu verlassen und wieder zu betreten.”

 

Morton Feldman ist mit John Cage befreundet und die Kargheit seiner Kompositionen erinnert an Christian Wolff. So beginnt dieses Konzert auch mit c – a – g – e, ein Motiv das immer wiederkehrt. Es gab (fast) immer zur vollen Stunde auch ein gewisses musikalisches Zusammentreffen. Alles erklang in Piano Pianissimo, dieses Konzert als eine Übung in Meditation zu sehen, ist bestimmt auch nicht falsch. Allein Heiner Goebbels war fast immer im Saal unterwegs und lauschte aus verschiedenen Perspektiven dem Geschehen. Viele nutzen den Raum, verließen ihn um später zurück zu kehren, oder ganz zu gehen. Wir nutzen auch die Möglichkeiten des Raumes, gingen umher, machten es uns in den Sesseln bequem. Verließen den Raum um wieder zurückzukehren. In dem Moment des wieder Eintauchens in das musikalische Geschehen, hatte man zunächst den Eindruck, dass man nichts verpasst hat. Was so wiederum nicht stimmte. Die eigene persönliche Haltung zur Musik wurde präsent. Zum Schluss hin, wenn man das Umblättern der letzten Seiten herbei sehnte (man hatte ja schon 4stunden durch gestanden), und die letzten Töne in der Luft hingen, waren alle glücklich. Aber über das was ich da eigentlich erlebt habe, bin ich mir immer noch nicht sicher.

“Die Komponistin Galina Ustvolskaja (1919-2006) bestand darauf, dass „keine wie auch immer geartete Beziehung“ zwischen ihrer Musik „und der eines anderen lebenden oder toten Komponisten“ bestehe, und positionierte sich außerhalb aller stilistischen „Schulen“. Ihr Werk, sagte Viktor Suslin, habe die „Fokussiertheit eines Laserstrahls, der Metall schneiden kann.“ Sich in diese Klangwelt zu begeben, erfordert eine besondere Form des Engagements und der Intensität. Patricia Kopatchinskaja und Markus Hinterhäuser spielen auf einer neuen Einspielung die Sonate (1952) und das Duett (1964) für Violine und Klavier, und zusammen mit Reto Bieri, das Trio (1949) für Klarinette, Violine und Klavier.” So heisst es in einer Ankündigung von ECM  HEADQUARTERS über ein Album, das am 19. September erscheinen wird. Klingt hochgradig spannend. Entweder grosses Staunen – oder “Danke – und tschüss”, ein Dazwischen wird es wohl kaum geben.

“It was the year 1979 when I heard this in the most odd circumstances. I was traveling to my grandmother’s place on some occasion with a friend of mine, and we had to change busses in a small city. We had some time to spend there, and we saw this shop for domestic equipment, like washing machines and whatever, near the station, but they also had some records. On the rack they had Suicide, the original Red Star edition, and it’s astonishing how it ended up there. I really don’t know. We looked at the cover and the sleeve, and it looked quite impressive with the photograph of the guys and so on. We asked if we could listen to it because we had very little money at that time and wanted to hear it first. The shopkeeper said, ‘You don’t really want to hear this … It’s horrible, but maybe you can play it anyway.’ When ‘Ghost Rider’ started, it was one of those moments when you know definitely that it’s something really important. We bought the album, we put our money together and bought the LP, and since then I’ve been a really big fan of Alan Vega and Martin Rev both. We made two albums with Alan with Pan Sonic and have supported them in live concerts many times. They have told me many stories about how they had things thrown at them constantly while onstage performing. Scotland used to be one of the most dangerous places for all of the rock bands to go play. In the 70s I believe at some point the bands got a double fee if they played in Scotland because so many bands didn’t dare to go there. Suicide went to play there, and they were supporting the Clash I think. Someone threw and axe at Alan, and it passed right by his head, a big axe, amongst all of the bottles and beer cans and whatever.” (Source: The Quietus)

 
 

 
 

Der Alphazustand ist bekannt als introspektiv und kreativitätsfördernd. Lebt man eine Woche lang direkt am Atlantik, völlig abgelegen im südwestlichen Irland, in einem riesigen Haus voller Geschichten, so kann dies einiges bewirken, sagte Denise. Ist Achim Musiker?, fragte ich, denn ich hatte in seinem Plattenschrank eine CD mit eigenen Liedern entdeckt, die stammten allerdings noch aus dem vorigen Jahrtausend. Er ist Fotograf, sagte Denise, sie holte einen großformatigen Band aus einem Bücherregal und blätterte ihn auf. Die Fotografien sehen aus wie Bilder, in ihrer Düsternis und in ihrem Interpretationsspielraum würden sie sich hervorragend als Cover für die Alben von Scott Walker eignen, dachte ich sofort. Ich erinnere mich an einen angedeuteten männlichen Oberkörper, hell, sonst alles schwarz. War da ein Kopf? Ich weiß es nicht mehr. Entfernt die Erinnerung an ein Bild von Edward Munch, das ich in meiner Postkartenssammlung habe. Madonna oder so.

Der Höhepunkt aus Achims Plattenschrank ist die Sammlung an Alben aus dem Hause ECM. Ich habe fast nur Pat Metheny aufgelegt, von denen es ungefähr ein Dutzend gab. Eine ruhige, entspannte Sommermusik (auch wenn die Sonne nicht die irische Insel fand), Endlosschleifen, die sich manchmal unbemerkt verändern, weil ich zwischendurch abgedriftet bin in meinen Gedanken, gut gelaunt und leicht, aber dennoch nicht oberflächlich, wenn ich mir auch ein paar manchmal mehr Kratzer, Kippmomente oder Sprünge in dieser schwebenden Perfektion gewünscht hätte. Dafür ist es eine Musik, die ich Gästen zum Abendessen zumuten kann, die ich mit „Bécs“ von Fennesz (immer noch meiner No. 1 dieses Jahres, leider außerhalb von Achims Plattenschrank) verjagen würde.

Auch sehr überzeugend: „mystic jazz“ von Paolo Rusticelli.

Eine ganz andere Musik: das Tuckern der Motoren der Fähre, direkt unter meinem Kopf, als ich die ganze Nacht schlaflos quer liegend auf zwei abgewetzten Ledersesseln lag, zugedeckt von meiner Winterjacke.

… allein schon die Namen der Sendungen: Point (SDR), Schlafrock (SDR), Volkers Kramladen (HR), Jazzlaboratorium (NDR), Radio Unfrisiert (HR) – an letztere Sendung sei hier erinnert, ab und an wurde sie von Michael Engelbrecht moderiert. Radio Unfrisiert gab es am Samstagnachmittag und da durfte, wie der Titel der Sendung ja auch schon nahelegt, Ungewöhnliches passieren. Einmal gab es eine Sendung über Ambient-Music. Michael sprach live mit seinen Hörern über dieses Thema, etwa darüber, bei welchen Beschäftigungen Musik eine Rolle spiele.
 
Während meines eben zu Ende gegangenen Urlaubs erinnerte ich mich beim Kochen an eben diese Sendung. Beim Alltagskochen höre ich normalerweise über mein Braun Röhrenradio Atelier 1-81 Deutschlandradio – allein, ich muss mir jetzt nach einer unerträglichen Programmreform Ende Juli, die diesen Sender inhaltlich und musikalisch vollkommen an die Wand gefahren hat, einen anderen Alltagssender suchen – oder drücke auch mal ein paar Platten der Jukebox.
 
Anders im Urlaub, da gehe ich während des Kochens musikalisch doch recht ritualisiert vor. Für die Zubereitung jeder Mahlzeit wird je eine CD in den Koffer gepackt, vornehmlich solche, die bisher noch nicht aufmerksam genug angehört wurde, vielleicht auch ganz neu, gänzlich ungehört ist oder sonst irgendwie einmal mehr intensiver wahrgenommen werden sollte. Das von Musik begleitete Kochen, verstärkt sowohl den Koch- wie den Musikgenuss. Ein Gläschen Wein dabei, was will man mehr!?
 
Dieses Jahr gab es folgende Zusammenstellungen: Karen Mantler: Business is bad, dazu: Rissotto mit Pilzen. Bill Carrothers: Love an Longing, dazu, ja, doch, einmal im Jahr sei es gestattet: frischer Thunfisch mit Salzkartoffeln. Martha Agerich, Claudio Abbato: Mozart Klavierkonzert No 25 in C major KV503, dazu südfranzösische Gemüsepfanne mit Hackfleisch.
 
 
 

 
 
 
The Autumn Defense: Fifth, dazu: Tomatencremesuppe, dann frische Austern, Baguette & Salzbbutter und Weißwein. Jean-Louis Matinier & Marco Ambrosini: Inventio, dazu: südfranzösisches Fleischgericht mit Baguette. Jon Hassel: City Works of Fiction, dazu: Spagetti mit Gorgonzolasoße und Salat. Paul Bley: Play Blue, Oslo Concert 2008, dazu gebratene Forelle, Salzkartoffeln, Buttersoße und großen gemischten Salat. Dino Saluzzi Group: El Valle de la Infancia, dazu: Muscheln in scharfer Tomatensoße und natürlich einen guten Weißwein.
 
 
 

 
 
 
Heinz Holliger, Anita Leuzinger und Anton Kernjak spielen Stücke von Robert Schumann und Heinz Holliger, dazu: Dorade im Salzbett, Kartoffeln mit Buttersauce und natürlich einen vorzüglichen Weißwein. Das nur ein kleiner Ausschnitt aus großen, vergnüglichen Stunden.
 

“You feel the draught in every door / So rip the hinges off the wall / And let the wind run down the hall / It doesn’t hurt to change it all” (Dan Michaelson) 

I hope you will join my “Electronic Griot”-lecture on Sept. 5th at Hotel Norge. I know some of you are reading this cause this blog does appear as link of my seminar announcement on punktfestival.no. Just want to keep you informed that this is a composed lecture with some improvisational elements, a mix of words and sounds. Don’t take any drugs before the seminar except your morning cafe or hot chocolate (I highly appreciate green tea!), cause the music will (for the most part) do the “trance factor” and this thing with the altered consciousness.

You will receive, on paper and/or on this blog the tracklist of the show, even a list of records and films I do only marginally mention. You will even get a list of tracks that didn’t make it on the final selection though they would really contribute to the themes of “making creative radio” and “structural minimalism”. Ah, this term sounds a bit academic, but don’t worry. I’m a storyteller, and there is no good story without dark undercurrents.

P.S. During the evening after the lecture you will also find HERE a lot of links to many PUNKT-related topics. A special service from our master of the web, Joey, yes, the guy from the Steely-Dan-song! Without mentioning it at any other time except now, I dedicate my show to my friend Brian Eno, who coined the term “Electronic Griot” for some of my late night activities at the Deutschlandfunk. And I’m really grateful to Harald Rehmann, the head of the jazz (and “adventure music”) department in Cologne who has over many years been fighting for places for independant, genre-crossing music: we storytellers are not yet a dying breed!

 
 
 

 

Hello Dan,

 

I got to know your music with the recotd SUDDEN FICTION, and days ago i got a copy of DISTANCE. In October (round 6 to 13, not yet confirmed) I will be in London and like to do an interview with you about music and, well, favourite books. Now my somehow oblique sounding request. I do understand the lyrics of DISTANCE quite well, but it could make a forthcoming and fact-based “short story” of mine much easier, iif you could send me the lyrics of that album. Some days ago, I experienced – during a night drive through Germany – a kind of horror trip, and your new record was running nearly 5 hours in a row. So I would like to use single verses as a counterpoint in that story. It will be written in October. Of course, I will ask for permission before putting it out. P.S.: my “album of last year” was Bill Callahan`s Dream River, by the way … So hope this will work for you,

 
Best, Michael  
 
 
 

 
 
 

Good morning Michael,

 

how lovely to hear this from you. I’m both honored and excited by the idea you’d like to include me or my words in your writing somehow. I’m in the studio today doing some writing myself so not looking at emails very much, but please find the lyrics below.

 

Look forward to hearing from you again, Dan.

 
 
 

EVERGREEN

 
When all the leaves are brown and fallen to the floor

Been whipped up by the wind and blown around your door

Then I’ll come down from here … Whisper gently dear

Didn’t we say it would stay green this year … When we were just beginning here.

A frost the gently thaws and crumbles underfoot

A sheer of misty glass that melts around your shoes

A shaft of burning light that melts the coldest mood

Til I come back to you. Whisper gently dear

Didn’t we say it would stay green this year … When we were just beginning here

Remember how we swept lost leaves from around those trees

Only fools think love is evergreen


Manafonistas | Impressum | Kontakt
Wordpress 3.9.2 Design basiert auf Gabis Wordpress-Templates
88 Verweise - 0,575 Sekunden.